Jutta KleinschmidtMillionärssöhnchen fällt es leichter, bei der Rallye Dakar zu starten

Jutta Kleinschmidt ist die einzige Siegerin der Rallye Dakar. Im Interview fordert sie, untalentierte Fahrer auszusortieren und wünscht umweltfreundlichere Rennautos. von 

Der französische Pilot Stephane Peterhansel fährt über eine Sanddüne nahe dem chilenischen Copiapo

Der französische Pilot Stephane Peterhansel fährt über eine Sanddüne nahe dem chilenischen Copiapo  |  © Bryn Lennon/Getty Images

ZEIT ONLINE:  Frau Kleinschmidt , haben Sie gesehen, wie gleich am ersten Tag der Rallye Dakar der Argentinier Jorge Martinez Boero tödlich verunglückte?

Jutta Kleinschmidt: Das ist jedes Mal eine Katastrophe. Boero war noch ein junger Mann, das ist wahnsinnig traurig. Das Problem ist, dass es auf dem Motorrad einfach sehr gefährlich ist. Ich habe selbst viermal mit dem Motorrad bei der Dakar teilgenommen, da kann viel passieren.

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Jutta Kleinschmidt
Jutta Kleinschmidt

Jutta Kleinschmidt, 49 Jahre alt, gehört zu den erfolgreichsten Frauen im Motorsport. Sie ist bisher die einzige Frau, die die Gesamtwertung der Rallye Dakar gewinnen konnte. Dafür wurde sie 2001 von den Zuschauern des TV-Senders ARD zur Sportlerin des Jahres gekürt. Kleinschmidt nahm insgesamt 18 Mal an der Rallye Dakar teil.

ZEIT ONLINE: Boero gilt als das 61. Todesopfer. Damit ist die Rallye Dakar wahrscheinlich das gefährlichste Sportereignis der Welt. Warum sagt man nicht einfach: Das ist alles Wahnsinn, hören wir auf damit!

Kleinschmidt: Für mich ist das schwierig, zu beantworten. Das ist eine Frage, die sich der Veranstalter stellen muss. Grundsätzlich werden in dieser Statistik natürlich auch alle Opfer mit dazugezählt, nicht nur aktive Teilnehmer.

ZEIT ONLINE: Aber wenn es Zuschauer am Streckenrand trifft oder Kinder – ist das nicht unverantwortlich?

Kleinschmidt: Jedes Opfer ist zu viel, da brauchen wir gar nicht drüber reden. Das muss vermieden werden, aber das ist eben schwierig. Ein Problem der jetzigen Rallye, die ja durch Argentinien , Chile und Peru geht, ist, dass es mir ein bisschen zu bevölkert ist. Man kann bei diesen Entfernungen nicht die ganze Strecke absperren. In Afrika wurde damals nach den vielen Unfällen viel für die Sicherheit getan. In Ortschaften gab es eine Art Geschwindigkeitsbeschränkung, so wie in der Boxengasse der Formel 1. Und draußen, im freien Gelände, gab es keine Zuschauer. Das ist in Südamerika anders.

ZEIT ONLINE:Walter Röhrl , zweimaliger Rallye-Weltmeister, sprach in Bezug auf die Rallye Dakar von "Russisch Roulette". Christian Danner, ehemaliger Formel-1-Pilot und TV-Motorsportexperte, sagte, die Rallye schade dem guten Ruf des Motorsports. Teilen Sie diese Meinungen?

Kleinschmidt: Nein. Natürlich ist diese Rallye gefährlich, aber ich würde sie deswegen nicht abschaffen. Man muss überlegen, was getan werden kann, um weniger Unfälle zu haben. Oder um zumindest weniger tödliche Unfälle zu haben. Unfälle gibt es in anderen Motorsportarten nämlich auch.

ZEIT ONLINE: Was kann getan werden?

