Ausschreitungen71 Tote nach Gewaltausbruch in ägyptischem Stadion

In Port Said haben Hooligans eine Katastrophe ausgelöst: 71 Menschen starben, mehr als 1.000 wurden verletzt. Beteiligte erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei. von afp, dpa und reuters

Bei der schlimmsten Katastrophe in der Geschichte des ägyptischen Fußballs sind offiziellen Angaben zufolge bisher 71 Menschen gestorben, zuvor waren von 76 Toten berichtet worden. Der Sender Al Arabija sprach von 77 Toten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden mindestens 1.000 Menschen verletzt. Etwa 150 Personen sind in einem kritischen Zustand. Unter den Toten sollen auch Sicherheitskräfte sein.

Nach Angaben des Staatsfernsehens begannen Ausschreitungen nach dem Fußballspiel zwischen Al-Ahli aus Kairo und Al-Masri aus Port Said. Der Club Al-Ahli zählt zu den bekanntesten Fußballvereinen in Ägypten und war lange Zeit ungeschlagen. In Port Said hatte Al-Ahli das Spiel mit 1:3 verloren, als Fans die Spieler angriffen. Das Spiel war bereits vor Beginn von regionalen Zeitungen als "Treffen der Vergeltung" bezeichnet worden.

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"Das ist Krieg und kein Fußball."

Mannschaftsarzt von Al-Ahli

Auf Live-Bildern des Fernsehens war zu sehen, wie Hunderte Fans nach dem Abpfiff den Rasen stürmten und Spieler jagten. Fans von Al-Masri bewarfen die Anhänger von Al-Ahli mit Flaschen und Steinen und zündeten Leuchtraketen. Die Armee setzte Hubschrauber ein, um Spieler und Fans in Sicherheit zu bringen. Eine kleine Gruppe von Bereitschaftspolizisten versuchte erfolglos, die Spieler zu schützen. Fans gelang es, die flüchtenden Sportler zu treten und zu schlagen. Der Mannschaftsarzt von Al-Ahli wurde von der Zeitung Al-Masry Al-Youm mit den Worten zitiert: "Das ist Krieg und kein Fußball."

Viele Menschen wurden niedergetrampelt oder erdrückt, die meisten Verletzten erlitten nach Angaben des stellvertretenden Gesundheitsministers Gehirnerschütterungen und Schnittwunden. Nach Angaben des britischen Senders BBC waren einige Fans mit Messern bewaffnet .

CNN.com zitiert einen verletzten Fan mit den Worten: "Die Masri-Fans und ihre Hooligans hatten alles: Steine, Glasflaschen, Messer, Schwerter. Einige sogar Waffen." Die Polizei habe nach Angaben des Fans Trennzäune zwischen den Fangruppen geöffnet und damit die Übergriffe erst ermöglicht. Der Vorsitzende des Fan-Komitees von Al-Ahli, Mamdouh Eid, sagte CNN, die Polizei hätte die Flucht aus dem Stadion verhindert, indem sie Ausgangstore nicht geöffnet hätte.

Al-Ahlis Kotrainer Oscar Elizondo sprach von politisch gefärbter Gewalt: "Es gibt viel Hass", sagte er. Das Verhalten der Polizei bezeichnete er als Schande: "Es gab 3.000 Polizisten und wohl niemand wurde verhaftet." Spieler und Trainer seien in "Militärfahrzeugen, die wie Kriegspanzer aussahen", aus dem Stadion gebracht worden.

Spieler von Al-Ahli sagten lokalen Medien, die Sicherheitskräfte hätten nichts unternommen, um sie zu schützen. Al-Ahlis portugiesischer Trainer Manuel José sagte, zahlreiche schwer verletzte Fans seien von Ärzten seines Vereins behandelt worden, viele seien dabei in der Umkleidekabine gestorben. "Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen", sagte der 65-Jährige dem portugiesischen TV-Sender SIC.

Leserkommentare
    • dAnjou
    • 01. Februar 2012 21:49 Uhr

    Ich höre ja noch gar keinen nach einem Fußballverbot schreien.

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    • S7ephan
    • 02. Februar 2012 4:46 Uhr

    für immer!

    ....ich höre gerade niemanden mehr behaupten, die öffentliche Austragung von Fußballgladiatorenkämpfen diene ja glücklicherweise der Kompensation natürlicher aggressiver Bedürfnisse und würde so die Gewaltfreiheit fördern.

    (Dies nur als Antwort auf einen im Angesicht von 70 Toten menschenverachtenden Kommentar.)

    • Quirke
    • 02. Februar 2012 9:32 Uhr

    Prima Idee!

  1. Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Diffamierungen. Die Redaktion/ls

  3. Aber wenn das nun ein Natoangriff oder so etwas gewesen wäre... uiuiui - das hätte Wind gemacht.
    Komisch diese Welt bzw. die ZEIT, in der wir leben.

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    Verstehe ihren Standpunkt nicht ganz, doch was hätten Sie wohl vor wenigen Generationen wohl über "ihr" Zeitalter gesagt?

    • zd
    • 02. Februar 2012 8:27 Uhr

    Entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zur Diskussion bei. Die Redaktion/mak

    gewesen wäre, hätte man sich als unsereins zu einem bestimmten Grad vorhalten lassen können, dies sei im eigenen Namen geschehen. Von daher wäre es legitim, das Vorgefallene unter den angesprochenen Umständen anders zu bewerten.

    Aber war ja klar, dass das kam.

    • k2
    • 01. Februar 2012 21:59 Uhr

    http://eurosport.anayou.c...

