Stephan Keppler beim Training in Kitzbühl © dpa

Es gibt diesen einen Moment, in dem endgültig jedem klar wird, dass es ernst wird. Es ist die Totenstille. Es sind diese angespannten Gesichter im Starthaus, es ist diese absolute Ruhe. "Überall wird Sekunden vor dem Start geflachst", sagt Stephan Keppler, der beste deutsche Abfahrer . "In Kitzbühel nicht."

In Kitzbühel geht es für viele um die nackte Angst. Wer die Stöcke in den Schnee rammt, wer sich fertig macht, um sich auf die Piste zu katapultieren, sieht den steilsten Starthang des Weltcups, er sieht die Einfahrt zur Mausefalle, der Passage mit 85 Prozent Gefälle.

"Kitzbühel ist extrem. Im Training gehe ich nicht volles Risiko, denn man riskiert nur einmal das Leben", sagte Beat Feuz, der Schweizer, der vor einer Woche die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen hat. Heute muss er volles Risiko gehen, denn heute findet das Rennen auf der Streif statt.

Sie ist extrem, sie ist gefährlich.

Die Streif ist ein Mythos, die gefährlichste Abfahrt der Welt. Stephan Keppler ist 2010 an der Hausbergkante gestürzt. Der beste deutsche Abfahrer hatte zu früh einen Schwung angesetzt, er blieb liegen, der Rücken schmerzte, aber er war nicht ernsthaft verletzt. Keppler sagt: "Die Streif ist meine Lieblingsstrecke. Sie liegt mir."

Sie ist extrem, sie ist gefährlich, "sie liegt in ihrer Bedeutung direkt hinter Olympischen Spielen und der Weltmeisterschaft", sagt Keppler. Der 28-Jährige fuhr auf der Streif fast immer gut, er war nie unter den ersten zehn – anders als in Lake Louise, wo er mal Achter wurde –, aber auch als er 2010 stürzte, war er schnell unterwegs.

Jetzt sagt er: "Ich traue mir einen Platz unter den Top Ten zu, vielleicht sogar einen Platz auf dem Podium." Viel Zeit zum Trainieren blieb Keppler nicht. Wegen des schlechten Wetters fiel nicht nur der Super-G am Freitag aus, sondern auch das letzte Schussfahrttraining. Die Strecke sollte für den Höhepunkt geschont werden.

Angst, Respekt; das sind Begriffe, mit denen Keppler wenig anfangen kann. Das sagt er jedenfalls. Selbstverständlich spürt er diese Anspannung am Start, "aber ich weiß, dass ich die Streif bewältigen kann". Und, ja, "es wird mich auch wieder schmeißen". Irgendwann, irgendwo, Berufsrisiko. 2011 erlitt er bei einem Sturz in Wengen einen Innenbandriss im rechten Knie.