Gunter Gebauer"Sarrazin hat Özils Erfolg zertrümmert"

Sportler haben es immer schwerer, auf die Gesellschaft auszustrahlen, sagt der Sportphilosoph Gunter Gebauer. Der Sport hat somit eine wichtige Rolle verloren.

Mesut Özil im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich im September 2011

Mesut Özil im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich im September 2011

Frage: Herr Gebauer, haben Sie ein Vorbild im Sport?

Gunter Gebauer: Als Studentensportler in den sechziger Jahren habe ich mich schon an einigen orientiert. Einer war mein Lehrer, Hans Lenk, Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom im Rudern und dann Philosophieprofessor.

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Frage: Was war das Vorbildhafte dieser Leute für Sie?

Gunter Gebauer
Gunter Gebauer

Gunter Gebauer, geb. 1944, ist Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der Freien Universität Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Historische Anthropologie, Sprachtheorie und Sozialphilosophie. In seinen Büchern befasst er sich mit dem Mythos der Olympischen Spiele sowie anthropologischen und soziologischen Fragen des Sports. Er ist Mitglied des Exzellenzclusters Languages of Emotion.

Gebauer: Neben großem sportlichen Erfolg vor allem ihr Auftreten, eine untadelige Persönlichkeit, vorbildlich auch im menschlichen Miteinander. Und neben Erfolg im Sport auch wissenschaftliche Leistungen. Das war mir wichtig.

Frage: Sind Sie mal von einem Vorbild enttäuscht worden?

Gebauer: Ja, reihenweise. Vielleicht nicht von Vorbildern, aber von Idolen, die ich für vorbildlich gehalten habe. Jan Ullrich zum Beispiel. Der war unerhört erfolgreich und gleichzeitig eine herzige Figur. Sein sportliches Ende fand ich geradezu grauenhaft. Boris Becker fand ich auch erst hinreißend. Dann ging es schnell den Hügel herunter. Meine erste große Enttäuschung aber war Armin Hary. Als er 1960 seinen Weltrekord über 100 Meter aufstellte, war ich 16 und bin natürlich schnell entflammt. Aber nach seinem Olympiasieg gab es schmuddelige Immobiliendeals und eine Persönlichkeit, die mich, als ich sie kennen gelernt habe, nicht gerade begeistert hat.

Frage: Kann Spitzensport ohne Vorbilder auskommen?

Gebauer: Vorbilder geben Lebensorientierung, so würde ich sie definieren. Deshalb gibt es im Spitzensport heute so gut wie keine Vorbilder mehr, denn Spitzensport kann kaum noch Lebensorientierung bieten.

Frage: Wann kam der Bruch?

Gebauer: Es gibt kein spezielles Jahr. Aber spätestens in den achtziger Jahren hat der Sport jede Form von Vorbildwirkung verloren. In dem Maße, in dem er Fernsehereignis wurde, Werbeträger, Sportler zu künstlichen Figuren hochstilisiert worden. Die unnahbar waren, aber trotzdem eine falsche Nähe erzeugten. Und der Sport wurde viel brutaler und härter.

Frage: Dann kam der Bruch also von innen und außen.

Gebauer: Ja, von außen dadurch, dass Sportler durch die Medien prominent wurden. Und von innen durch die Verschärfung des Wettkampfs. Konkurrenten wurden auf einmal als Feinde betrachtet. Als Figuren, gegen die man sich aggressiv aufrüsten muss. Bis in die neunziger Jahre wurden Zweit- bis Sechstplatzierte bei den Olympischen Spielen in Deutschland noch geschätzt. Das ist vorbei. Aus den USA kam die Einschätzung: The winner takes it all.

Frage: Haben daran nur die Medien Schuld?

Gebauer: Die Medien sind ja nichts anderes als Lautsprecher für eine allgemeine Einschätzung. In der Gesellschaft haben Umbewertungen stattgefunden: Es geht nicht nur darum, Erfolg zu haben, sondern absoluten Erfolg. Nicht nur eine Medaille zu gewinnen, sondern die Goldmedaille.

