Manuel Schmiedebach"Zehn Rollen nach einem Foul sind unnötig"

Der Hannoveraner Manuel Schmiedebach gehört zu den am meisten gefoulten Spielern der Bundesliga. Deshalb haben wir mit ihm über Härte und Theatralik gesprochen.

Manuel Schmiedebach von Hannover 96

Manuel Schmiedebach von Hannover 96

Seit dieser Spielzeit werden in der Fußball-Bundesliga exzessiv Daten erhoben. Jeder Pass, jeder Zweikampf, ja mittlerweile gar jeder gelaufene Meter werden registriert. Aber was steckt hinter den Zahlen? In unserer Interview-Serie "Fußball nach Zahlen" geben wir der Statistik ein Gesicht. Wir haben mit den Spielern mit den meisten Ballkontakten, der besten Zweikampfquote und dem am häufigsten gefoulten Profi gesprochen. Heute: Manuel Schmiedebach, Hannover 96.

ZEIT ONLINE: Herr Schmiedebach, neben Mario Mandžukić und Franck Ribéry zählen Sie zu den drei am meisten gefoulten Bundesligaspielern der Hinrunde. Kompliment!

Manuel Schmiedebach: Das kann man sehen, wie man will. Entweder bin ich zu langsam, oder die anderen kommen nicht mit meinen Bewegungen mit. Eins von beiden wird es sein. (lacht)

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Manuel Schmiedebach

Manuel Schmiedebach, Mittelfeldspieler von Hannover 96, wurde in der Hinrunde insgesamt 44 Mal gefoult. Damit ist der 23-Jährige hinter Mario Mandzukic vom VfL Wolfsburg (54) und Franck Ribéry vom FC Bayern München (51) der am dritthäufigsten gefoulte Spieler der Liga.


ZEIT ONLINE: Es ist wohl eher Ihre Schnelligkeit.

Schmiedebach: Ich kann mich auf jeden Fall gut am Ball behaupten.

ZEIT ONLINE: Empfinden Sie die Bundesliga generell als hart? Oder sind viele der Fouls an Ihnen womöglich gar keine gewesen?

Schmiedebach: Doch, die Fouls, die gepfiffen wurden, waren schon auch welche, es hätten auch noch mehr gepfiffen werden können. Aber als besonders hart würde ich das alles nicht bewerten. Oft sind es ja auch taktische Fouls, wie zum Beispiel zuletzt gegen Leverkusen, als mich Bender einfach mal kurz mitgenommen hat, damit ich in dem Moment keinen tödlichen Pass spielen konnte.

ZEIT ONLINE: In der Europa League hingegen haben Sie sicher andere Erfahrungen gemacht.

Schmiedebach: Ja, da geht es schon anders zur Sache. Die Europa League ist um einiges härter, dort wird auch weniger gepfiffen. Aber ich bin ja nicht nur einer, der ausschließlich einsteckt, sondern muss auch mal ab und zu austeilen. Deswegen ist das schon okay.

ZEIT ONLINE: Im Gegensatz zu einigen Ihrer Kollegen, die sich nach einem Trikotzupfer mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden krümmen, machen Sie nach einem Foul auch weit weniger Theater. Können Sie die Schauspielkunst der anderen trotzdem irgendwie verstehen?

Schmiedebach: Nicht unbedingt, dass Sie am Bein getreten werden und sich danach woanders halten. Und wenn jemand nach einem einfachen Foul zehn Rollen macht, finde ich das auch unnötig. Aber manchmal sieht ein Foul im Fernsehen auch nur nach einem leichten Kontakt aus, war aber in Wirklichkeit sehr schmerzhaft. Wenn man zum Beispiel vorne am Fuß getroffen wird, fragen sich viele: Warum bleibt denn der so lange liegen? Es tut aber manchmal so weh, dass man nicht sofort aufstehen kann.

ZEIT ONLINE: Spieler wie Arjen Robben stellen hingegen schon kleinere oder gar keine Fouls übertrieben dar und provozieren damit eine Karte für den Gegenspieler.

Schmiedebach: Es weiß ja die halbe Bundesliga, dass man ihn nicht zu hart anpacken und der Ball immer dabei sein sollte, damit der Schiri überhaupt keine Chance hat, zu pfeifen.

ZEIT ONLINE: Sind Typen wie Robben deshalb eher unbeliebt in der Liga?

Schmiedebach: Ich habe jetzt nicht so viel mitbekommen, dass ich sagen könnte, er sei unbeliebt. Wir spielen zum Beispiel relativ gerne gegen die Bayern, auch mit Robben und Ribéry. Auf dem Platz verstehen wir uns eigentlich ganz gut.

ZEIT ONLINE: Kann man Ihrer Meinung nach irgendetwas Sinnvolles gegen die Schauspielerei im Fußball unternehmen?

Schmiedebach: Ich denke, die kann man nicht unterbinden. Vielleicht kommt es zu Situationen wie in England, wo Fans ihre eigenen Spieler auspfeifen. Aber die Schauspielerei ganz abzuschaffen, ist wohl nicht möglich. Man weiß ja auch oft nicht genau, wann es wirklich Schauspielerei ist.

Leserkommentare
  1. "Vielleicht kommt es zu Situationen wie in England, wo Fans ihre eigenen Spieler auspfeifen. "
    Bester Satz des Interviews. Würde ich mich sehr drüber freuen aber dafür gibt es leider nicht genug "normale" Fußballfans in deutschen Stadien.

    http://www.youtube.com/wa...

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    So Leute sollten gesperrt werden... PEINLICH!

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    Die englische Fußballmentalität erzieht ihre Spieler und das sieht man auch.

    Die englische Fußballmentalität erzieht ihre Spieler und das sieht man auch.

  2. Die englische Fußballmentalität erzieht ihre Spieler und das sieht man auch.

    Eine Leserempfehlung
  3. der selbst nach übelsten Fauls auf seinen Gegner zuging und ihm die Hand gab.

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