Gabuns Coach Gernot Rohr"Nationalspieler bekommen zwischen 200 und 600 Euro im Monat"

Gabuns Trainer Gernot Rohr will mit dem Gastgeberland den Afrika Cup gewinnnen – ohne Stars, aber mit dem fachlichen Rat des Staatspräsidenten Ali-Ben Bongo Ondimba. von 

Gabuns Nationalspieler während einer Trainingseinheit.

Gabuns Nationalspieler während einer Trainingseinheit  |  © W. Y. Maniengui/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Rohr, von 21. Januar bis 12. Februar werden Gabun und Äquatorialguinea Gastgeber des Africa Cups sein. Wie läuft Ihre Vorbereitung?

Gernot Rohr: Oh, wir haben ein bisschen Probleme mit der Infrastruktur. Am Stadion in Franceville, einer der beiden Spielorte in Gabun, wird noch gearbeitet. Das Stadion wird wohl erst in allerletzter Sekunde fertiggestellt. Man hat uns aber versprochen, dass wir unser letztes Testspiel am 16. Januar gegen Sudan darin austragen können. Und im neuen Stadion von Libreville musste der Rasen nach dem Eröffnungsspiel gegen Brasilien gleich wieder ausgetauscht werden. Es wurde ein neuer Rollrasen aus Südafrika verlegt. Ich hoffe, dass der hält, obwohl die klimatischen Bedingungen hier in Gabun ganz anders als in Südafrika sind.

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ZEIT ONLINE: Eigentlich wollten wir erfahren, wie es sportlich bei Ihrem Team läuft?

Gernot Rohr
Gernot Rohr

Der gebürtige Mannheimer spielte als Profi unter anderem für den FC Bayern München, SV Waldhof und die Stuttgarter Kickers, ehe er 1977 nach Frankreich zu Girondins Bordeaux wechselte und bis 1989 352 Spiele für den französischen Spitzenclub machte. Rohr, der Germanistik studierte, und 1982 die französische Staatsbürgerschaft annahm, arbeitete nach seiner aktiven Zeit als Jugendkoordinator, Trainer und Sportdirektor unter anderem in Bordeaux, Frankfurt, Nizza, Salzburg und Bern. Seit Februar 2010 arbeitet der 58-Jährige als Nationaltrainer von Gabun.

Rohr: Die Ergebnisse waren positiv. Von den zehn Spielen in diesem Jahr haben wir sechs gewonnen, einmal unentschieden gespielt und dreimal verloren, darunter 0:2 gegen Brasilien und 1:2 gegen Ghana , wobei das Siegtor für Ghana in der letzten Sekunde fiel.

ZEIT ONLINE: Die positive Bilanz dürfte die Erwartungen nach oben treiben. Es heißt, Bescheidenheit sei ohnehin nicht die Stärke der Gabuner. Gilt das auch für Staatspräsident Ali-Ben Bongo Ondimba?

Rohr: Er kennt sich aus im Fußball, ist mit voller Begeisterung dabei und will auch Erfolg haben. Unsere U-23-Mannschaft hat gerade die Afrikameisterschaft gewonnen, das macht natürlich Appetit auf mehr. Aber Gabun ist ein kleines Land mit gerade mal 1,5 Millionen Einwohnern. Da haben Länder wie Nigeria , Ghana oder die Elfenbeinküste ganz andere Voraussetzungen. Das darf man nicht vergessen.

ZEIT ONLINE: Man hat den Eindruck, als würden in einigen afrikanischen Ländern gerne die Mächtigen der Politik sich in die Arbeit von Fußball-Nationaltrainern einmischen.

Rohr: Man muss wissen, dass die nationalen Fußballverbände in Afrika in der Regel kaum über finanzielle Mittel verfügen, ihnen fehlen schlichtweg die Einnahmen. Das ganze Geld für die Nationalmannschaft kommt aus den Sportministerien oder aus dem Budget des Präsidenten. Und wer zahlt, der will auch mitreden. Aber Ali-Ben Bongo Ondimba hat noch nie versucht, Einfluss auf die Mannschaftsaufstellung oder die Taktik zu nehmen. Wir sprechen über Fußball, wie man eben unter Fachleuten diskutiert. Doch er mischt sich nicht ein. Der Sportminister auch nicht, der war früher selbst Nationalspieler und ist wie der Präsident ein intelligenter und weiser Mann. Es ist ein großer Vorteil, dass beide wirklich etwas von Fußball verstehen. Das ist nicht überall so.

ZEIT ONLINE: Es wurden große Hoffnungen in die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden gesetzt. Hat das Turnier 2010 in Südafrika tatsächlich etwas bewirkt?

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