EM-Aus der HandballerDer Tag der vergebenen Chancen

Das Team wirkte ehrgeizig, der Trainer machte vieles richtig. Nach dem historischen Scheitern der Handballer ist die Bilanz dennoch verheerend. von Christoph Dach

Martin Strobel nach dem Spiel gegen Polen

Martin Strobel nach dem Spiel gegen Polen  |  © Jens Wolf/picture-alliance/dpa

Sportler werden an Resultaten gemessen – und deshalb fällt die Bilanz der deutschen Handballer bei der Europameisterschaft in Serbien katastrophal aus. Die gestrige Niederlage gegen Polen verhinderte nicht nur den ersten Halbfinal-Einzug bei einem großen Turnier seit vier Jahren und damit die direkte Qualifikation für die WM 2013, nein, noch viel schlimmer: Der größte Handball-Verband der Welt wird bei den Olympischen Spielen in London zum ersten Mal nicht vertreten sein! Der 25. Januar 2012 wird also in die Geschichte des Deutschen Handball-Bundes eingehen als Tag der vergebenen Chancen. Und alles nur wegen dieser einen Niederlage.

Denn dass Bundestrainer Martin Heuberger sein Team dennoch lobte, ist nachvollziehbar. Natürlich klafft zwischen dem spielerischen Niveau der jetzigen Generation und den Vorgängern ( Daniel Stephan , Markus Baur , Christian Schwarzer, Stefan Kretzschmar) eine Lücke. Das war vorher bekannt. Die spannendste Frage lautete daher: Würde es Heuberger bei seinem ersten Turnier als Cheftrainer schaffen, endlich wieder eine Einheit aufs Feld zu schicken, die aus den überschaubaren Mitteln das Optimum herausholt?

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Der Ruf der Nationalmannschaft hatte bei den letzten beiden Turnieren ja nicht nur wegen der schlechten Platzierungen gelitten, sondern vor allem wegen unverkennbarer Differenzen im mannschaftlichen Miteinander. Das Spiel geriet zur Nebensache.

Derartige Zwischenfälle gab es in Serbien nicht, das Team wirkte ehrgeizig, bissig, eingeschworen. Heuberger lag auch oft richtig mit seiner Rotation, ebenso traf er im Turnierverlauf mutige Entscheidungen (Keeper Silvio Heinevetter saß ein Spiel auf der Bank, steigerte sich dann aber enorm).

Doch am Ende zählen auch im Handball nur die Resultate. Und so wird der 25. Januar 2012 auch für den Bundestrainer einen langen Schatten werfen.

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Leserkommentare
  1. Die Kreisspieler waren viel besser als ich erwartet hatte - aber imRückraum fehlt es an allen Ecken und Enden. Heuberger hat eine Mammutaufgabe geerbt, da kann man ihm nur viel Glück wünschen

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    Im Rückraum hat es in der Tat an Spielern gefehlt, die in der Lage sind (wie zum Beispiel Nikola Karabatic oder andere) aus schwierigen Postitionen einfache Tore zu erzielen. Deutschland musste viel zu oft die Entscheidung am Kreis suchen oder auf die Aussen ausweichen.
    Leider muss man auch sagen, dass sich die Deutsche Mannschaft gegen Polen auch durch das böse und unnötige Foul zum Ende hin selbst um den Sieg gebracht hat. Das war keine Sternstunde des deutschen Handballs.
    Heuberger hat dennoch aus wenig sehr viel herausgeholt und einen klaren Weg aufgezeigt, wie er die deutsche Mannschaft wieder auf Erfolgskurs bringen kann. Leider kann er seine Fortschritte nicht bei Olympia präsentieren. Schade!