Frage: Woher kommt das?

Gebauer: Ich glaube, dass die Ökonomie mit ihren Wertvorstellungen alles durchdrungen hat. Das höchste Einkommen zu haben, durchdringt ja nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das Showbusiness, überall wo Rangordnungen aufgestellt werden. Wenn heute von einem sehr guten Koch die Rede ist, dann ist er ein Starkoch oder ein Kultkoch. Wenn ich Eisenbahn fahre, wird mir eine Kohlroulade von einem Kultkoch angeboten. Aber ich will keine Kultroulade essen. Es geht bis in die letzten Ritzen der Gesellschaft.

Frage: Hätte sich der Sport davor überhaupt schützen können?

Gebauer: Nein, er ist Teil der Gesellschaft und vielleicht sogar der Teil, der am anfälligsten ist für ökonomisches Denken.

Frage: Warum?

Gebauer: Weil er selbst quasi ökonomisch denkt in Zahlen und Leistungsvergleichen, Resultaten, in Produkten. Nehmen Sie eine Bundesligatabelle, die sieht nicht viel anders aus als die Leistungsbilanz eines Maschinenbauunternehmens. Oder nehmen sie die Erfolgsbilanzen von Vereinen. Manchester United will doch gleichzeitig möglichst viele Spiele gewinnen und möglichst viele Trikots verkaufen. Oder nehmen Sie Gehälter, Transfersummen, Übertragungsrechte. Es findet eine ganz tiefe Vermischung mit der Ökonomie statt, die gar nicht zu verhindern ist.

Frage: Sportverbände erzählen gern, dass die Welt im Sport noch ein bisschen besser ist, ein kleines Biotop.

Gebauer: Das ist die Lebenslüge der Sportverbände. Nach Aussagen der Verbände leisten sie eine Vorbildfunktion, die bessere Welt mit Fairness und Regeln zu befolgen. Die Sportverbände sind ja gemeinnützig, und sie profitieren auch steuerlich davon. Sie erzählen auch ständig von ihrem Wert, um ihr Produkt besser verkaufen zu können.

Frage: Es gibt Sportler, die sagen: Ich habe keine Vorbilder, ich will selbst Vorbild sein. Halten Sie das für naiv oder ist es legitim?

Gebauer: Ich glaube eher, dass es legitim ist, wenn die Voraussetzungen stimmen. Wenn jemand extrem leistungsfähig ist und das verbindet mit fairem und respektvollem Verhalten gegenüber den Gegnern. Und dazu noch beschließt, sich aus all den dreckigen Praktiken des Spitzensports herauszuhalten.

Frage: Wer fällt Ihnen da ein?

Gebauer: Christian Schenk, der ehemalige Olympiasieger im Zehnkampf. Den find ich klasse. Er kämpft wirklich darum, etwas Gutes im Sport hinzubringen, denn er kümmert sich jetzt um Heime für Kinder aus Unterschichtfamilien. Oder Hennig Harnisch mit seinem Basketball-Projekt für die Berliner Schulen.

Frage: Ist es Zufall, dass Sie zwei Sportler nennen, die nicht mehr aktiv sind?

Gebauer: Das ist vielleicht kein Zufall. Diejenigen, die ihre Karriere hinter sich haben, haben mehr Zeit um nachzudenken, was sie aus ihrem Leben machen wollen. Und auch zu überlegen, wie sie ihre erfolgreiche Sportkarriere verbinden mit einem erfolgreichen Wirken zugunsten eines Sports, der auch für Jugendliche einen Anreiz bietet für – philosophisch gesprochen – ein besseres Leben.

Leserkommentare
    • ismus
    • 09.01.2012 um 11:20 Uhr

    wohl folgendes feststellen - özil: wertvoll, sarrazin: wertlos.

