Bundesliga-RückschauMichael Ballack, der letzte Cowboy der Liga
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Bayern bleibt Erster und der soziale Friede Deutschlands gewahrt.

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Über Diventum, diese spezielle Art Fußballprofi, dem man täglich schwören muss, dass man ihn liebt (und manchmal noch öfter). Lucas Barrios hat in der vorigen Saison Dortmund zum Meister geschossen, damals konnte es nur einen, ihn, geben. Jetzt will und soll er verkauft werden, denn es gibt einen zweiten: Robert Lewandowski. Eigentlich stünden Borussia zwei herausragende Stürmer gut zu Gesicht, und Barrios hätte das Zeug dazu, sich durchzusetzen. Doch der stolze Argentinier ist nicht fähig, um seinen Platz zu kämpfen. Und wenn er es doch mal versucht, wie nach seiner Einwechslung gegen Hoffenheim , bekommt der gegnerische Tormann die Hand noch an den Ball. Um zu treffen, braucht Barrios das Sonnenlicht für sich alleine, gegen diese zoologische Gewissheit kann Kloppsche Pädagogik nichts ausrichten. Eine Sonderform der Diva ist übrigens der Cowboy. Michael Ballack fühlte sich von allen verraten, nun auch von seinem letzten Buddy, Rudi Völler. Jetzt schleicht Ballack wie Gary Cooper in High Noon durch die Gassen, durch die der Wind einen letzten Ballen Tumbleweed weht, und legt sich mit allen Banditen – Dutt, Löw und dem Oberschurken Holzhäuser – alleine an. In der Rolle der Grace Kelly: Ballack-Berater Becker.

Was machen die Frauen?

Simone Laudehr , Silvia Neids Duracell-Häschen auf der 6er-Position, wechselt im Sommer zum 1. FFC Frankfurt, dorthin wo auch Kim Kulig, Melanie Behringer oder Lira Bajramaj, also nahezu das Mittelfeld der Nationalmannschaft unter Vertrag ist. Frankfurts Siggi Dietrich will Potsdam Paroli bieten und rüstet auf. Duisburg hingegen wird sich wohl aus der Rolle des Verfolgers verabschieden müssen. Neben Laudehr werden die Nationalstürmerin Alexandra Popp und die Junioreneuropameisterin Luisa Wensing den FCR verlassen. Beide gehen zum VfL Wolfsburg , mit dem – anders als im Männerfußball – zunehmend zu rechnen ist.

Was war sonst noch wichtig?

Gomez stolperte erst einen vorbei, dann einen rein, dann ließ Robben sich anschießen – und Bayern bleibt Tabellenführer. Gottseidank! Vorige Woche wurde gewahr, was in dieser Frage auf dem Spiel steht: der soziale Frieden dieses Landes. Der PR-Gag, mit dem der FCB die Fans, aber auch sich selbst auf den Arm nehmen wollte, mag ein wenig überinszeniert gewesen sein, aber war doch von Lahm und Nerlinger nicht schlecht geschauspielert . Vor allem hat er offengelegt, dass die Fans des Ex-Meisters in solchen Jahren, in denen der Titel zurückgeholt werden muss, sensibel sind. Einer schrieb in einem Anfall von Schnappatmung und einem Überfluss an Humormangel: "Wollt Ihr mich verarschen? Als würden wir nicht genug leiden!" Nicht auszudenken, wenn Dortmund wieder vorne landen würde – oder gar Schalke.

Was war das Zitat des Wochenendes?

"So lange alle hier am Tisch sitzen, hat Schalke Meisterschaftschancen."

Der TV-Experte Jan Aage Fjörtoft auf die Titelfrage, während er auf seinen Nebenmann Markus Merk blickte.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 30. Januar 2012 14:21 Uhr

    Es gibt so ne und so ne Cowboys. Eitle Revolverhelden und diejenigen, die sich für was einsetzen, was über ihr Stückchen Grün in der Wüste hinausgeht.

