Michael Ballack © Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Wer spielte wie gegen wen?

Hannover 96 – 1. FC Nürnberg 1:0
Bayern München – VfL Wolfsburg 2:0
Borussia Dortmund – TSG Hoffenheim 3:1
Hertha BSC Berlin – Hamburger SV 1:2
FC Augsburg – 1. FC Kaiserslautern 2:2
Werder Bremen – Bayer Leverkusen 1:1
1. FC Köln – Schalke 04 1:4
FSV Mainz 05 – SC Freiburg 3:1
VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach 0:3

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Viel besungen werden die Heldentore von Dortmund und Mönchengladbach. Aber Augsburg gegen Kaiserslautern , dieses 2:2 war spannender, fairer Abstiegskampf mit einem Zuckersteinchen: Das vielleicht schönste, sicher aber bemerkenswerteste Tor an diesem Spieltag schoss einer, dessen Name nur Experten geläufig sein wird: Stephan Hain. Er war der Vollstrecker einer schnellen Direkt- und Steilkombination über vier Stationen – zwanzig Sekunden stand der Eingewechselte bis dahin auf dem Platz.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Hannover gegen Nürnberg . Hannover spielt nicht mehr den D-Zug-Fußball aus dem Vorjahr, sondern nur noch solide, ist Siebter, damit die einzige Mannschaft im Tabellenmittelfeld. Nürnberg stand wie so oft viel zu brav daneben. Dazu war es kalt, kaum was los in der Arena, die nach der Firma eines Abzockers Geschäftsfreunds benannt ist. Der Schiedsrichter übersah eine Tätlichkeit des Österreichers Emanuel Pogatetz, also einen Elfmeter, so blieb es bei dem einen Tor – die magerste Beute dieses Spieltags. Keine schöne Rückkehr für den FCN-Coach Dieter Hecking in seine alte Heimat. Der andere Ex-Hannoveraner, Hanno Balitsch, blieb, verletzt, gleich zuhause. Aber wo ist Zuhause?

Wer stand im Blickpunkt?

Lukas Podolski ist in einem Dilemma. Heimisch fühlt er sich nur im prolligen Köln, doch für den FC ist er eigentlich zu gut. Hat er, wie am Samstag freie Schussbahn, sind zwanzig Meter Entfernung zum Tor wie für andere zehn. 1:0. Das war der einzige Lichtblick, am Ende gewann Schalke 4:1. Der FC hat das Glück, dass ihm dieser Spieler internationalen Formats in den Schoß (zurück)gefallen ist, er kann ihm aber keine angemessenen Nebenleute zur Seite stellen. Jetzt ist Podolskis Verletzung aus einem Freizeitkick wieder aufgebrochen, er wird seinem Team wohl vier Mal fehlen, nämlich in den Sechspunktespielen gegen Kaiserslautern, Nürnberg und Hamburg sowie im Derby gegen Leverkusen .

Wie verlief das Spiel des Twitter-Reporters?

ZEIT ONLINE twittert ein Spiel jedes Spieltages live. Tobias Singer ( Meine Saison ) hat für uns das Spiel Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen verfolgt. Hier fünf seiner Tweets. Alle Beiträge können Sie hiernachlesen.

zeitonlinesport Schlusspfiff in Bremen . Das Spiel war ungefähr so, wie man erwarten konnte. Weder Fisch, noch Fleisch, noch Bratensauce. (ts)

zeitonlinesport Nimmt man das Spiel heute zum Maßstab, sollten die Griechen Sokratis zu den Verhandlungen mit den Gläubigern schicken. Kompromisslos. (ts)

zeitonlinesport Der Ausgleich. Tiefflieger Wiese segelt unter einer Ecke hindurch und Reinartz köpft problemlos ins verwaiste Tor. (ts)

zeitonlinesport Der Ball rollt. Das "gescheiterte Projekt" sitzt übrigens auf der Bayer-Bank. Gemeint ist Michael Ballack und (noch?) nicht Robin Dutt . (ts)

zeitonlinesport Werders Neuzugang Fran ç ois Affolter steht in der Startaufstellung. Ich werde versuchen, mir die Wortspiele zu verkneifen. (ts)

Bayern bleibt Erster und der soziale Friede Deutschlands gewahrt.