Kleinschmidt: Zuerst müsste man eine Qualifikation für die Fahrer einführen. Jeder, der an der Dakar teilnehmen will, muss vorher eine kleinere, weniger gefährliche Rallye zu Ende gefahren haben. Das würde schon einige aussortieren. Das Risiko würde sich reduzieren. Sowohl das eigene, als auch das für Außenstehende. Weil diese Fahrer dann wissen, was sie tun.

ZEIT ONLINE: Sind diese Privatfahrer das Problem, Millionärssöhnchen, die nur aus Langeweile mitfahren?

Kleinschmidt: Diese Privatfahrer gab es ja schon immer. Die gehören irgendwie dazu. Sie verkörpern diesen Traum, diesen Mythos vom härtesten Rennen der Welt. So war das damals auch bei mir. Ich habe die Dakar zuerst als Urlauberin auf dem Motorrad begleitet. Und irgendwann war ich mit dabei.

ZEIT ONLINE: So einfach ist das?

Kleinschmidt: Na ja. Zuerst einmal kostet es natürlich eine Menge Geld. Ich musste alles, was ich als junge Ingenieurin verdient habe, zusammenkratzen, musste sogar noch ein paar Nebenjobs annehmen, um teilzunehmen. Das fällt so einem Millionärssöhnchen, wie Sie sie genannt haben, natürlich leichter.

ZEIT ONLINE: Bloß können die oft nicht Auto fahren.

Kleinschmidt: Darin liegt das eigentliche Problem: Dass da Leute mitfahren, die nur das Geld haben, aber nicht die Qualität. Deshalb müsste es die Qualifikation geben. In der Formel 1 braucht man auch die sogenannte Superlizenz. So kann keiner, der keine Ahnung hat, kommen und sagen: "Hey, ich will auch mal mitfahren!" In der Autowertung bei der Dakar ist es ja noch nicht so schlimm. Der bleibt dann halt mal irgendwo im Sand stecken. Aber auf dem Motorrad wird es richtig gefährlich.

Leserkommentare
  1. Es ist m.E. journalistisch unprofessionell und einfach nicht richtig, in der Überschrift einen Satz in Anführungszeichen (typografisch falschen zumal) zu setzen, der im Interview überhaupt nicht gefallen ist.
    Zumal die Stelle, die dort "zitiert" wurde, zuvor von der Fragestellerin überhaupt ins Gespräch gebracht wurde, worauf Frau Kleinschmidt in ihrer Antwort auch hinweist.
    Ich bin hinsichtlich des Themas emotionslos, aber ich finde, Journalisten sollten stets sauber arbeiten.

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    Stimmt, habe mich auch gefragt, wie das in die Überschrift kommt. Oder ist es mittlerweile d'accord unter Journalisten, sich in der Überschrfit selber zu zitieren (dann würde aber die Quellenangabe fehlen!).
    Ist das vielleicht ein Problem des online-Journalismus? Tempo, Tempo, kein Korrekturlesen mehr?

    Redaktion

    Paulimausi, danke für den Hinweis. Die Überschrift ist in diesem Fall kein wörtliches Zitat aus dem Interview. Wir haben deshalb die Anführungszeichen gelöscht.

    Ein Gruß aus der Redaktion

    • twenta
    • 13. Januar 2012 15:25 Uhr

    Ich finde es auch nicht gut, dass der Fahrerin dieses vom Journalisten verwendete Wort in den Mund gelegt wird. Zudem ist es noch eine leicht verächtliche Bezeichung, die dem Interview irgendwie eine vollkommen falsche Note gibt. Aber vielleicht kriegt der Autor ja so ein paar Klicks mehr...

    ...an die BILD-Zeitung. Aber dort weiß und erwartet man, dass die "Headline" keinen Wahrheitsanspruch hat, sondern der Skandalisierung und Emotionalisierung dient.

    • Kurti66
    • 13. Januar 2012 13:50 Uhr
    2. [...]

    ... wie wir es zu Dutzenden jeden Tag lesen können. "Jeder Tote ist einer zu viel", das Märchen von den "Millionärssöhnchen" etc. pp.. Schimmert da etwa blanker Neid durch ?
    Natürlich ist jede Rallye "unökologisch". Doch müssen wir nun tatsächlich alles und jeden entsprechend bewerten und uns selbst kasteien ? Was bliebe denn übrig ? Müssen wir immer gegen andere Menschen, die nun das Privileg haben, Geld zu haben angehen und diese diskreditieren ?
    [...]