    7 Leserempfehlungen
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    Sarrazin: sinnvoller und längst überfälliger Diskussionsbeitrag einer herausragenden politischen Persönlichkeit. Vorbild? Absolut.
    Özil: Einwandererkind, das im Sport eine Nische, eine Karrieremöglichkeit gefunden hat, dank der guten Förderung im deutschen Jugendsport. [...]
    Vorbild? Auf jeden Fall.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

    Sarrazin: sinnvoller und längst überfälliger Diskussionsbeitrag einer herausragenden politischen Persönlichkeit. Vorbild? Absolut.
    Özil: Einwandererkind, das im Sport eine Nische, eine Karrieremöglichkeit gefunden hat, dank der guten Förderung im deutschen Jugendsport. [...]
    Vorbild? Auf jeden Fall.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

  1. Skater haben keine Idole? Son Schmarrn, wie wärs mit Tony Hawk http://de.wikipedia.org/w...
    der ist seit über 20 Jahren eins.

    4 Leserempfehlungen
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    Tja in Deutschland werden halt Meinungen von Professoren, so weltfremd sie auch sein mögen, immer als "richtig" überhöht...

    Gerade Sportarten wie Skaten, Surfen etc. haben ja Idole, die aber nicht von einem DFB für Integration etc. herhalten müssen. Da kann eben ein Super-Snowboarder auch mal völlig bekifft daherkommen... ;-)

    Sie haben recht. Kaum ein Sport kommt ohne Vorbilder aus. Aber Herr Gebauer hängt halt einer eher traditionellen Vorstellung von "Medien" nach. Gerade für diese Sportarten ist das Internet und seine Plattformen (z.B. youtube) von großer Bedeutung.
    Dennoch stimme ich den Gedanken, die Herr Gebauer äußert weitestgehend zu. Ganz schlimm finde ich auch die Fixierung auf die Sieger. Dass schon Zweitplatzierte als Verlierer abgestempelt werden ist eine wirklich traurige Sache. Aber wie schon im Interview gesagt, ist dies ein Problem der Gesellschaft als Ganzes und nicht nur sportspezifisch.

    • SteB
    • 09.01.2012 um 12:05 Uhr

    So ganz Unrecht hat er aber nicht. Ich war früher selbst Skater. Wenn man in dieser Sezene ist, lernt man darin auch die Idole kennen (wobei Tony Hawk damals ein kleines Licht war. Lance Mountain & Steve Caballero waren die Helden). Aber keiner ist WEGEN der Idole Skater geworden, was wiederum bei Boris Becker, Jan Ullrich etc. anders war. Die hatten Erfolg, kamen in die Medien und die Kids haben gesagt: "Das will ich auch" und haben erst deswegen mit Tennis oder Radfahren angefangen.
    Das ist ja das, was Herr Gebauer meint (Ansonsten aber in der Tat auch recht viel Gewäsch...).

    Tja in Deutschland werden halt Meinungen von Professoren, so weltfremd sie auch sein mögen, immer als "richtig" überhöht...

    Gerade Sportarten wie Skaten, Surfen etc. haben ja Idole, die aber nicht von einem DFB für Integration etc. herhalten müssen. Da kann eben ein Super-Snowboarder auch mal völlig bekifft daherkommen... ;-)

    Sie haben recht. Kaum ein Sport kommt ohne Vorbilder aus. Aber Herr Gebauer hängt halt einer eher traditionellen Vorstellung von "Medien" nach. Gerade für diese Sportarten ist das Internet und seine Plattformen (z.B. youtube) von großer Bedeutung.
    Dennoch stimme ich den Gedanken, die Herr Gebauer äußert weitestgehend zu. Ganz schlimm finde ich auch die Fixierung auf die Sieger. Dass schon Zweitplatzierte als Verlierer abgestempelt werden ist eine wirklich traurige Sache. Aber wie schon im Interview gesagt, ist dies ein Problem der Gesellschaft als Ganzes und nicht nur sportspezifisch.

    • SteB
    • 09.01.2012 um 12:05 Uhr

    So ganz Unrecht hat er aber nicht. Ich war früher selbst Skater. Wenn man in dieser Sezene ist, lernt man darin auch die Idole kennen (wobei Tony Hawk damals ein kleines Licht war. Lance Mountain & Steve Caballero waren die Helden). Aber keiner ist WEGEN der Idole Skater geworden, was wiederum bei Boris Becker, Jan Ullrich etc. anders war. Die hatten Erfolg, kamen in die Medien und die Kids haben gesagt: "Das will ich auch" und haben erst deswegen mit Tennis oder Radfahren angefangen.
    Das ist ja das, was Herr Gebauer meint (Ansonsten aber in der Tat auch recht viel Gewäsch...).

