EM-AusDeutsches Handball-Team verpasst das Halbfinale

Nach einer turbulenten Schlussphase verlieren die deutschen Handballer ihr entscheidendes Spiel gegen Polen. Auch die Chance zur Olympia-Qualifikation ist weg.

Oliver Roggisch (l.) und Karol Bielecki kämpfen um den Ball

Oliver Roggisch (l.) und Karol Bielecki kämpfen um den Ball

Kurz nach dem Schlusspfiff muss sich Martin Heuberger auf seine Knie stützen. Zu aufregend war dieses Spiel, auch für den Handball-Bundestrainer. Am Ende hat seine Mannschaft bei der EM in Serbien nach der 32:33-Niederlage gegen Polen das Halbfinale verpasst. "Das haben die Jungs nicht verdient, die so aufopferungsvoll gekämpft haben", sagt der Handball-Bundestrainer nach dem Spiel. Später kam es dann noch schlimmer: Ein Remis zwischen Ungarn und Kroatien nahm dem deutschen Team die zumindest rechnerisch verbliebene Chance auf die Teilnahme an der Olympia-Qualifikation.

Zwei Tage nach dem verpassten vorzeitigen Halbfinal-Einzug durch die Niederlage gegen den WM-Zweiten Dänemark wollten die deutschen Handballer ihre zweite Chance auf die Medaillenrunde unbedingt nutzen. "Jetzt gibt es keine Ausrede mehr", sagte Torhüter Silvio Heinevetter, der bislang ein tadelloses Turnier spielt. Und Bundestrainer Martin Heuberger war zu diesem Zeitpunkt noch überzeugt davon, dass seine Spieler auch den Erwartungen gewachsen sein würden. "Wir haben schon so viel Druck gehabt bei dieser EM, das kann nicht mehr größer werden. Das motiviert die Mannschaft eher als es sie hemmt", meinte er.

Anzeige

Nach den Spielen in der Vorrunde gegen Mazedonien und Schweden, in denen sie auch einen Sieg brauchte, um nicht vorzeitig auszuscheiden, stand die deutsche Mannschaft gegen Polen vor ihrem dritten Endspiel des Turniers. Heuberger hatte wenige Stunden vor Anpfiff den bislang nicht berücksichtigten Martin Strobel nachnominiert. Mit dem Lemgoer Spielmacher hat der Bundestrainer seinen 16-köpfigen Kader komplettiert und sich eine Alternative für den Rückraum ins Team geholt, da Kapitän Pascal Hens wegen einer Achillessehnenreizung im Training am Vortag pausieren musste. Dagegen war Linkshänder Holger Glandorf trotz einer Wadenprellung aus der Partie gegen Dänemark einsatzfähig.

In dem Alles-oder-nichts-Spiel agierten die deutschen Spieler auf dem Feld erstaunlich emotionslos. Das am Vortag demonstrativ zur Schau gestellte Selbstbewusstsein war kaum zu sehen. Daher tat sich das Team um Spielmacher Haaß auch schwer gegen die Polen, die mit sieben Akteuren aufliefen, die in der Bundesliga spielen oder gespielt haben.

Nach einem 2:4 (6.) geriet die DHB-Auswahl erst mit 7:10 (15.) und später mit 10:14 (21.) in Rückstand, weil wieder einmal im Angriff vieles nicht rund lief. Doch bewiesen die deutschen Spieler erneut ihre kämpferischen Qualitäten und arbeiteten sich auf 15:15 (26.) heran, konnten aber nicht in Führung gehen. Vielmehr musste der engagiert vor der Wechselbank hin- und hertigernde Bundestrainer kurz vor Halbzeit noch einen Treffer der Polen und den 17:18-Rückstand zur Pause mit ansehen.

Olympische Spiele erstmals ohne deutsche Handballer

In der zweiten Halbzeit wurde es zunächst nicht besser. Zögerlich, verhalten und ängstlich traten die deutschen Spieler auf und produzierten dadurch Fehlwürfe und leichte Ballverluste. Jegliches Selbstvertrauen war entschwunden. Immer, wenn die Chance zum Ausgleich bestand, versagten die Nerven. Die Polen nutzten dies konsequent. Beim 24:28 (45.) war der Rückstand wieder auf vier Tore angewachsen.

Dann aber entdeckten die deutschen Spieler ihr Kämpferherz. Trotz häufiger, teilweise doppelter Unterzahlsituationen, kamen die Deutschen heran und führten drei Minuten vor Schluss mit 31:29. In einer turbulenten Schlussphase aber verlor die DHB-Auswahl zunächst Dominik Klein durch eine Rote Karte, Michael Haaß mit einer schweren Beinverletzung und schließlich auch das Spiel.

Später am Abend trennten sich Ungarn und Kroatien in Novi Sad unentschieden. Damit sind Gastgeber Serbien, Mazedonien und Slowenien nach Abschluss der Hauptrunde vor dem deutschen Team und kämpfen um zwei vakante Plätze in einem Olympia-Qualifikationsturnier. Ein Sieg der Ungarn gegen Kroatien hätte Slowenien auf Platz vier der Gruppe II verdrängt und ein Entscheidungsspiel zwischen Deutschland und den Slowenen erzwungen. In London finden damit erstmals Olympische Spiele ohne deutsche Handballer statt.

 
Leserkommentare
    • zorano
    • 25.01.2012 um 21:55 Uhr

    Die Deutschen haben immer wieder in verschiedenen Sportarten immer wieder ein Kämpferherz gezeigt und waren dafür zu bewundern aber die Polen sind da noch stärker und nicht nur im Handbal. Ansonsten Bravo!!! für beide Manschaften.

  1. Das haben die Jungs nicht verdient....
    Frage : haben es die Polen nicht verdient ?
    Jedes Team will gewinnen, Jedes Team hat es in der eigenen Hand, es hat also das bessere Team gewonnen.
    Ende.

  2. mit 9 Rückraumtoren gegen so schwache Keeper kannst eigentlich nicht gewinnen. Klar waren da noch die Schiris, die nicht wirklich mit gleichem Maß gemessen haben, aber ehrlich gesagt hat dieser Kader bei einem EM Halbfinale auch nichts zu suchen.

    Ist halt unbestreitbar, dass auf den wichtigsten Positionen derzeit keine Klassespieler in D zu finden sind oder im Falle des besten Rückraumspielers keinen Bock mehr auf NM haben.

    Nun wird es schwer für den Bundestrainer, denn für einen Neuaufbau hat man ja beim Handball wegen des unsäglichen 2 Jahresrythmusses der Turniere kaum Zeit. Aber er würde sich nen Gefallen tun, wenn er sich zumindest von Captn. Hens trennt, der hat imho beide Mathbälle fast im Alleingang verballert

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service