Sport, insbesondere Fußball, erregt die Gemüter. Seine Bedeutung geht weit über die persönliche Ertüchtigung, über die Geselligkeit im Verein oder einfach die Lust am Spiel hinaus: Am Profisport hängen Karrieren, das Wohl und Wehe der Fans, und vom Ausgang der Länderspiele oder vom Zuschlag zur Ausrichtung von Meisterschaften hängen nationale Identitäten ab. Sport ist aber auch ein Milliardengeschäft und spätestens hier beginnen die Probleme: Die internationalen Sportdachverbände (IOC, Fifa, Uefa etc.) haben sich mithilfe der Einnahmen aus Vermarktung in den Massenmedien und Sponsoring von Gentlemens Clubs in quasi multinationale Unternehmen verwandelt. Allerdings ist vielfach die Gouvernanzstruktur hinter den ökonomischen und ethischen Anforderungen zurückgeblieben.

Immer wieder geraten Funktionäre und Verbandsvertreter in den Ruch der Selbstbegünstigung und der Korruption. Daneben kämpft der Sport mit einer Vielzahl weiterer Probleme wie Doping, Wettbetrug und Geldwäsche. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, müssen sie auf zwei Ebenen angegangen werden. Zum einen sind die Staaten in der Pflicht, die Rechtslage so anzupassen, dass eine wirksame Strafverfolgung möglich wird. Zum anderen müssen die Sportverbände selbst bei sich Ordnung schaffen.

Es ist ganz dringend geboten, dass sich die internationale Staatengemeinschaft der Bedeutung des Sports bewusst wird und ihn nicht länger als quasi rechtsfreien Raum behandelt: Während der Richter tatsächlich nicht die geeignete Person ist, über Spielregelverletzungen zu entscheiden, dürfen Sportdachverbände nicht länger als Freiraum für Machtpolitiker und ruchlose Geschäftemacher herhalten: Zuerst sind die Staaten, in denen die Dachverbände ihren Sitz haben, in der Pflicht, glaubwürdige Aufsichtsstrukturen zu schaffen.

Gerade in der Schweiz, wo über 60 internationale Sportdachverbände ihren Sitz haben, hat man zu lange zugesehen, wie die als Vereine des Zivilrechts inkorporierten Gebilde sich quasi außerhalb der Rechtsordnung bewegten. Es ist dringend notwendig, dass schwere Rechtsverstöße wie etwa Untreue von den lokalen Strafbehörden geahndet werden. Bisher sind allerdings die Regeln des Korruptionsstrafrechts meist nicht oder nur marginal anwendbar. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

Es muss entweder das nationale Korruptionsrecht erweitert oder es müssen Sondernormen geschaffen werden. Da die nationale Zuständigkeit den Strafverfolgern allerdings enge Schranken setzt, braucht es eine internationale Rechtsvereinheitlichung. Nicht umsonst hatte das IOC im Zuge seiner Reformbestrebungen die OECD gebeten, Sportdachverbände dem internationalen Konventionsrecht zu unterstellen. Die Organisation wäre zur Rechtsvereinheitlichung tatsächlich besonders geeignet, weil sie praktisch alle Staaten, in denen Sportdachverbände ihren Sitz haben, als Mitglieder hat und weil sie über effiziente Durchsetzungsmechanismen verfügt.