  2. Sarrazin: sinnvoller und längst überfälliger Diskussionsbeitrag einer herausragenden politischen Persönlichkeit. Vorbild? Absolut.
    Özil: Einwandererkind, das im Sport eine Nische, eine Karrieremöglichkeit gefunden hat, dank der guten Förderung im deutschen Jugendsport. [...]
    Vorbild? Auf jeden Fall.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

    11 Leserempfehlungen
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    Mesut Özil steht zweifelsohne für gelingende Integration in unserem Lande, aber er repräsentiert bei weitem nicht die Gesamtheit der Einwanderer. Es gibt leider aber auch viele Negativbeispiele und Fehlentwicklungen in der Einwanderungspolitik, die Sarrazin schonungslos-pessimistisch beschrieben hat. Man muss beide Aspekte wahrnehmen und abwägen, um zu einem fairen Urteil zu kommen und das lautet wie so oft im Leben: weder weiß, noch schwarz. So provokant es klingen mag, unsere Gesellschaft braucht sowohl die Özils, Özdemirs, wie auch die Sarrazins, alles andere wäre pure Ideologie und Wunschdenken. Hoffen wir, dass Leute wie Özil und Sarrazin zueinander finden. Gemeinsam könnten sie unserer Gesellschaft einen Weg in eine friedliche Zukunft ebenen!

    Nur damit das klar ist: was von der Redaktion hier als eine "herabwürdigende Äußerung" zensiert wurde, war meine Feststellung, daß eine Jugendförderung im Fußball wie sie Özil hierzulande zugute kam, in der Türkei nicht stattgefunden hätte. Dies ist übrigens eine Tatsache und keine Meinung.

    Was für eine hysterische Zensur. Da faßt man sich doch an den Kopf.

    Mesut Özil steht zweifelsohne für gelingende Integration in unserem Lande, aber er repräsentiert bei weitem nicht die Gesamtheit der Einwanderer. Es gibt leider aber auch viele Negativbeispiele und Fehlentwicklungen in der Einwanderungspolitik, die Sarrazin schonungslos-pessimistisch beschrieben hat. Man muss beide Aspekte wahrnehmen und abwägen, um zu einem fairen Urteil zu kommen und das lautet wie so oft im Leben: weder weiß, noch schwarz. So provokant es klingen mag, unsere Gesellschaft braucht sowohl die Özils, Özdemirs, wie auch die Sarrazins, alles andere wäre pure Ideologie und Wunschdenken. Hoffen wir, dass Leute wie Özil und Sarrazin zueinander finden. Gemeinsam könnten sie unserer Gesellschaft einen Weg in eine friedliche Zukunft ebenen!

    Nur damit das klar ist: was von der Redaktion hier als eine "herabwürdigende Äußerung" zensiert wurde, war meine Feststellung, daß eine Jugendförderung im Fußball wie sie Özil hierzulande zugute kam, in der Türkei nicht stattgefunden hätte. Dies ist übrigens eine Tatsache und keine Meinung.

    Was für eine hysterische Zensur. Da faßt man sich doch an den Kopf.

  3. Diese Aussage hat mich Neugierig darauf gemacht wie der Herr Gebauer das wohl begründen wird.
    Gebauer: Ich glaube, dass er in der türkischen Community als ein Vorbild für gelungene Integration gilt und ich finde völlig zurecht.
    Ach so er glaubt das nur!
    Das steht nämlich im Kontrast zu einem Artikel aus der Zeit vom 9.10.2010
    Da heißt es:
    "Einer, den sie als Abtrünnigen bezeichnen, hatte durch sein 2:0 das Spiel entschieden."
    "Die Pfiffe, die schrill aus der türkischen Kurve klangen, sobald er am Ball war, wird er auch nicht gemocht haben."
    http://www.zeit.de/sport/...
    Oder will der Herr Gebauer etwa behaupten, dass erst durch Sarrazin diese Pfiffe provoziert wurden?
    Wenn das Thema schon in der Headline angesprochen wird wäre ein wenig mehr Erklärung schön gewesen.

