Gehirnerschütterungen Das Kopfproblem der Sportler

Im Eishockey und Fußball wird das Spiel schneller, Kopfverletzungen häufen sich. Es wird schwerer, die Spieler vor Gehirnerschütterungen zu schützen.

Der Fußballer Sebastian Prödl vom SV Werder Bremen nach einer Verletzung am Kopf.

Der Fußballer Sebastian Prödl vom SV Werder Bremen nach einer Verletzung am Kopf.

Manchmal muss Stefan Ustorf aufpassen, dass er nicht verrückt wird. Zu belastend ist das monotone Brummen, das ihn nun schon seit einer kleinen Ewigkeit plagt. Tagein tagaus ist es, als würde ein Schwarm Bienen in seinem Hirn hausen. Jeden Tag seit Anfang Dezember hat er Kopfschmerzen und kann deshalb nicht joggen, nicht lesen, ja nicht einmal fernsehen, weil ihm dabei irgendwann schwindelig wird. An Training wagt der Eishockeyprofi gar nicht erst zu denken, seit er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. Ob er seine Karriere als Mannschaftskapitän bei den Eisbären Berlin jemals fortsetzen können wird, ist ungewiss.

Ustorf hat es am schlimmsten erwischt, doch es gibt noch mehr Patienten mit Kopfverletzungen beim erfolgreichsten deutschen Eishockeyunternehmen. Erst am Sonntag, beim 2:1-Sieg der Berliner in Straubing, ist mit Jens Baxmann der fünfte Spieler in dieser Saison wegen einer Gehirnerschütterung ausgefallen. Auch andere Klubs beklagen viele Opfer. „Ich mag hartes Eishockey, aber dass so viele Profis diese Verletzung davontragen, kann nicht sein“, sagt Eisbären-Trainer Don Jackson. Als er vor 30 Jahren noch in der besten Eishockey-Liga der Welt, der NHL, verteidigte, gab es lange nicht so viele und vor allem nicht so schwere Gehirnerschütterungen wie heute.

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Das momentan prominenteste Opfer in der NHL ist Sidney Crosby, der Superstar von den Pittsburgh Penguins. Seine Gehirnerschütterung, verbunden mit Verletzungen an zwei Halswirbeln, sorgt dafür, dass das lange vernachlässigte Thema Schädel-Hirn-Trauma in den Mittelpunkt der Diskussionen rückt. Wann Crosby wieder aufs Eis kann, weiß niemand. Und damit ist er in der NHL in Gesellschaft. Der Star Eric Lindros musste seine Karriere nach etlichen Gehirnerschütterungen ebenso beenden wie Ben Cottreau von den Hannover Scorpions, für den mit 26 Jahren Schluss war. Und die Zahl der Hirn-Traumata nimmt auch in vielen anderen Sportarten zu.

Warum es im Eishockey immer mehr Patienten mit dieser Diagnose gibt, erklärt sich Peter John Lee mit der zunehmenden Dynamik der Sportart. „Eishockey ist immer schneller geworden“, sagt der Eisbären-Manager. „Wir müssen Checks gegen den Kopf härter bestrafen und im nächsten Jahr Tests einführen.“ In der Schweiz und Nordamerika sind solche neuropsychologischen Tests vor Saisonbeginn bereits obligatorisch. In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) entscheidet jeder Verein, ob er sie macht. In der NHL werden Spieler nach schweren Fouls auch für Monate gesperrt. In der DEL ist so etwas eine Ausnahme. Manchmal, wie im Fall von Baxmann, werden Checks gar nicht geahndet. Dabei könne man Spieler nur durch „viel härtere Strafen“ von Kopfchecks abhalten, findet Lee. Der Berliner Manager will sich Mitte Februar mit anderen Verantwortlichen der DEL zusammensetzen, um entsprechende Regel-Verschärfungen durchzusetzen. In Nordamerika fordern Sportärzte sogar, Bodychecks aus dem Junioren-Sport gänzlich zu verbannen.

Leser-Kommentare
  1. "Als er vor 30 Jahren noch in der besten Eishockey-Liga der Welt, der NHL, verteidigte, gab es lange nicht so viele und vor allem nicht so schwere Gehirnerschütterungen wie heute."

    Das stimmt so nicht ganz...bis vor 2 Jahren hat man die Jungs einfach gar nich so wirklich darauf getestet...natürlich haben die erhöhte Geschwindigkeit, aber vor allem die Schulterpads uÄ Ausrüstungsgegenstände einen großen Einfluss darauf genommen, aber viel wurde früher einfach nicht oder falsch diagnostiziert...

    zum Problem an sich: Ausrüstung wieder abschwächen, Hits gegen den Kopf stärker bestrafen - es ist schwierig, wenn man alleine die Liste an Spielern sieht die dieses Jahr wegen einer Gehirnerschütterung ausgefallen sind

    Crosby - vermeintlich bester Spieler der Welt
    Giroux - Topscorer NHL
    Michalek - Top goalscorer NHL
    Letang - Topscorer Verteidiger NHL
    Miller - einer der Elitegoalies der NHL

    waren dieses Jahr gleichzeitig mit "concussion" ausser gefecht gesetzt... (zu diesem zeitpunkt waren die skater alle an der spitze der score-tabelle...)

    schaut man auf die aktuelle Verletztenliste finden wir neben Crosby noch Starspieler wie Pronger,Hedman,McDonald;Savard,Horton,Backstrom,Briere,JVR,liles,Kaneoder Pitkanen auf langzeit-verletztenlisten wegen genannter Verletzung... + viele mehr...

    schützt unsere Spieler !

    • kinnas
    • 02.02.2012 um 8:29 Uhr

    Ein Fußballer als Artikel-Bild in einem Artikel quasi ausschließlich über Eishockey. Das nenne ich unpassend. Sie würden doch auch keinen Handballer über einen Bundesligaartikel stellen.

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