Arne Friedrich"Wenn ich ein Glas Rotwein trinke, bereue ich nichts"

Bier ist nicht sein Ding. Aber Arne Friedrich könnte sich gut vorstellen, Werbung für Wein zu machen – wenn er denn schmeckt. Das Kolumnengespräch über Alkohol von 

Arne Friedrich während der WM 2010 im Spiel gegen Argentinien

Arne Friedrich während der WM 2010 im Spiel gegen Argentinien  |  © Bernd Weißbrod, dpa

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich , wann haben Sie zuletzt ein Herrengedeck bestellt?

Arne Friedrich: Ein was? Keine Ahnung.

Anzeige

ZEIT ONLINE: Unser Interview-Thema lautet Alkohol. Sie kennen kein Herrengedeck?

Friedrich: Nein, noch nie getrunken. Oder zumindest weiß ich nicht, was es ist.

ZEIT ONLINE: Wer in der Kneipe ein Gedeck bestellt, bekommt ein Bier und einen Kurzen.

Friedrich: Im Ernst?

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich.

Friedrich: Ich trinke auch ganz gerne Mal ein Gläschen Alkohol. Aber Bier gehört nicht zu meinen Favoriten. Wenn ich mal eines trinke, dann eher ein Weißbier.

ZEIT ONLINE: Aber zum Ausstand in Wolfsburg und Berlin haben Sie wohl einen Kasten Bier ausgegeben?

Friedrich: In Berlin habe ich damals von meinem Lieblingsitaliener Essen für die ganze Geschäftsstelle liefern lassen. Beim VfL Wolfsburg habe ich die Mannschaft zum Essen eingeladen. Aber da gab es kein Herrengedeck.

ZEIT ONLINE: Fußball und Bier gehören zusammen, oder nicht?

Friedrich: Zumindest wenn ich Kumpels von mir befrage, die in etwas niedrigeren Ligen spielen, bekomme ich diese Aussage bestätigt. Da wird nach fast jedem Spiel ein Kasten getrunken. Solange das in Maßen bleibt, ist das auch okay. Professionelle Fußballer sind auch keine Außerirdischen, die trinken wie andere Menschen auch. Dort wird aber nicht direkt nach dem Spiel in der Kabine getrunken.

ZEIT ONLINE: Wenn man Nationalspieler ist, darf man in der Kabine kein Bier zischen?

Friedrich: Doch, wenn man große Erfolge hat, passiert das schon. Wir haben nach dem Sieg gegen Argentinien bei der WM 2010 auch 'ne Kiste Bier aufgemacht. Aber das war die Ausnahme.

ZEIT ONLINE: Vor ein paar Tagen ging das Wort Bierkrieg durch die Medien: Der Brasilianische Gesundheitsminister will verbieten, dass Bier während der WM 2014 im Stadion verkauft wird. Fifa-Präsident Sepp Blatter hielt dagegen.

Friedrich: Ach, was der Fifa-Präsident sagt, sollte man auch nicht überbewerten. Aber zum Fußball gehört Bier dazu, gerade wenn man mit Freunden in die Kneipe geht oder im Stadion ist. Dort spielen natürlich auch Sicherheitsaspekte eine Rolle. Aber auch dort sollte es zumindest alkoholfreies Bier geben. Ich gehöre zur Pro-Bier-Fraktion.

ZEIT ONLINE: Der DFB engagiert sich für die Aktion "Alkoholfrei Sport genießen" und tritt gleichzeitig als Werbepartner einer Biersorte auf. Passt das?

Friedrich: Ein Gläschen Rotwein soll ja in Maßen nicht nur schädlich sein. Ein bisschen widersprüchlich ist der DFB-Deal aber natürlich. Doch schauen Sie: In München ist Burger King der Foodpartner des Vereins. Uli Hoeneß hat mit Alfons Schuhbeck für McDonalds gekocht und geworben.

ZEIT ONLINE: Würden Sie für alkoholische Getränke Werbung machen?

Friedrich: Alles, was mit Bier zu tun hat, würde ich nicht machen. Das wäre nicht authentisch, weil ich es selbst nicht gern trinke. Aber sonst: Wieso nicht? Wenn mir der Wein schmecken würde: Ja. Wenn ein Rotwein-Händler oder ein Winzer käme und fragen würde, ob ich seinen Wein bewerbe, dann würde ich mir das zumindest überlegen.

ZEIT ONLINE: Die Uefa will bei der EM im Sommer auch noch das Rauchen verbieten. Wenn es schlechten Fußball, keine Zigaretten und kein Bier gibt – wieso sollen die Leute eigentlich noch ins Stadion gehen?

Friedrich: Ich habe es noch nie probiert und bin ein absoluter Gegner des Rauchens. Aber weshalb man es Rauchern verbieten sollte, unter freiem Himmel im Stadion zu rauchen, verstehe ich nicht.

ZEIT ONLINE: Hat Joachim Löw Ihnen noch nie eine Zigarette angeboten?

Friedrich: Kein einziges Mal. Ich glaube, es ist auch ihm bekannt, dass ich Nichtraucher bin. Der Bundestrainer stellt sich aber auch sonst nicht vor die Mannschaft und raucht.

ZEIT ONLINE: Aber als es nach dem Sieg gegen Argentinien den Kasten Bier gab, hat der Trainer auch 'ne Flasche abbekommen?

Friedrich: Das war eine Ausnahmesituation, in der ich nicht protokolliert habe, wer wann zugegriffen hat.

ZEIT ONLINE: Es gibt ja verschiedene Trinker-Typen. Den Wein-Genuss-Trinker oder den Kneipen-Bier-Trinker. Ihre letzten Trainer, Löw und Magath, waren beides Wein-Trinker?

Friedrich: Also von Magath weiß ich nur, dass er literweise Tee trinkt.

ZEIT ONLINE: Und was tut er sich in den Tee, wenn einer der Millioneneinkäufe das Tor nicht trifft?

Friedrich: Das interessiert mich nicht.

ZEIT ONLINE: Wer trinkt mehr, Trainer oder Spieler?

Friedrich: Das ist auch typbedingt. Es gibt Spieler, die schon mal gerne ins Glas schauen, aber auch Trainer. Schwer zu pauschalisieren.

ZEIT ONLINE: Ist es problematisch, wenn man mit Fahne zum Spiel kommt?

Service