    30 Leserempfehlungen
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    daß Sie auf diesen Aspekt hinweisen. Sonst bliebe es bei der üblichen Schönfärberei.

    • F Holm
    • 09.01.2012 um 14:07 Uhr

    Die Ueberschrift des hier kommentierten Artikels ist zugegebener Weise gut fuer die Quote, dennoch moechte ich Ihnen Beiden widersprechen.
    Ja, es gab Pfiffe aus dem tuerkischen Block, welcher mit vielen in Deutschland aufgewachsenen jungen Maennern gefuellt war.
    Aber anstatt hier eine Abwertung Oezils im allgemeinen zu sehen, meine ich keinen von Ihnen Beiden postulierten allgemeinen Trend der Deutschen, mit tuerkischen Wurzeln, gegen Oezil zu sehen.
    Vielmehr ist es fuer mich Ausdruck des inneren Zwiespalt (den alle Menschen mit Migrationshintergrund haben) zwischen dem Land aus welchem die Eltern (bzw. -Grosseltern) stammen und des bewohnten Landes.

    Ich kenne einige deutsch/tuerkische Jugendliche und Erwachsene und finde zu diesen auch dank Oezil oder Fatih Akin immer schnell ein gemeinsames Thema. Dieser z.B. durch Oezil vereinfacht hergestellte Kontakt (+Naehe), ist alleine in sich ein Zeichen seiner positiven Bedeutung fuer den interkulturellen Diskurs.

    Muss gerade grinsen, da mir auffaellt, dass auch Sarrazin verbinden kann. Durch die gemeinsame Abneigung von mir und vielen Deutschen mit tuerkischer oder arabischer Abstammung gegenueber des auf Oekonomiemaximierung basierenden Menschenbildes Sarrazins, kommt man auch gut ins Gespraech.

    Leider hat Sarrazin aber auch viele Menschen, insbesondere mit Migrationshintergrund, mit seinen insbesondere in den Boulevardmedien vereinfacht dargestellten Ansichten, unfair beleidigt. Daher: Ueberschrift hat seine Richtigkeit

    • u.t.
    • 09.01.2012 um 14:09 Uhr

    ich mich anderen Kommentaren anschließe, die sich ärgern, dass das Stichwort Sarrazin/Özil das restliche, interessante Interview zu sehr überlagert, komme ich nicht darum, einige unsägliche Beiträge zu eben jenem Stichwort beantworten zu müssen.

    @Wüterich:
    Wenn Sie natürlich nicht fähig sind, distanziert und nüchtern eine Gemengelage zu analysieren und sofort in den sarrazinesken Pauschalisierungs- und Verurteilungsmodus übergehen ("der Türke, wie er an sich und generell so ist..."), dann können Sie auch nur eindimensional ein Phänomen erkennen.

    Natürlich kann man eine starke Ambivalenz bei der Wahrnehmung der Person Özil in der (deutsch-)türkischen Community erkennen. Diese definiert sich nun mal auch teils durch Abgrenzung, da sie jahrzehntelang das Gefühl der Ausgrenzung durch die deutsche Mehrheit (vermeintlich/tatsächlich) vermittelt bekam.

    Dennoch werden sie vielfach auch auf Bewunderung und Özils Vorbildfunktion in dieser Gemeinschaft treffen. Sobald Özil für unsere N11 spielt (solange nicht gegen die Türkei), sind sie - wie auch schon ohne Özil - ganz stark für die deutsche N11.
    2006 (ohne Özil) gab es ja auch fast mehr (Deutsch-)Türken, die mit deutschen Wimpeln durch die Städte fuhren als "Ur-Deutsche".

    Und sein Erfolg bei unserer N11 wird auch weiterhin eine - ganz praktische - Vorbildfunktion haben.

