Papiss Demba Cissé bei seinem neuen Verein Newcastle United © Ian Horrocks/picture alliance/dpa

Das Geld war gut angelegt. 1,5 Millionen Euro Ablöse überwies der SC Freiburg vor gut zwei Jahren an den französischen Club FC Metz, um sich die Dienste des Stürmers Papiss Demba Cissé zu sichern. 37 Tore erzielte der Senegalese fortan, in 65 Ligaspielen. Vor zwei Wochen endete das sportlich erfolgreiche Gastspiel auch mit einem finanziellen Höhepunkt. Cissé wechselte nach England zu Newcastle United. Die Ablöse diesmal: geschätzte zwölf Millionen Euro, das Achtfache des ursprünglichen Einsatzes. Die Freiburger sind damit innerhalb des deutschen Profifußballs die finanziellen Gewinner der Wintertransferperiode, die am Dienstag endete.

Auf eine ähnliche Rendite hofft auch Kai-Volker Langhinrichs, geschäftsführender Gesellschafter der Hanseatischen Fußball Kontor GmbH in Schwerin. Langhinrichs hat einen geschlossenen Fonds namens FTR 1 aufgelegt, der sich an Transferrechten von Fußballspielern beteiligt. Mindestens 5.000 Euro mussten Anleger aufbringen, um Anteile zu erwerben – Ende Dezember endete die Frist für einen Einstieg.

Kein Einfluss auf Transferpolitik

Mit dem Geld der Anleger investiert der Fonds in interessierte Clubs. Auf Langhinrichs Wunschliste stehen talentierte Spieler zwischen 18 und 23 Jahren, die noch bei unterklassigen Vereinen unter Vertrag stehen. Langhinrich hofft, dass sie den Sprung zu einem Top-Club schaffen und dann Teile der Transfersumme zurück an den Fonds fließen. "Wir geben im Grunde ein Darlehen", sagt er. Auf bis zu 320 Prozent beziffert Langhinrichs die zu erwartenden Rückflüsse. Freilich ist für die Anleger auch ein Totalverlust möglich. "Das ist aber kein reines Fußballthema", sagt Langhinrichs – dies gelte auch für andere Anlageformen wie Immobilien- oder Schiffsfonds.

Das Konzept ist nicht neu. Auf der Suche nach zusätzlichen Geldquellen setzen bereits gleich mehrere Bundesligisten auf Investoren, die Anteile an den Transferrechten einzelner Spieler erhalten haben. Im Jahr 2010 etwa machte der Hamburger Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne für den HSV 12,5 Millionen Euro locker – "Anstoß³" hieß das Modell. Hertha BSC Berlin bestätigte im vergangenen Jahr, acht Millionen Euro von einem Unterstützer erhalten zu haben, der anonym bleiben soll. Beim 1. FC Köln gibt es mehrere Investoren, die Anteile an Transferrechten der Spieler Lukas Podolski, Pedro Geromel und Slawomir Peszko halten.

Mit dem Einstieg des Schweriner Fußballfonds erreicht das Geschäft nun eine neue Dimension. Nicht nur millionenschwere Geldgeber können mitmachen. Auch unterklassige Vereine sind in der Lage, zusätzliche Mittel zu akquirieren. Ganz generell verspricht der Auftritt von Investoren, die sich an den Rechten beteiligen, nicht nur Zusatzeinnahmen, sondern auch mehr Sicherheit. "Für Vereine kann das ein charmantes Werkzeug sein", sagt Andreas Jens, Partner der auf Sportrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Appen Jens Legal, "denn sie entledigen sich damit auch ein Stück weit des Risikos von Transfergeschäften." So sinkt etwa der Druck, Investitionen in die Jugendarbeit vorzufinanzieren und dann auf hohe Erlöse aus Ablösesummen zu hoffen. "Das Geld des Investors fließt ja schon früher", sagt Jens.

Für Gerd Koslowski, Sprecher des 1. FC Köln, haben sich die neuen Finanzierungsmodelle bewährt: "Wir werden sie je nach Bedarf auch zukünftig erneut prüfen", sagt er. Wichtig sei: "Der Investor darf keinen Einfluss haben auf die Transferpolitik im Klub. Das ist tabu und beim 1. FC Köln vertraglich ausgeschlossen." So steht es auch in den Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die Verträge müssen zudem bei der DFL vorgelegt werden, wenn Klubs die Lizenz beantragen. Das soll Interessenkonflikte verhindern.