American Football: Wie die Detroit Lions einer ganzen Stadt Mut machen
Detroit gilt als Symbol für die Krise der USA. Am Sonntag bestreiten die Footballer der Stadt ihr erstes NFL-Play-Off-Spiel seit 1999 – Detroit zittert mit.
© Ezra Shaw/AFP/Getty Images

Spieler der Detroit Lions beraten sich im Spiel gegen die Oakland Raiders.
Detroit war schon immer eine Stadt der Superlative. Im US-Bundesstaat Michigan gab es die ersten individuellen Telefonnummern, die erste Meile geteerter Straße, die erste Ampel. Es sind Geschichten, die exemplarisch für amerikanischen Erfindergeist stehen, für eine Gesellschaft im Aufbruch – es sind Geschichten aus längst vergangenen Tagen. Heute zählt die Stadt, in der einst fast zwei Millionen Menschen lebten, nur noch 700.000 Einwohner. So wie die Motor City als Symbol für die Wirtschafts-, Immobilien- und Automobilkrise in den USA steht, so waren die Footballer der Stadt, die Detroit Lions, viele Jahre das Synonym für grandiosen Misserfolg im amerikanischen Sport.
2008 brachten die Lions als erstes und bisher einziges Team in der National Football League (NFL) das Kunststück fertig, alle 16 Saisonspiele zu verlieren, von 2001 bis 2010 schloss der Klub keine Spielzeit mit einer positiven Bilanz ab. "Es war ein verlorenes Jahrzehnt für alle Football-Fans der Stadt", sagt Mike O'Hara. Seit mehr als 30 Jahren begleitet der Journalist der Detroit News die Lions nun schon. "Umso mehr freue ich mich darüber, dass die Negativserie endlich ein Ende hat, dass in der Stadt wieder Euphorie herrscht", sagt O'Hara. In der Nacht zu Sonntag bestreiten die Lions ihr erstes Play-off-Spiel seit 1999. Zum Auftakt der K.o.-Runde trifft die Mannschaft von Trainer Jim Schwartz auf den Super-Bowl-Sieger von 2010, die New Orleans Saints.
Zwar gelten die Lions vor dem Duell im Superdome von New Orleans als Außenseiter, doch allein das Erreichen der Play-offs darf nach einer Dekade schlechter Personalentscheidungen und zahlreicher Trainerwechsel als mittelschweres Wunder verbucht werden. Das Stichwort für den Erfolg lautet: Kontinuität. "Mannschaft und Trainer haben Zeit bekommen, um sich entwickeln zu können, um die Abstimmung zu verbessern", sagt Mike O'Hara – in einem hochkomplexen Mannschaftssport, bei dem bisweilen 150-Kilo-Kolosse wie Schachfiguren über das Feld bewegt werden, ist das eine elementare Voraussetzung.
Das schlechteste Team bekommt die besten Nachwuchsspieler
Zudem profitierten die Lions vom Draft-System in den USA, nach dem das schlechteste Team der Saison im Folgejahr als erstes talentierte Nachwuchsspieler vom College verpflichten darf. "Es ist ein ungeschriebenes Gesetz im US-Sport, dass man erst einige Jahre richtig schlecht sein muss, um ein gutes Team aufbauen zu können", sagt Mike O'Hara. Auf diese Weise sicherten sich die Lions die Dienste zweier Spieler, denen die meisten Experten einen Platz in der Hall of Fame des Footballs vorhersagen: Quarterback Matthew Stafford und Wide Receiver Calvin Johnson stehen für spektakulären Offensiv-Football und gleichermaßen für einen Paradigmenwechsel in der liebsten Sportart der Amerikaner. "Die Zeiten, in denen die meisten Mannschaften auf harte Defensive und ein solides Laufspiel setzen, sind vorbei", sagt Mike O'Hara. Offensive ist das neue Gütesiegel – auch, weil die Liga im Moment über so viele herausragende Quarterbacks verfügt wie vermutlich nie zuvor.
