70. Geburtstag Muhammad Ali: "Muhammad Ali hat die Welt ein bisschen besser gemacht"
Jan Philipp Reemtsma, Autor eines Buches über Ali, sagt im Tagesspiegel-Interview, wieso der Ausnahmeboxer einer der interessantesten Menschen des 20. Jahrhunderts ist.
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Muhammad Ali (links) im Kampf gegen Joe Frazier am 08.03.1971
Frage: Herr Reemtsma, am Dienstag wird Muhammad Ali 70 Jahre alt. Gibt es Grund zum Feiern?
Jan Philipp Reemtsma: Aber selbstverständlich, warum denn nicht? So etwas macht man doch an Geburtstagen, erst recht an runden.
Frage: Es geht ihm gesundheitlich nicht besonders gut. Das war zuletzt bei der Beerdigung seines alten Rivalen Joe Frazier zu sehen.
Reemtsma: Sie können ein Boxerleben mit so schweren Treffern nicht durchstehen ohne Folgeschäden. Wir können nicht wissen, was auf das Konto seiner Parkinson-Erkrankung geht und was die neurologische Folge von zu vielen Kopftreffern ist. Ohne Folgeschäden ist es bei Ali nicht geblieben.
Das ist der Preis, den er zahlen muss.
Frage: Wen werden Sie zum 70. Geburtstag feiern?

Jan Philipp Reemtsma ist Autor und Professor für Deutsche Literatur. Er verfasste unter anderem das Buch Mehr als ein Champion. Über den Stil des Boxers Muhammad Ali.
Reemtsma: Einen der interessantesten Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, einen Ausnahmeboxer, wie es so keinen mehr gegeben hat und vielleicht so nicht mehr geben wird. Und eine Figur, die politisch hochinteressant war. Muhammad Ali hat die Welt ein bisschen besser gemacht. Und wenn man das von einem Menschen sagen kann, ist doch wohl alles in Ordnung.
Frage: Sie haben 1995 ein Buch über Ali geschrieben. Darin heißt es, es gebe nicht nur einen Ali, sondern mehrere. Welcher ist Ihr Lieblings-Ali?
Reemtsma: Oh, das ist schwer. Sehr interessant ist natürlich die historische Figur, die man in ihrer politischen Bedeutung sehen kann bis hin zur Entzündung der Olympischen Flamme 1996 in Atlanta, das ist ja ein Echo auf diese öffentliche Rolle, in die er hineingewachsen ist. Aber mein Herz schlägt, wenn ich das so sagen darf, für den Virtuosen im Boxring, dem es gelungen ist, einem an sich nicht sehr diffizilen Sport eine so eigene Note zu geben, dass auch so gewalttätige Auseinandersetzungen auf einmal Schönheit gewinnen. Alis Kämpfe haben eine eigene Choreographie, und das habe ich immer mit großem Genuss gesehen. Ich zitiere Alexander Sutherland Neill, den Begründer der Summerhill-Pädagogik. Er sagt: "Boxen interessiert mich nicht, und wenn, dann bin ich für den Außenseiter. Mit Ausnahme von Muhammad Ali, dessen Stil ich nahezu poetisch finde."
Frage: Was gefällt Ihnen an diesem Stil am besten?
Reemtsma: Die Virtuosität und die Unberechenbarkeit. Die Fähigkeit, sich immer wieder neu auf eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Gegner einzustellen. Man kann ihn nicht auf einen bestimmten Stil einengen.
Frage: Wann haben Sie Ali das erste Mal bewusst wahrgenommen?
Reemtsma: Das war zur Zeit seines ersten Weltmeisterschaftskampfes, 1964 in Miami gegen Sonny Liston. Da war ich elf Jahre alt, und die Kämpfe liefen noch nicht im Fernsehen, aber ich habe in den Zeitungen von ihm gelesen. Er ist mir aufgefallen als jemand, der aus dem Rahmen fiel. Der sich nicht so benahm, wie man das erwartete von einem Sportler, schon gar nicht von einem schwarzen Sportler. Seitdem war mein Interesse da.
Frage: Haben Sie einen Lieblingskampf?
Reemtsma: Es gibt die drei großen Ali-Kämpfe. Der erste WM-Kampf gegen Sonny Liston, als er eine Runde lang nahezu blind war und trotzdem gewann. 1975 die Schlacht gegen Joe Frazier, den Thriller in Manila. Das war sicherlich der Kampf, der mich emotionell am meisten mitgenommen hat. Es ging ja für beide Boxer bis an die Grenzen des physisch Möglichen. Aber der spannendste war sicherlich der 1974 in Kinshasa, als er sich auf sehr eigenwillige Weise den WM-Gürtel zurückgeholt hat.
Frage: Ali lehnte mit dem Rücken in den Ringseilen und schützte sich ganze Runden über mit beiden Armen gegen Foremans Schläge. Irgendwann war der Weltmeister müde und Ali knockte ihn in der achten Runde aus. Ein taktisches Meisterstück, wie es Ali keiner zugetraut hätte.
Reemtsma: Das Interessante war aber, dass er auch die deutlicheren Treffer setzte. Ich weiß heute noch, dass er diesen Kampf mit rechten Geraden begonnen hat. Das war sehr unüblich, denn Champions greifen Champions nicht mit einer rechten Geraden an, jedenfalls nicht in der ersten Runde, weil die Faust sehr lange unterwegs ist und der Gegner sofort mit einer Linken kontern kann. Ali ist dieses Risiko eingegangen. Und jede Runde beendete er damit, Foreman zu signalisieren, dass er völlig unbeeindruckt war von dessen Schlägen. Natürlich war das auch eine psychologische Auseinandersetzung.
Frage: Der deutsche Fernsehreporter hat davon wenig mitbekommen. Er sah Ali bis zuletzt auf dem Weg in eine sichere Niederlage.






wäre schön wenn die nächsten Kommentare ohne antimuslimische Hetze auskommen.
Der Übertritt Alis war ein Resultat der amerikanischen Geringschätzung der Schwarzen. Nicht umsonst hat er seine Olympiamedallie in den Fluß geworfen.
Die Welt wird einen Moment stillstehen wenn man ihn zu Grabe trägt.
ein großer, ein bewegender Moment.
Immer schon mehr als einer der besten Sportler jemals gewesen...
Gerade in der jetzigen Zeit braucht die Welt wieder solche Typen.
Die Welt braucht keine Kriege.
Happy Birthdy M.A.
Heute ist einfach mal die Zeit einer großen Persönlichkeit und einem legendärem Sportler zum Geburtstag zu gratulieren und Respekt auszudrücken.
Ich freue mich, dass zumindest die ersten 5 Kommentatoren das auch so sehen!
Muhammad Ali ist nicht nur der größte Boxer aller Zeiten, er ist auch eine Lichtgestalt und Vorbild für Millionen von Menschen. Ein Mann mit beispielhaften Charakter und einer unglaublichen Ausstrahlung. Ein Mann mit Prinzipien und einem unbändigem Willen diesen Prinzipien gerecht zu werden.
Lieber Ali, vielen Dank und alles gute zum Geburtstag!
Ein interessantes Interview!
Nur frage ich mich manchmal ob ich den Tagesspiegel lese oder "Zeit online". Gibt es dazu auf zeit.de mehr Informationen warum so viele Artikel aus dem Tagesspiegel genommen werden?
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