Familienmitglieder und Anhänger der Fußballfans warten am Bahnhof in Kairo auf die Ultras. © Ed Giles/Getty Images

Vor etwa einem Jahr durchbrachen die Ultras die Barrikade der Angst. Erst ihr Handeln ermutigte viele Ägypter zu den Massenprotesten, die Geschichte schrieben. Sie verteidigten den Tahrir-Platz, den Ort der Revolution vor den Sicherheitskräften und vor Mubarak-Anhängern.

Seitdem spielten die Ultras eine große Rolle: beim Sturm auf den verhassten Geheimdienst; beim Sturm auf die israelische Botschaft und bei den Kämpfen auf dem Tahrir-Platz im November und Dezember, die erneut mehr als 50 Menschen das Leben kostete.

Die Furchtlosigkeit der radikalen Fußballfans beeindruckte. Deshalb folgten den Ultras Tausende von desillusionierten, geringgebildeten und oft arbeitslosen Jugendlichen. Eines verbindet die Schar von gewaltbereiten jungen Männern: eine tiefe Abneigung gegen die Polizei.

Schon im April hatten Ultras das Spielfeld bei der Partie zwischen Zamalek und Espérance Sportieve du Tunis in Kairo gestürmt. In der Nacht zum Donnerstag kam es nun zur Katastrophe. Mehr als 70 Tote, unzählige Verletzte. Die größte Tragödie in der Geschichte des ägyptischen Fußballs. Alles geschah wegen der Gewalt der jugendlichen Fußballfans. Doch die Frage ist, wieso randalierten die Ultras in einer nie dagewesenen Form? Wurden sie durch den Militärrat instrumentalisiert?

Die Anzeichen mehren sich, dass die Behörden vor dem Anpfiff wussten, dass das Spiel zwischen Al Masri und Al Ahly aus Kairo gestört werden sollte. "Da war was geplant. Unsere Sicherheitskräfte wussten davon. Ich habe mit meinen eigenen Augen einen Tweet gesehen, einen halben Tag vor dem Spiel, in dem ein Masri-Fan schrieb: 'Wenn ihr zum Spiel kommt, macht vorher ein Testament!'", sagt Diaa Salah, Mitglied des ägyptischen Fußballverbands.