    Gekürzt. Bitte bleiben Sie auf einer respektvollen Ebene mit Ihrer Kritik. Danke, die Redaktion/mk

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    die Zeit tut doch alles dafür hier glaubenservil tätig zu sein.
    Vermögende werden per se diffamiert. Dennoch prangt auf der Startseite die Boxterwerbung. Es grenzt doch an Ironie, wenn man gleichzeitig zur "Millionärskritik", wie sie en vogue ist, ökologische Autos fordert , um das Gewissen zu beruhigen. Mein Vorschlag: Seien sie doch konsistent und lassen sie die Rally einfach ganz sein. Das wäre prinzipientreu. Lustigerweise spiegelt dieser Artikel die Kritik an der neuen grünen Wählerschaft wider, welche zur Zeit von der Avantgarde vorgebracht wird und in 3 Jahren auch Teil dieser ZEitung sein wird. Wetten?

  2. Stimmt, habe mich auch gefragt, wie das in die Überschrift kommt. Oder ist es mittlerweile d'accord unter Journalisten, sich in der Überschrfit selber zu zitieren (dann würde aber die Quellenangabe fehlen!).
    Ist das vielleicht ein Problem des online-Journalismus? Tempo, Tempo, kein Korrekturlesen mehr?

  3. Redaktion

    Paulimausi, danke für den Hinweis. Die Überschrift ist in diesem Fall kein wörtliches Zitat aus dem Interview. Wir haben deshalb die Anführungszeichen gelöscht.

    Ein Gruß aus der Redaktion

  4. Noch zu Beginn der 1980er Jahre konnten auch "Millionärssöhnchen" ohne wirkliche Erfahrung in der Formel 1 starten. Im Jahre 1982 starb der italienische "Rennfahrer" Ricardo Paletti, dessen Vater ihm einen Platz gekauft hatte, beim Großen Preis von Kanada.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Riccardo_Paletti

    • Kriton
    • 13. Januar 2012 14:43 Uhr

    Den Vorkommentaren kann ich mich nur anschließen. Es ist vor allem auch einfach schade, weil Kleinschmidt eher nachdenklich und differenziert antwortet.

    • Gerd H.
    • 13. Januar 2012 14:55 Uhr

    Superlizenz also? Mmmhh,...und trotzdem hat man oft das Gefühl,dass dort völlig talentfreie "Privilegiertenjüngelchen" im Kreis fahren dürfen.
    Ich kann mir vorstellen,dass jeder Werksfahrer ähliche Leistungen zustande bringt,aber ob der enormen Verdienstmöglichkeiten im Motorsport,versucht man doch sicher besser unter sich zu bleiben.
    Also ich glaube eine Lizenz würde rein gar nichts bringen.Heutzutage kann man leider alles kaufen.Vom Abitur bis zur Doktorarbeit bis zur "Superlizenz".
    Das wird das Problem nicht lösen.

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    daß die Superlizenz zu kaufen ist...zumindest würde sie niemandem nützen. Der Kreis der F1-Fahrer ist so klein, daß jeder aus zig-Rennen jeden kennt. Und jeder jeden bereitwillig in den A... tritt, bzw. anschwärzt sobald ein Pünktchen des Reglements wirklich oder vermeintlich verletzt wird.
    Bitte achten Sie auf Ihren Ausdruck. Danke, die Redaktion/se

    • twenta
    • 13. Januar 2012 15:25 Uhr

    Ich finde es auch nicht gut, dass der Fahrerin dieses vom Journalisten verwendete Wort in den Mund gelegt wird. Zudem ist es noch eine leicht verächtliche Bezeichung, die dem Interview irgendwie eine vollkommen falsche Note gibt. Aber vielleicht kriegt der Autor ja so ein paar Klicks mehr...

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