    Ich möchte gerne anmerken, dass es bei den meisten Fußballspielen der Gegner ausgepfiffen wird. Schon einmal was von Derbies gehört?
    EIn Beispiel: Luis Figo, Schweinekopf!
    Jetzt hier pauschal auf seine "Wurzeln" zu verweisen, verkürzt das Grundsätzliche unzulässig!!

    daß Sie auf diesen Aspekt hinweisen. Sonst bliebe es bei der üblichen Schönfärberei.

    • F Holm
    • 09.01.2012 um 14:07 Uhr

    Die Ueberschrift des hier kommentierten Artikels ist zugegebener Weise gut fuer die Quote, dennoch moechte ich Ihnen Beiden widersprechen.
    Ja, es gab Pfiffe aus dem tuerkischen Block, welcher mit vielen in Deutschland aufgewachsenen jungen Maennern gefuellt war.
    Aber anstatt hier eine Abwertung Oezils im allgemeinen zu sehen, meine ich keinen von Ihnen Beiden postulierten allgemeinen Trend der Deutschen, mit tuerkischen Wurzeln, gegen Oezil zu sehen.
    Vielmehr ist es fuer mich Ausdruck des inneren Zwiespalt (den alle Menschen mit Migrationshintergrund haben) zwischen dem Land aus welchem die Eltern (bzw. -Grosseltern) stammen und des bewohnten Landes.

    Ich kenne einige deutsch/tuerkische Jugendliche und Erwachsene und finde zu diesen auch dank Oezil oder Fatih Akin immer schnell ein gemeinsames Thema. Dieser z.B. durch Oezil vereinfacht hergestellte Kontakt (+Naehe), ist alleine in sich ein Zeichen seiner positiven Bedeutung fuer den interkulturellen Diskurs.

    Muss gerade grinsen, da mir auffaellt, dass auch Sarrazin verbinden kann. Durch die gemeinsame Abneigung von mir und vielen Deutschen mit tuerkischer oder arabischer Abstammung gegenueber des auf Oekonomiemaximierung basierenden Menschenbildes Sarrazins, kommt man auch gut ins Gespraech.

    Leider hat Sarrazin aber auch viele Menschen, insbesondere mit Migrationshintergrund, mit seinen insbesondere in den Boulevardmedien vereinfacht dargestellten Ansichten, unfair beleidigt. Daher: Ueberschrift hat seine Richtigkeit

    • u.t.
    • 09.01.2012 um 14:09 Uhr

    ich mich anderen Kommentaren anschließe, die sich ärgern, dass das Stichwort Sarrazin/Özil das restliche, interessante Interview zu sehr überlagert, komme ich nicht darum, einige unsägliche Beiträge zu eben jenem Stichwort beantworten zu müssen.

    @Wüterich:
    Wenn Sie natürlich nicht fähig sind, distanziert und nüchtern eine Gemengelage zu analysieren und sofort in den sarrazinesken Pauschalisierungs- und Verurteilungsmodus übergehen ("der Türke, wie er an sich und generell so ist..."), dann können Sie auch nur eindimensional ein Phänomen erkennen.

    Natürlich kann man eine starke Ambivalenz bei der Wahrnehmung der Person Özil in der (deutsch-)türkischen Community erkennen. Diese definiert sich nun mal auch teils durch Abgrenzung, da sie jahrzehntelang das Gefühl der Ausgrenzung durch die deutsche Mehrheit (vermeintlich/tatsächlich) vermittelt bekam.

    Dennoch werden sie vielfach auch auf Bewunderung und Özils Vorbildfunktion in dieser Gemeinschaft treffen. Sobald Özil für unsere N11 spielt (solange nicht gegen die Türkei), sind sie - wie auch schon ohne Özil - ganz stark für die deutsche N11.
    2006 (ohne Özil) gab es ja auch fast mehr (Deutsch-)Türken, die mit deutschen Wimpeln durch die Städte fuhren als "Ur-Deutsche".

    Und sein Erfolg bei unserer N11 wird auch weiterhin eine - ganz praktische - Vorbildfunktion haben.