    • dudu45
    • 30. Januar 2012 14:27 Uhr

    , dass sich niemand über den Namen des Stadions in Hannover aufregt

    Vielleicht schliesst sich der eine oder andere Reporter-Kollege dem guten Beispiel hier an

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    • finole
    • 30. Januar 2012 16:30 Uhr

    Ich habe den Eindruck, als würde in Hannover selbst die Umbennung des Stadions eher pragmatisch betrachtet: Klar findet man sie nicht toll, aber die Zeit sich lautstark darüber aufzuregen, ist lange vorbei. Also freut man sich über das Geld und nennt das Stadion untereinander auch weiterhin Niedersachsenstadion.
    Wobei es schon fast ironisch ist, dass das Niedersachsenstadion direkt neben dem MASCHsee liegt...

  1. unschuldig. Seine Rumhumpelei bei der WM-Vorbereitung fand ich schon ziemlich lächerlich und die Chausse mit Löw dazu. Nein,Ballack ist kein Cowboy, weil ein stolzer Cowboy dem alle die kalte Schulter zeigen sattelt sein Pferd und reitet einfach davon, einem neuem Glück entgegen.Ballack glaubt aber er hätte seine frühere Achtung als guter Kapitän wie ein Bankkonto mit sich noch immer in petto dabei- will heissen.Ich bin in Wahrheit noch der Kapitän und ihr habt MIR Respekt zu bezeugen.
    Sein mittelmässiges (eher 2.Liga taugliches) Spiel und dass er dann bei einer Auswechslung noch die Diva spielt und dem Trainer wie beleidigtes Schulkind den Handschlag verweigert manövriert ihn selbst ins OUT und wirkt sich auf die Stimmung in der Mannschaft sicherlich nicht positiv aus.
    Wenn Holzhäuser ihn offen als Fehleinkauf bezeichnet, tja dann sollte er sein Pferd satteln und sich eine neue Crew suchen.
    Viel Zeit dazu hat er nicht mehr.
    Auch ein Thorsten Frings wurde ausgemustert(vielleicht auch nicht auf die feine Art)doch der sieht positiv in die Zukunft und will seinen Trainerschein machen, er hat sich mit seinem Schiksal abgefunden und ein neues Ziel vor Augen.Vielleicht sollte Ballack sich daran ein Beispiel nehmen.

    2 Leserempfehlungen
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    Birgit Prinz wurde hier im Forum verteidigt. Michael Ballack nicht. Warum? Weil er ein Mann ist, oder was hat Ballack an sich. Fakt ist, dass er in verschiedenen Foren abgekanzelt wird. Dort wird er mit Frau Ballack, Nichtskönner und mit sonstigen netten Aussagen bedacht. Torsten Frings (ohne h) konnte sich damals auf Ballack verlassen, wie auch alle anderen, die seines Erachtens ungerecht behandelt wurden. Wenn man nun über Dinge schreibt, dann richtig. Fakt ist, dass Frings nach und nach in der NM abgesägt wurde-von Löw. Zu einer Zeit, die zu früh war, um seine NM-Karriere zu beenden. Frings, der sogar mit gebrochenen Rippen spielte. Ballack meldete sich zu Wort und sagte mit Recht, dass ein gestandener Spieler eine andere Behandlung verdient hätte. Wer würde das sonst tun? Glaubt jemand, dass irgendeiner der jetzigen Spieler so hinter einem anderen Spieler steht? Frings zeigte Löw die Harke und zwischen Ballack und Löw gab es einen Burgfrieden, bis er ihn nicht mehr brauchte. Die Dinge, die sich damals abspielten, empfand ich als widerlich und unwürdig, von Löw, Lahm und denen, die auf seinen Platz scharf waren. Löw verschanzte sich hinter Lahm, autorisierte ihn zum Interview und Lahm: "Ich möchte Kapitän bleiben." So wurde Ballack schrittweise abgesägt und weil er werbetechnisch nichts gegen seine Überzeugung macht, nun auch in Leverkusen. Von der Vereinsführung als unbrauchbar hingestellt, weil er sich nicht verkauft. Ohne Ballack

