SchiedsrichterbestechungGericht spricht frühere Funktionäre des THW Kiel frei

Der Ex-Geschäftsführer und der frühere Trainer des Handball-Meisters THW Kiel sind vom Vorwurf der Manipulation entlastet worden. Im Prozess fehlte es an Beweisen. von dpa

Das Kieler Landgericht hat die früheren Verantwortlichen des Turnverein Hassee-Winterbek ( THW), Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarušić, vom Vorwurf der Bestechung, der Untreue und des Betrugs freigesprochen. Die 5. große Strafkammer sah es nicht erwiesen als erwiesen an, dass der frühere Geschäftsführer wie auch der einstige Trainer das Champions-League-Finalrückspiel 2007 gegen den Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt durch Schiedsrichterbestechung manipuliert haben sollen. Das hatte die Staatsanwaltschaft den beiden vorgeworfen. Die Verteidiger hatten Freispruch gefordert.

Erstmals in der Geschichte der deutschen Justiz sollte ein vermeintlicher Sportbetrug mit Hilfe des Wirtschaftsstrafrechts bewiesen werden. Mehr als vier Monate lang hatte das Gericht versucht, die "Indizien, Lügen, Gerüchten, Halbwahrheiten, persönlichen Animositäten und wirtschaftlichen Interessen" zu ordnen, wie Richter Matthias Wardeck es formulierte. 17 Zeugen sagten aus, darunter Rechtsanwälte, EHF-Funktionäre, Beamte, Verantwortungsträger von anderen Bundesligisten und Schiedsrichter. Viele widersprachen sich. "Dieses Konglomerat hat den Blick auf die tatsächlichen Fakten verstellt", sagte Wardeck.

Anzeige

Es bleiben Fragen offen

Die Kammer sei nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt, allerdings auch nicht von der Unschuld, sagte Wardeck, der das Urteil gemeinsam mit zwei weiteren Richtern und zwei Schöffen fällte. Klar sei aber: Das Champions-League-Finale habe nach glaubwürdigem Expertenurteil unter "sportlich korrekten Bedingungen" stattgefunden und sei "nicht manipuliert worden". Es sei ein reiner Indizienprozess gewesen, sagte der Richter. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "gut begründeten Urteil" und will erst nach Sichtung der Niederschrift überlegen, ob sie Revision einlegen wird.

Die Frage, warum der für den THW Kiel in Diensten stehende Kroate Nenad Volarevic unmittelbar vor dem Finalrückspiel 56.400 Euro von den Kielern erhielt, davon 45.000 abhob und nach Warschau flog ist weiterhin ungeklärt. In Warschau wohnte Endspiel-Schiedsrichter Miroslaw Baum. Volarevic sei seit zehn Jahren Scout beim THW gewesen und habe für zahlreiche Tipps 92.000 Euro bekommen, sagte die Verteidigung. Daran hat das Gericht Zweifel, aber für eine möglich Geldübergabe in Warschau gibt es keinerlei Beweis.

Auch der Verdacht des Betruges sowie der Untreue durch Schwenker und der Beihilfe durch Serdarusic im Umgang mit Vereinsvermögen sei nicht bewiesen worden, erklärte der Richter. Damit gebe es keine Ansprüche an die beiden.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Der Freispruch ist natürlich juristisch, dem Gericht gelang nicht der Nachweis, richtig. Aber dem Bürger bleibt ein kleines "Geschmäckle", auch angesichts der Reaktionen und des Auftretens der Angeklagten vor Gericht.

    Die THW-Fans werden sich freuen und die lokale "investigative" (Satire) Presse auch...

    In jedem Fall lohnt des Öfteren der kritische Blick auf das "Geschäft" Sport.

  2. Mir wird alleine bei dem Wort Freispruch nach solchen Urteilen schon schlecht. Ein Freispruch ist im Normalfall etwas anderes.

    Leid tun mir hier nur der Sport und die wirklich aufrichtigen Akteure.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Gericht | Kiel | Bestechung | Betrug | Landgericht | Richter
Service