  2. Im Rückraum hat es in der Tat an Spielern gefehlt, die in der Lage sind (wie zum Beispiel Nikola Karabatic oder andere) aus schwierigen Postitionen einfache Tore zu erzielen. Deutschland musste viel zu oft die Entscheidung am Kreis suchen oder auf die Aussen ausweichen.
    Leider muss man auch sagen, dass sich die Deutsche Mannschaft gegen Polen auch durch das böse und unnötige Foul zum Ende hin selbst um den Sieg gebracht hat. Das war keine Sternstunde des deutschen Handballs.
    Heuberger hat dennoch aus wenig sehr viel herausgeholt und einen klaren Weg aufgezeigt, wie er die deutsche Mannschaft wieder auf Erfolgskurs bringen kann. Leider kann er seine Fortschritte nicht bei Olympia präsentieren. Schade!

  3. Zunächst einmal ein großes Kompliment an Bundestrainer Heuberger. Was er in der kürze der Zeit aus der Mannschaft gemacht hat ist schon aller Ehren Wert. Dass es letztendlich nicht mit der Qualifikation für die Ausscheidungsturniere für Olympia gereicht hat, ist schon bitter, hat aber auch etwas mit dem Turniermodus zu tun. Natürlich hatte man es selbst in der Hand dieses zu erreichen, aber dass Mazedonien quasi ein "Wunschergebnis" gegen Serbien erreicht hat, hatte schon einen faden Beigeschmack. Auch der Sieg Dänemarks gegen lustlose Schweden hatte etwas von "Gijon"(Skandalspiel Fussball-WM 1982 Deutschland-Österreich).

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    "Auch der Sieg Dänemarks gegen lustlose Schweden hatte etwas von "Gijon"(Skandalspiel Fussball-WM 1982 Deutschland-Österreich)."
    ...Vergleich hinkt aber gewaltig. Schweden war zum Zeitpunkt des Spiels bereits ausgeschieden. Dass da nicht mehr
    100% auf dem Platz stehen ist dann irgendwo schon logisch.
    Beim zitierten Spiel waren beide beim Stand von 1:0 in der nächsten Runde und beschlossen den bekannten "Nichtangriffspakt".
    Deutschland war durch das ganze Turner viel zu unkonstant.
    Wenig Licht und viel Schatten. Alleine Kampfwille und Einzelaktionen haben Deutschland lange im Turnier gehalten.
    Spielerisch war das häufig einfach viel zu wenig.
    Von den teilweise katastrophalen Abwehrleistungen (Rückwärtsbewegung!) will ich gar nicht erst anfangen.
    Es reicht nicht auf mal 5 gute Minuten wieder 5 schlechte folgen zu lassen. Dann verliert man eben (wenn auch knapp).
    Dazu kommen die völlig unverständlichen Einsätze von Hens, der es tatsächlich geschafft hat durchgehend unterirdisch zu spielen. Das ist zumindest ein Vorwurf, den sich Heuberger gefallen lassen muss.
    Schade, denn trotz der spielerischen Defizite war das Team wie ich finde durchgehend sympathisch.

    • kinnas
    • 26. Januar 2012 13:27 Uhr

    Haas und Klein waren leider die einzigen Spieler die wirklich gut gespielt haben gegen Polen. Zudem noch einige zumindest diskutablen Schiedsrichterentscheidungen (zB Abwehr im Kreis bei Polen nie gepfiffen, bei uns in der entscheidenden Phase aber direkt mit 7-Meter geahndet. Gegner wirft Ball ins aus, 2 Minuten - gerechtfertigt UND Ballbesitz - nicht gerechtfertigt), welche uns den Sieg unmöglich machten.

    Hoffentlich werden einige personelle Änderungen kommen - Hens ist als Kapitain unhaltbar. Heuberger wird hoffentlich alsbald auf die nächste Generation setzen und der DHB hoffentlich wieder mehr für den Nachwuchs tun, als sich im DHB-Schatten zu sonnen.