    Ich möchte gerne anmerken, dass es bei den meisten Fußballspielen der Gegner ausgepfiffen wird. Schon einmal was von Derbies gehört?
    EIn Beispiel: Luis Figo, Schweinekopf!
    Jetzt hier pauschal auf seine "Wurzeln" zu verweisen, verkürzt das Grundsätzliche unzulässig!!

  4. Er gilt der "türkischen Community als ein Vorbild für gelungene Integration"? Passt das mit den Pfiffen der Türken im Stadion gegen Özil zusammen? Wohl kaum.

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  5. Der Herr Prof. Gebauer mag mit vielen Thesen Recht haben, auch wenn der normal denkende Bürger sicher Sportler, trotz aufgebauten Image durch Verbände und Werbepartner, nie als Übermenschen gesehen hat, aber ich halte die Özil-Einschätzung für recht eindimensional. Auch die Kausalität mit Sarrazin mag ich nicht recht erkennen..

    Warum? Özil wurde als "superintegrierter" Deutscher mit türk. Migrationshintergrund als "Musterausländer" instrumentalisiert und schlichtweg überhöht. Natürlich passte der erfolgreiche und smarte, und manchmal recht naive, Spieler gut ins Bild der Werbestrategen des DFB, so einer wie Özil lässt sich leicht und gern als wunderbare Ikone der Integration einsetzen und letztlich auch vermarkten..
    Und in der Realität? Da war der Herr Özil mit der Schwester der (sehr naiven) Sarah Connor liiert, die sich die Haare schwarz färbte und einen türkischen Namen annahm und zum Islam konvertierte. Nicht gegen Konvertiten oder schwarze Haare, aber ist das alles freiwillig erfolgt, oder wollte der Top-Integriete eine Freundin nach türk. Vorbild?

    Mich nervt nur, dass alle möglichen Defizite immer an Herrn Sarrazin hängen sollen... Aber der ist ja für einen Aufhänger und eine ZEIT-Überschrift immer gut. Nun legitimiert also der Erfolg eines Spielers die Defizite der Bürger mit Migrationshintergrund... So einfach kann man es sich machen..

    Als nächstes: Sarrazin verantwortlich für Wulff-Debakel.... ;-)

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  6. Einspruch, Herr Gebauer! Der wahre Erfolg von Özil kommt erst noch, sobald Deutschland die EM 2012 oder die WM 2014 - oder beide, was mir am liesten wäre - gewinnt. Mesut Özil kann noch gut zehn Jahre für Deutschland auf höchstem Niveau spielen. Seine beste Zeit kommt erst noch. Die besten Zeiten von Herrn Sarrazin sind dagegen schon vorbei. Spätestens im August nächsten Jahres (wenn Deutschland Spanien im Finale 3:2, drei Vorlagen durch Özil, besiegt hat), werden wir sehen, dass die Integration durch Herrn Özil ähnlich beschleunigt wird wie er sich selbst im Laufduell gegen Ashley Cole vorm 3:1 gegen die Engländer... (immer wieder ein Quell steter Freude)

    Eine Leserempfehlung
  7. Tja in Deutschland werden halt Meinungen von Professoren, so weltfremd sie auch sein mögen, immer als "richtig" überhöht...

    Gerade Sportarten wie Skaten, Surfen etc. haben ja Idole, die aber nicht von einem DFB für Integration etc. herhalten müssen. Da kann eben ein Super-Snowboarder auch mal völlig bekifft daherkommen... ;-)

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Keine Idole?"
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    sollte sich vielleicht mal mit dem nur vier Jahre jüngeren Titus Dittmann unterhalten, er würde zum Thema Skateboarding & Idole respektive Skate & Kommerz noch einige Dinge lernen. Ja, ja, der Elfenbeinturm...

    sollte sich vielleicht mal mit dem nur vier Jahre jüngeren Titus Dittmann unterhalten, er würde zum Thema Skateboarding & Idole respektive Skate & Kommerz noch einige Dinge lernen. Ja, ja, der Elfenbeinturm...

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