Fifa : Sportverbände dürfen kein Freiraum für Geschäftemacher sein

Mark Pieth soll als Vorsitzender des Governance-Komitees die Fifa von der Korruption befreien. Im Gastbeitrag fordert er das Ende rechtsfreier Räume im Sport.
Mark Pieth (rechts) neben dem Fifa-Präsidenten Sepp Blatter © Walter Bieri, dpa

Sport, insbesondere Fußball, erregt die Gemüter. Seine Bedeutung geht weit über die persönliche Ertüchtigung, über die Geselligkeit im Verein oder einfach die Lust am Spiel hinaus: Am Profisport hängen Karrieren, das Wohl und Wehe der Fans, und vom Ausgang der Länderspiele oder vom Zuschlag zur Ausrichtung von Meisterschaften hängen nationale Identitäten ab. Sport ist aber auch ein Milliardengeschäft und spätestens hier beginnen die Probleme: Die internationalen Sportdachverbände (IOC, Fifa, Uefa etc.) haben sich mithilfe der Einnahmen aus Vermarktung in den Massenmedien und Sponsoring von Gentlemens Clubs in quasi multinationale Unternehmen verwandelt. Allerdings ist vielfach die Gouvernanzstruktur hinter den ökonomischen und ethischen Anforderungen zurückgeblieben.

Immer wieder geraten Funktionäre und Verbandsvertreter in den Ruch der Selbstbegünstigung und der Korruption. Daneben kämpft der Sport mit einer Vielzahl weiterer Probleme wie Doping, Wettbetrug und Geldwäsche. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, müssen sie auf zwei Ebenen angegangen werden. Zum einen sind die Staaten in der Pflicht, die Rechtslage so anzupassen, dass eine wirksame Strafverfolgung möglich wird. Zum anderen müssen die Sportverbände selbst bei sich Ordnung schaffen.

Es ist ganz dringend geboten, dass sich die internationale Staatengemeinschaft der Bedeutung des Sports bewusst wird und ihn nicht länger als quasi rechtsfreien Raum behandelt: Während der Richter tatsächlich nicht die geeignete Person ist, über Spielregelverletzungen zu entscheiden, dürfen Sportdachverbände nicht länger als Freiraum für Machtpolitiker und ruchlose Geschäftemacher herhalten: Zuerst sind die Staaten, in denen die Dachverbände ihren Sitz haben, in der Pflicht, glaubwürdige Aufsichtsstrukturen zu schaffen.

Mark Pieth

Mark Pieth ist Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Basel und Präsident des Independent Governance Committee der Fifa. Der Schweizer arbeitete für das Max Planck Institute in Deutschland und das Cambridge Institute of Criminology in Großbritannien. Von 1989 bis 1993 war er Chef der Sektion Wirtschaftskriminalität, Geldwäscherei und organisierte Kriminalität im Schweizer Bundesamt für Justiz.

Gerade in der Schweiz, wo über 60 internationale Sportdachverbände ihren Sitz haben, hat man zu lange zugesehen, wie die als Vereine des Zivilrechts inkorporierten Gebilde sich quasi außerhalb der Rechtsordnung bewegten. Es ist dringend notwendig, dass schwere Rechtsverstöße wie etwa Untreue von den lokalen Strafbehörden geahndet werden. Bisher sind allerdings die Regeln des Korruptionsstrafrechts meist nicht oder nur marginal anwendbar. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

Es muss entweder das nationale Korruptionsrecht erweitert oder es müssen Sondernormen geschaffen werden. Da die nationale Zuständigkeit den Strafverfolgern allerdings enge Schranken setzt, braucht es eine internationale Rechtsvereinheitlichung. Nicht umsonst hatte das IOC im Zuge seiner Reformbestrebungen die OECD gebeten, Sportdachverbände dem internationalen Konventionsrecht zu unterstellen. Die Organisation wäre zur Rechtsvereinheitlichung tatsächlich besonders geeignet, weil sie praktisch alle Staaten, in denen Sportdachverbände ihren Sitz haben, als Mitglieder hat und weil sie über effiziente Durchsetzungsmechanismen verfügt.

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

FIFA in Brasilien wg. Weltmeisterschaft im rechtsfreien Raum???

Der arme Mann wird einiges zu tun haben. Was die FIFA sich derzeit in Brasilien leistet, (nationale Gesetze einer demokratisch gewählten, legitimen Regierung sollen wegen der Geschäfte der FIFA mit Heineken gefälligst geändert werden), ist schon ein ganz schöner Hammer. Hier geht es nicht um "rechtsfreien Raum", hier geht es darum dass die FIFA nur EIN Recht kennt: Ihr eigenes bzw. das ihrer Sponsoren.
Details (englisch, aber vielleicht will die ZEIT da ja mal nachgraben?):
http://www.bbc.co.uk/news...

Plötzlich soll der Staat wieder da sein.

Die Schweiz soll bitteschön Gesetzte verabschieden um die FIFA von ihrer Korruptheit zu befreien? Lächerlich.
Mal abgesehen davon, dass ich Herrn Blatter zutrauen würde in diesem Fall "im interesse des Sportes" seinen Hauptsitz nach Trinidad & Tobago zu verlegen.

Und das gilt für alle anderen Dachverbände genauso, die FIFA und die Olympiaverursacher sind halt nur die dreistesten. Stören tut es ja scheinbar nicht, die Karten werden schon verkauft.