So ist es nicht nur der Erfolg an sich, sondern vor allem die offensive Spielweise, mit der die Lions endlich aus dem Schatten der anderen Teams der Stadt getreten sind. Detroit ist eine von zwölf Metropolregionen, die in jeder Major-League-Sportart über eine Mannschaft verfügt. Die Red Wings sind das Eishockey-Team überhaupt in den Staaten und ein stetiger Meisterschaftsanwärter, die Tigers (Baseball) erreichten in der aktuellen Spielzeit ebenfalls die Play-offs, lediglich die Pistons (Basketball) kämpfen nach erfolgreichen Jahren inklusive Meistertitel 2004 gegen die sportliche Bedeutungslosigkeit. "In Zeiten wirtschaftlicher Krisen sorgen die Sportmannschaften der Stadt dafür, dass es den Leuten ein bisschen besser geht, dass sie die Sorgen des Alltags für einen Moment vergessen können", sagt Mike O'Hara. "Im Moment", ergänzt der NFL-Experte, "kommt diese Rolle den Lions zu." Football ist und bleibt eben das Spiel der Amerikaner. "Darum sind wir auch besonders stolz darauf, wenn das Team aus der Heimatstadt um den Titel mitspielt." Und deshalb wird am Sonnabend auch halb Detroit vor dem Fernseher sitzen, die Daumen drücken und Chips in sich hineinstopfen. Nach offiziellen Angaben der Verwaltung ist die Motor City die Stadt mit dem welthöchsten Verzehr von Kartoffelchips. Noch so ein Superlativ.








Oh mein Gott, ein Artikel über Football, dass ich sowas noch erleben darf.
"in einem hochkomplexen Mannschaftssport, bei dem bisweilen 150-Kilo-Kolosse wie Schachfiguren über das Feld bewegt werden"
genau das ist die faszination, die mich, wann immer es möglich ist, nächte vor dem pc verbringen lässt. und war auch ein super-thema für meine bachelorarbeit, da die nfl es schafft, sich selbst zu regulieren mit salary caps, draft order, revenue sharing.
Die NFL zeigt im Rahmen wie ein perfekter Kapitalismus funktionieren muss.
Leistung muss belohnt werden und Schwachen mehr unter die Arme gegriffen werden als den Starken. Nach oben und unten müssen Grenzen gesetzt werden um das Gleichgewicht ungefähr beizubehalten.
P.S.: Wie wärs mal mit einem Bericht über Tim Tebow der nichts mit seiner Religion sondern etwas mit seinem Spiel als Football-Spieler zu tun hat. Ist nämlich auch ein mehr als interessantes Thema... Werdegang in High-School und College, National Championship, Draft Stock, Kritik bei den Broncos, unkonventionelles QB-Spiel. Wieso hat noch niemand ein Buch über diesen Typen geschrieben?
P.P.S.:Nein ich halte auch nicht viel von Tebows öffentlichen Glaubensbekenntnissen. Schön wenn ihm der Glaube Stärke gibt an sich selbst zu glauben aber nötig ist das öffentliche Getue wirklich nicht. Stören tuts mich allerdings auch nicht.
Die NFL zeigt im Rahmen wie ein perfekter Kapitalismus funktionieren muss.
Leistung muss belohnt werden und Schwachen mehr unter die Arme gegriffen werden als den Starken. Nach oben und unten müssen Grenzen gesetzt werden um das Gleichgewicht ungefähr beizubehalten.
P.S.: Wie wärs mal mit einem Bericht über Tim Tebow der nichts mit seiner Religion sondern etwas mit seinem Spiel als Football-Spieler zu tun hat. Ist nämlich auch ein mehr als interessantes Thema... Werdegang in High-School und College, National Championship, Draft Stock, Kritik bei den Broncos, unkonventionelles QB-Spiel. Wieso hat noch niemand ein Buch über diesen Typen geschrieben?
P.P.S.:Nein ich halte auch nicht viel von Tebows öffentlichen Glaubensbekenntnissen. Schön wenn ihm der Glaube Stärke gibt an sich selbst zu glauben aber nötig ist das öffentliche Getue wirklich nicht. Stören tuts mich allerdings auch nicht.
Die NFL zeigt im Rahmen wie ein perfekter Kapitalismus funktionieren muss.
Leistung muss belohnt werden und Schwachen mehr unter die Arme gegriffen werden als den Starken. Nach oben und unten müssen Grenzen gesetzt werden um das Gleichgewicht ungefähr beizubehalten.
P.S.: Wie wärs mal mit einem Bericht über Tim Tebow der nichts mit seiner Religion sondern etwas mit seinem Spiel als Football-Spieler zu tun hat. Ist nämlich auch ein mehr als interessantes Thema... Werdegang in High-School und College, National Championship, Draft Stock, Kritik bei den Broncos, unkonventionelles QB-Spiel. Wieso hat noch niemand ein Buch über diesen Typen geschrieben?
P.P.S.:Nein ich halte auch nicht viel von Tebows öffentlichen Glaubensbekenntnissen. Schön wenn ihm der Glaube Stärke gibt an sich selbst zu glauben aber nötig ist das öffentliche Getue wirklich nicht. Stören tuts mich allerdings auch nicht.
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