    Hens zu bringen war übrigens das 3. mal eine Fehlentscheidungen. Die 2 Tore gingen weniger auf seine Kappe als die des polnischen Torwarts, der quasi nichtexistent war und danach hat er gleich wieder 2 Bälle vertendelt, welche uns das Genick gebrochen hat. Leider war Kaufmann keine Alternative, sehr schade, daß Christohpersen nicht mehr Einsatzzeit bekommen hat.

    • Filosov
    • 26. Januar 2012 14:06 Uhr

    Weder die Schiedsrichter noch die anderen Gegner sind schuld: Wer 3 von 6 Spielen verliert braucht nicht aufs Halbfinale hoffen. Die Mannschaft war nicht gut genug, ganz einfach. Im Vergleich zu Spanien oder Kroatien war unser Team einfach 2 Klassen schlechter.

  4. "Auch der Sieg Dänemarks gegen lustlose Schweden hatte etwas von "Gijon"(Skandalspiel Fussball-WM 1982 Deutschland-Österreich)."
    ...Vergleich hinkt aber gewaltig. Schweden war zum Zeitpunkt des Spiels bereits ausgeschieden. Dass da nicht mehr
    100% auf dem Platz stehen ist dann irgendwo schon logisch.
    Beim zitierten Spiel waren beide beim Stand von 1:0 in der nächsten Runde und beschlossen den bekannten "Nichtangriffspakt".
    Deutschland war durch das ganze Turner viel zu unkonstant.
    Wenig Licht und viel Schatten. Alleine Kampfwille und Einzelaktionen haben Deutschland lange im Turnier gehalten.
    Spielerisch war das häufig einfach viel zu wenig.
    Von den teilweise katastrophalen Abwehrleistungen (Rückwärtsbewegung!) will ich gar nicht erst anfangen.
    Es reicht nicht auf mal 5 gute Minuten wieder 5 schlechte folgen zu lassen. Dann verliert man eben (wenn auch knapp).
    Dazu kommen die völlig unverständlichen Einsätze von Hens, der es tatsächlich geschafft hat durchgehend unterirdisch zu spielen. Das ist zumindest ein Vorwurf, den sich Heuberger gefallen lassen muss.
    Schade, denn trotz der spielerischen Defizite war das Team wie ich finde durchgehend sympathisch.

    Antwort auf "Kompliment"
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    Vielleicht sollten Sie Bundestrainer werden!? Sie können ja so treffend "analysieren". Bemerkenswert finde ich, dass jetzt wieder alle auf der Mannschaft herumhacken und es besser wissen.

  5. Vielleicht sollten Sie Bundestrainer werden!? Sie können ja so treffend "analysieren". Bemerkenswert finde ich, dass jetzt wieder alle auf der Mannschaft herumhacken und es besser wissen.

    Antwort auf "Dieser..."
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    ...Sie sollten nicht so blauäugig alles schönreden.
    Das hat noch nie jemandem geholfen.
    Ähnliche Kritik ist übrigens auf vielen Sportseiten zu lesen.
    Und dass dieses dämliche Totschlagargument "Werden Sie doch Bundestrainer, wenn Sie alles alles besser wissen" für die Katz ist sollten Sie auch wissen.
    Aber die Schuld hat natürlich das "merkwürdige System" und die "merkwürdigen Ergebnisse" der anderen.
    Bloß nicht bei sich gucken.

  6. 8. Und...

    ...Sie sollten nicht so blauäugig alles schönreden.
    Das hat noch nie jemandem geholfen.
    Ähnliche Kritik ist übrigens auf vielen Sportseiten zu lesen.
    Und dass dieses dämliche Totschlagargument "Werden Sie doch Bundestrainer, wenn Sie alles alles besser wissen" für die Katz ist sollten Sie auch wissen.
    Aber die Schuld hat natürlich das "merkwürdige System" und die "merkwürdigen Ergebnisse" der anderen.
    Bloß nicht bei sich gucken.

    Antwort auf "Bundestrainer?"

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