Bundesliga-Vorschau: Der FC Bayern versteht das Internet nicht
Die Münchner veralbern ihre Fans, in Hoffenheim geht die Welt unter und jeder Bundesligaspieler verdient 1,49 Millionen Euro. Alles zum 19. Spieltag.
Wer spielt gegen wen?
Hannover 96 – 1. FC Nürnberg (Freitag, 20.30 Uhr)
Werder Bremen – Bayer Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr)
Hertha BSC – Hamburger SV
FC Augsburg – 1. FC Kaiserslautern
Borussia Dortmund – 1899 Hoffenheim
Bayern München – VfL Wolfsburg
1. FC Köln – Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr)
1. FSV Mainz – SC Freiburg (Sonntag, 15.30 Uhr)
VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 17.30 Uhr)
Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?
Das Spiel der Bayern. Und das von Dortmund. Das der Schalker auch. Ebenfalls nicht verpassen: Das Spiel der Gladbacher. Man weiß im Augenblick gar nicht so recht, wo man hinschauen soll. Überall guter Fußball, fesselnder Fußball, Tore-Fußball. Für Spielzeiten wie diese scheint einst die Konferenzschaltung erfunden worden zu sein. Gleich vier Teams spielen die Tabellenführung jede Woche unter sich aus. Allesamt Traditionsvereine, mit Fans von Flensburg bis Garmisch, von Aachen bis Görlitz. Und so kommt es, dass in den Schulen, Büros und Kneipen dieses Landes im Angesicht der Konkurrenzfans mehr denn je gehofft und gebangt und gefachsimpelt wird. Warum spielen die Bayern so unflexibel? Wer kann Marco Reus erklären? Was heißt "unter Tage" auf Spanisch? Und soll Jürgen Klopp wirklich Bundespräsident werden? Sie ist derzeit ziemlich geil, diese Liga.
Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?
Hoffenheims Spiel in Dortmund (des logischen Fehlers in Zusammenhang mit der Vorgängerfrage sind wir uns bewusst). "Hopp kritisiert Hoffenheims Transferpolitik". Diese Überschrift ließ viele Fußballinteressierte skeptisch die Lesebrille auf die Nase schieben. Das wäre so, als würde Angela Merkel die Europapolitik der Bundesregierung missfallen. Ohne den Mäzen Dietmar Hopp geht eigentlich nicht viel im Kraichgau: kein Geld, keine Transfers, keine Schallwellen. Es ist also davon auszugehen, dass Hopp jeden dieser Transfers abgenickt hat, bevor er von seinem Caddy wieder den Golfschläger in die Hand gedrückt bekam. Hopp trägt also eine Mitschuld an der derzeitigen Misere. Kurz vor der Winterpause meckerten die Fans, in den letzten acht Spielen gab es nur einen Sieg. Nach dem Verkauf des derzeit einzigen torgefährlichen Stürmers Vedad Ibišević zum Nachbarn nach Stuttgart, ist die Stimmung eisig. Selbst der tapfere Trainer Stanislawski muss sich in Sarkasmus flüchten: "2012 soll ja das Jahr des Weltuntergangs sein. Dieses Gefühl hat man hier manchmal auch." Er sagte das, weil Hopp sagte, dass er hoffe, dass Hoffe am Samstag in Dortmund nicht untergehe. Das wäre so, als würde Angela Merkel Chansons für Nicolas Sarkozy singen.
Wer steht im Blickpunkt?
Dass Uli Hoeneß nichts mit dem Internet am Hut hat, tat er bereits oft und laut kund. Der Präsident des FC Bayern bevorzugt Telefone, Faxe, Gesichter. Am Donnerstag haben auch seine PR-Strategen gezeigt, dass sie dieses Internet noch nicht ganz verstanden haben. Auf ihrer Homepage schrieben sie, der Verein würde Punkt 14 Uhr eine Pressekonferenz einberufen. "Ein spektakulärer Neuzugang im Offensivbereich", wird der Sportdirektor Christian Nerlinger zitiert. Zu sehen sei das Happening via Livestream auf der FC-Bayern-Facebookseite. Und während Journalisten sich hastig auf den Weg machten und Tausende Fans sich einloggten und aufgeregt Namen zuriefen (Messi, Götze, Tevez, Ailton, Rummenigge) müssen die bajuwarischen Öffentlichkeitsarbeitsfüchse schenkelklopfend auf ihren Drehstühlen gesessen haben. Die meisten Facebook-Nutzer aber klopften kurze Zeit später zornig in ihre Tastaturen. Die spektakuläre Offensivkraft waren sie selbst, die ganze Sache nur ein Werbegag für eine neue App. Es brach etwas los, was die Internet-Gemeinde "Shitstorm" nennt. Ein Begriff, der keiner Übersetzung bedarf. Eine halbe Stunde später hatten sich schon knapp 3.500 User Luft verschafft. Lustig fand es so gut wie keiner. "Kann mir nicht vorstellen, dass Uli Hoeneß das abgesegnet hat", schrieb einer. Wir auch nicht.






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