    Von EuroArab Video zeigt harmlose Zuschauer
    auf dem Spielfeld herumrennen :

    http://www.wat.tv/video/e...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • k2
    • 02. Februar 2012 7:52 Uhr

    Es geht um einige wenige Ultras, welche in
    jugendlichem Übermut etwas über die Stränge
    hauen, was aber nur gelegentlich und mehr
    durch eine unbeabsichtigte Kontingenz
    zu Verletzungen führen kann - es sieht auf
    den Videos nicht danach aus, dass schwere
    Verletzungen aus dem abgebildeten sich gegenseitig Necken entstehen könnten :

    http://www.youtube.com/wa...

    Der FJPartei und EssamAlErian geht es genau
    um dieselbe bislang fehlende hinreichende Ursacheerklärung für die allzuvielen Toten.

    http://aovivo.slbenfica.p...

    http://www3.youm7.com/New...

    Es war eine Stadionstimmung wie in Paris,
    Madrid oder Lissabon, wie dieses Video zeigt :

    http://www.youtube.com/wa...

  4. Karim El-Gawhary, der für die taz und den ORF aus Kairo berichtet, ist leider mal wieder der Einzige in der deutschen Medienlandschaft, der sich mit den Hintergründen beschäftigt: "73 Tote und über tausend Verletzte bei Auseinandersetzungen zwischen Fussballfans in der ägyptischen Stadt Port Said zwischen dem lokalen Club und dem Al-Ahly Kairor Fussballverein. Alles fragt, wo war Polizei und Militär. Viele Spekulationen, dass das Militär mit Absicht Chaos erzeugt, um seine Existenz an der Macht zu rechtfertigen und den Ausnahmezustand anzuwenden. Fragen auch auf Twitter und Facebook, warum der Governeur und der städtische Polizeichef, die beide normalerweise jedes Spiel besuchen, nicht anwesend waren. Es gibt zahlreiche Gerüchte rund um den möglichen poltischen Hintergrund."
    Mit Fussball könnte das Ganze demnach nur vordergründig zu tun haben...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • spacko
    • 01. Februar 2012 22:23 Uhr

    nur die taz hat mal wieder am schnellsten eine linke Verschwörungstheorie. Was nicht ins Bild passt, muss ja eine Verschwörung sein. Kann gar nicht anders. Was soll denn das Militär von der Aktion haben, bittesehr?
    Um zu wissen, das Ägypten implodiert, wenn die Armee sich raushält, braucht es diese Fußballnummer nicht.
    Wartet nur ein Weilchen, dann kommt die nächste "Verschwörung" - die Salafisten sind nämlich auch nur von der Armee erfunden!

    • Thems
    • 01. Februar 2012 22:25 Uhr

    Selbst wenn es so wäre, ist das keine Rechtfertigung, so durchzudrehen. So sehr ich Sport und vor allem Fußball wertschätze, aber alles hat seine Grenzen.
    Schlimm nur, dass es die Idioten immer wieder ins Stadion schaffen...

    "[...] Mit Fussball könnte das Ganze demnach nur vordergründig zu tun haben..."

    Mit Fußball hat dieses tragische Ereignis überhaupt nicht zu tun.
    Weshalb die Folgen eines panikauslösenden dumpfen und gewaltbereiten Fanatismus zu Verschwörungstheorien anregt, ist mir unerklärlich.
    Mein Beileid den gilt den Angehörigen der Opfer.

    der es immer weniger gelingt, Ereignisse und Informationen in ihrem Kontext, statt nach ihrem Unterhaltungswert, zu publizieren.

    Tatsächlich hat bereits Anfang des Monats James M. Dorsey in Le Monde Diplomatique einen guten Artikel zur politischen Bedeutung des Fussballs in einem Land hingewiesen, in dem Abseits der Fan-Ränge kaum noch der Platz für einen freien politischen Diskurs existiert. SIehe: http://www.monde-diplomat...

    Al-Ahly Fans haben auf dem Tahir-Platz Ordner-Funktionen übernommen. Die Strukturen ihrer Fan-Clubs waren wesentliche Fundamente in der revolutionären Bewegung - wenn auch nicht so medientauglich wie die "Facebook"-Bewegung. Generell gilt, das in Ägypten von den rund 16 Fussballclubs der ersten Liga rund die Hälfte sich im Besitz von Autokraten, Beamten und Funktionären des alten Regimes oder sogar der Polizei/Militär befinden. Da braucht man über die Hintergründe dieser Meldung nicht theoretisieren - recherchieren reicht!

  5. was ist nur los mit dir.

    Ich würde lachen wenn es nicht so traurig wäre.

    • spacko
    • 01. Februar 2012 22:23 Uhr

    nur die taz hat mal wieder am schnellsten eine linke Verschwörungstheorie. Was nicht ins Bild passt, muss ja eine Verschwörung sein. Kann gar nicht anders. Was soll denn das Militär von der Aktion haben, bittesehr?
    Um zu wissen, das Ägypten implodiert, wenn die Armee sich raushält, braucht es diese Fußballnummer nicht.
    Wartet nur ein Weilchen, dann kommt die nächste "Verschwörung" - die Salafisten sind nämlich auch nur von der Armee erfunden!

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    Ganz so abwegig ist ein politischer Hintergrund sicher nicht, bedenkt man die Tatsache, dass die Fanszene von Al-Ahly, aufgrund ihres hohen Organisationsgrades, maßgeblich an der Protesten auf dem Tahrir beteiligt war, während die Gegenseite - wenn ich mich recht entsinne - eher dem alten Regime zugeordnet wird.

    Ich habe dazu im letzten Jahr mal einen Bericht gelesen, weiß aber leider nicht mehr wo. Was ich aber dazu gefunden habe, ist folgendes Interview:

    http://www.11freunde.de/g...

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