Thomas Hitzlsperger: "Wir können nichts ausschließen." © Christof Köpsel/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE : Herr Hitzlsperger , haben Sie Kindheitserinnerungen an die Bundesliga in der Sportschau oder waren Sie zu jung?

Thomas Hitzlsperger : Dunkle. Ich bin eher mit ran auf Sat1 großgeworden. Dazwischen gab es … wie hieß das doch gleich?

ZEIT ONLINE : … Anpfiff mit Ulli Potofski, von 1988 bis 1991, auf RTL .

Hitzlsperger : Das konnte ich gar nicht gucken, Privatfernsehen bekamen wir erst in den Neunzigern. Generell war Fußballschauen aber ein Familienereignis, irgendwo lief das immer.

ZEIT ONLINE : Das Kartellamt erlaubt nun der DFL , auf Free-TV zu verzichten und Pay-TV zu stärken. Es könnte sein, dass der gemeine Fußballfan samstags erst ab 21.45 Uhr Fußball gucken kann. Das ist eine Bedrohung für die Sportschau . Ist es auch eine Bedrohung für die Bundesliga?

Hitzlsperger : Die Sportschau ist ein deutsches Kulturgut. Daher rechne ich mit Widerstand, und ich rechne damit, dass die DFL nicht wegen ein paar Millionen auf die Plattform Free-TV verzichtet. Die Fans sind es gewohnt, samstags kurz nach 18 Uhr Fußball zu schauen, das ist ihnen wichtig.

ZEIT ONLINE : Es könnte sogar sein, dass der Fußball ab 2013 ins Internet wandert. Dann gäbe es die Internet- Sportschau .

Hitzlsperger : Ich denke, dafür kommt die nächste Ausschreibung noch zu früh. Aber es ist eine Frage der Zeit. Die nachwachsende Generation ist ein anderes Medienverhalten gewohnt. Das Internet macht vieles bequemer, man kann auf Abruf schauen, man kann unterwegs auf dem Tablet oder Smart Phone schauen. Es wird sicher irgendwann kommen.

ZEIT ONLINE : Allerdings ist Deutschland noch digital gespalten. Auf dem Land fehlt die Bandbreite.

Hitzlsperger : Wie mir früher RTL. Es muss Ziel der Bundesregierung sein, möglichst alle Deutschen mit einer schnellen Internetverbindung auszustatten. Allein schon, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Dann kann man auch im Internet Fußball schauen, ohne Unterbrechung.

ZEIT ONLINE : Hätte es, langfristig gesehen, negative Folgen für den Fußball, wenn weniger Leute schauen würden? Ginge dem Fußball unwiderbringlich Publikum verloren? Man denke an das Beispiel Eishockey, das im Pay-TV fast verschwand.

Hitzlsperger : Fußball lässt sich nicht mit Eishockey vergleichen. Wenn die Zuschauer aber ausbleiben, wird zwangsläufig weniger Geld investiert, die Gehälter verringern sich, und die Qualität wird zurückgehen. Ehrlich gesagt glaube ich an solch eine Entwicklung kurz- und mittelfristig aber nicht.

ZEIT ONLINE : Die Sponsoren reagieren unterschiedlich auf die Pläne der DFL. Einige warnen vor einer Reduzierung der TV-Präsenz. Andere hingegen wollen errechnet haben, dass das Fernsehen nicht mal zehn Prozent der gesamten Sponsorenkontakte ausmacht, Print und Online viel wichtiger sind. Wissen Sie von Sponsoren, die sich vertraglich zusichern lassen haben, weniger zu zahlen, wenn die Sportschau entfallen sollte?