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Über Diventum, diese spezielle Art Fußballprofi, dem man täglich schwören muss, dass man ihn liebt (und manchmal noch öfter). Lucas Barrios hat in der vorigen Saison Dortmund zum Meister geschossen, damals konnte es nur einen, ihn, geben. Jetzt will und soll er verkauft werden, denn es gibt einen zweiten: Robert Lewandowski. Eigentlich stünden Borussia zwei herausragende Stürmer gut zu Gesicht, und Barrios hätte das Zeug dazu, sich durchzusetzen. Doch der stolze Argentinier ist nicht fähig, um seinen Platz zu kämpfen. Und wenn er es doch mal versucht, wie nach seiner Einwechslung gegen Hoffenheim , bekommt der gegnerische Tormann die Hand noch an den Ball. Um zu treffen, braucht Barrios das Sonnenlicht für sich alleine, gegen diese zoologische Gewissheit kann Kloppsche Pädagogik nichts ausrichten. Eine Sonderform der Diva ist übrigens der Cowboy. Michael Ballack fühlte sich von allen verraten, nun auch von seinem letzten Buddy, Rudi Völler. Jetzt schleicht Ballack wie Gary Cooper in High Noon durch die Gassen, durch die der Wind einen letzten Ballen Tumbleweed weht, und legt sich mit allen Banditen – Dutt, Löw und dem Oberschurken Holzhäuser – alleine an. In der Rolle der Grace Kelly: Ballack-Berater Becker.

Was machen die Frauen?

Simone Laudehr , Silvia Neids Duracell-Häschen auf der 6er-Position, wechselt im Sommer zum 1. FFC Frankfurt, dorthin wo auch Kim Kulig, Melanie Behringer oder Lira Bajramaj, also nahezu das Mittelfeld der Nationalmannschaft unter Vertrag ist. Frankfurts Siggi Dietrich will Potsdam Paroli bieten und rüstet auf. Duisburg hingegen wird sich wohl aus der Rolle des Verfolgers verabschieden müssen. Neben Laudehr werden die Nationalstürmerin Alexandra Popp und die Junioreneuropameisterin Luisa Wensing den FCR verlassen. Beide gehen zum VfL Wolfsburg , mit dem – anders als im Männerfußball – zunehmend zu rechnen ist.

Was war sonst noch wichtig?

Gomez stolperte erst einen vorbei, dann einen rein, dann ließ Robben sich anschießen – und Bayern bleibt Tabellenführer. Gottseidank! Vorige Woche wurde gewahr, was in dieser Frage auf dem Spiel steht: der soziale Frieden dieses Landes. Der PR-Gag, mit dem der FCB die Fans, aber auch sich selbst auf den Arm nehmen wollte, mag ein wenig überinszeniert gewesen sein, aber war doch von Lahm und Nerlinger nicht schlecht geschauspielert . Vor allem hat er offengelegt, dass die Fans des Ex-Meisters in solchen Jahren, in denen der Titel zurückgeholt werden muss, sensibel sind. Einer schrieb in einem Anfall von Schnappatmung und einem Überfluss an Humormangel: "Wollt Ihr mich verarschen? Als würden wir nicht genug leiden!" Nicht auszudenken, wenn Dortmund wieder vorne landen würde – oder gar Schalke.

Was war das Zitat des Wochenendes?

"So lange alle hier am Tisch sitzen, hat Schalke Meisterschaftschancen."

Der TV-Experte Jan Aage Fjörtoft auf die Titelfrage, während er auf seinen Nebenmann Markus Merk blickte.