    In Leverkusen funktioniert Ballack nicht, wie die Führung möchte. Es gibt kein Abschiedsspiel vom DFB, trotz ungewollter Einmischung von Völler und Holzhäuser, der wohl schon die Kassen klingeln hörte. Man ist enttäuscht, dass Ballack das ablehnte. Vorgesehen war das Spiel in Leverkusen. Dann natürlich fehlt die Unterstützung-öffentlich für Dutt. Plötzlich ist Ballack nicht mehr gut genug, spielt sportlich keine Rolle mehr, obwohl Leverkusen niemals so weit in der CL gekommen wäre, ohne Ballack. Dutt hat meines Erachtens durch seine Ein-Auswechslungen, durch die unwürdige Behandlung so mancher Spieler sehr viel Sympathie beim Publikum und bei den Fans verspielt. Daran ist Dutt selbst Schuld.
    Ferner ist es in Leverkusen Gang und Gebe mit Stars komisch umzugehen. Butt verletzt-Adler kommt, Adler verletzt-Leno kommt. Keiner der Torhüter bekam seinen Pklatz zurück. Das würde bei anderen Vereinen anders funktionieren.

    • finole
    • 30. Januar 2012 16:30 Uhr

    Ich habe den Eindruck, als würde in Hannover selbst die Umbennung des Stadions eher pragmatisch betrachtet: Klar findet man sie nicht toll, aber die Zeit sich lautstark darüber aufzuregen, ist lange vorbei. Also freut man sich über das Geld und nennt das Stadion untereinander auch weiterhin Niedersachsenstadion.
    Wobei es schon fast ironisch ist, dass das Niedersachsenstadion direkt neben dem MASCHsee liegt...

    Antwort auf "schon komisch"
    • boemse
    • 30. Januar 2012 17:50 Uhr

    mag in dem zusammenhang nicht wichtig erscheinen, aber den kommentar eines verärgerten fans mit schnappatmung zu vergleichen, ist keine gute idee und stößt all denen auf, die leute mit schnappatmung sehen: das ist nämlich das sogenannte präfinale atemmuster, das also vom zunehmenden ausfall tiefer hirnfunktionen im angesicht des nahenden todes zeugt.
    unangenehmer beigeschmack eines ansonsten feinen artikels!

    • wawerka
    • 30. Januar 2012 18:12 Uhr

    ..von der bezaubernd schönen Grace Kelly, die durch den schnöden Herrn Becker ersetzt wird, noch mal aus dem Kopf bekomme? Oh, Herr Fritsch, das war gemein.

    Auf der anderen Seite: Die Vorstellung, wie die Wade der Nation am letzten Spieltag mit verächtlichem Blick die Spielführerbinde abstreift und in den Matsch fallen lässt, während Michael Becker, der kurz zuvor noch hinter dem Torpfosten lauernd Wolfgang Holzhäuser in den Rücken geschossen hat, sich an den Capitano schmiegt und dann beide vom Hof, bzw. aus der BayArena reiten, die hat schon was.

    Damit die Geschichte rund wird und einigermaßen nah am Originalplot bleibt, müsste Bayer aber eigentlich den Meistertitel, besser noch die Champions-League gewinnen, wobei Ballack das entscheidende Tor im Finale erzielt, selbstverständlich gegen Chelsea.

    Do not forsake me oh my darling.....

    http://www.youtube.com/wa...

  2. Redaktion

    @boemse: Der Text ist nicht schlecht recherchiert, sondern gar nicht. Er ist, wie jede Bundesliga-Rückschau, aus der Hüfte geschossen - wie Gary Cooper das auch tat.

    @wawerka: Eine meiner Lieblingsfilmszenen, wie er sich des Sheriff-Sterns entledigt. Ganz sparsame Bewegung und daher umso verächtlicher.

    • wawerka
    • 30. Januar 2012 20:25 Uhr

    Tja, da haben wir was gemeinsam: Ganz großes Kino (was auch sonst), diese Szene. Hat mich schon beim ersten Anschauen des Filmes (da war ich, glaub ich, 12 Jahre alt) zutiefst beeindruckt. Aber um soviel empfundenen Ekel in so eine sparsame Geste packen zu können, muss man halt schon Gary Cooper sein. Das kriegt "Balle" nicht hin. Nicht mal zehn Prozent davon. Nie im Leben!

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