Es hätte so schön werden können. Am 31. August, drei Wochen nach den Spielen in London , wird in Berlin eine Olympia-Ausstellung eröffnet. Sie besteht aus zwei Teilen, einem antiken und einem modernen. Die Idee entstand 2009. Später wird die Ausstellung nach Doha und Athen wandern. Der antike Teil ist sehr teuer, weil archäologische Exponate befördert werden müssen. Daher waren die Organisatoren vom Martin-Gropius-Bau froh, im Frühsommer 2011 eine zusätzliche Finanzierungsquelle aufgetan zu haben: die Qatar Museums Authority, die dem Emir von Katar untersteht. Damit begannen die Probleme.

Fünf renommierte Wissenschaftler sind daraufhin brüskiert abgesprungen, darunter Bernd Sösemann, der ehemalige Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Gesellschaft, und der Sportphilosoph Gunter Gebauer. Die Journalisten, die an diesem Montag in Berlin zur Pressekonferenz gekommen sind, warten gespannt auf die Antworten Gereon Sievernichs. In den vergangenen zwei Monaten hat der Direktor des Martin-Gropius-Baus alle Fragen mit dem Hinweis auf diesen Termin abgewehrt. Doch auch diesmal versucht er, jegliche Kritik zu ignorieren.

Gebauer und Sösemann sollten beim modernen Teil der Ausstellung mitarbeiten, Sösemann nahm über Monate an mehreren vorbereitenden Sitzungen teil. Aus Protest zogen sie sich zurück, als Sievernich ihnen im Oktober 2011 in einem Brief mitteilte, dass mit dem neuen Geldgeber eine neue inhaltliche Ausrichtung einhergehen werde. "Einen solchen Skandal habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt", sagt der Historiker Sösemann.

Doping, Korruption, Kommerz

Das Ziel der Gruppe um Gebauer und Sösemann war es, die vielen kritischen Aspekte von Olympia zu berücksichtigen: Doping, Kommerzialisierung, Korruption, politischer Missbrauch, Bausünden. Sie fürchten nun, die aus deutschem Steuergeld mitfinanzierte Ausstellung werde zur reinen Leistungsschau. Der sportpolitische Hintergrund: Der reiche Wüstenstaat will mit seinen Petrodollars eine Weltmacht im Sport werden, hat sich unter teils fragwürdigen Umständen die Weltmeisterschaften im Fuß- und Handball sowie viele wichtige Pferdesportveranstaltungen gesichert.

Pikanterweise hat sich Doha, Katars Hauptstadt, für Olympia 2020 beworben, nachdem es zuletzt an Rio gescheitert war. Da sei es ratsam, sich beim IOC einzuschmeicheln und kritische Geister durch "akademische Höflinge" zu ersetzen, sagt Gebauer . Auf der neuen Autorenliste findet sich sodann manch verbandsnaher Autor. Ausgesucht hat sie Christian Wacker, der neue Verantwortliche für den modernen Teil. Die ausgebooteten Wissenschaftler zweifeln an seiner Objektivität, weil er im Auftrag Katars seit Jahren ein großes Sportmuseum in Doha erstellt.