Herthas Fabian Lustenberger © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Wenn der Fußball große Oper ist, dann ist Hertha BSC Seifenoper. Von den vielen kleinen und mittleren Dramen, die an jedem Bundesligaspieltag aufgeführt werden, passiert das seifigste derzeit in Berlin .

Erst entlässt Hertha einen Trainer, der dem Vereinsmanager Lüge vorwirft und der wiederum ihm. Dann kommt ein neuer Trainer und wird nach fünf Spielen wieder gefeuert. Obendrein belagern mehrere hundert Menschen das Trainingsgelände, die mit Hertha endlich wieder siegen wollen und vielleicht nicht verlieren können.

Warum eigentlich immer Hertha? Im Fußball, das liegt in seiner Seele, kann alles auch ganz anders ausgehen. Gegen Mönchengladbach im Pokalspiel erhielt ein Berliner umstritten die Rote Karte, in Stuttgart hätte am Samstag das Führungstor für den VfB auch aberkannt werden können. Bedauerlich, das stimmt, und dennoch scheinen sich Pech und Unglück Hertha nicht zufällig als Opfer ausgesucht zu haben.

Ein Fußball-Bundesligaclub lebt in und mit seiner Stadt. Welche Einflüsse er von außen aufnimmt, das hat er zu einem Teil selbst in der Hand. In Berlin ist das besonders schwer, weil die Stadt größer und vielseitiger ist als alle anderen der Republik. Aber bei Hertha BSC hat man den Eindruck, dass sich der Club aus diesen vielen Berlins selten das Beste heraussucht. Da kann wirklich Pech dabei sein oder fehlendes Geschick. Oder auch eine falsche Einschätzung.

Das Offene, Einladende, Fantasievolle, Experimentelle findet nicht bei Hertha statt, und, was im Sport nun einmal das Entscheidende ist, auch nicht das Erfolgreiche. Möglich, dass der Vergleich etwas ungerecht ist, aber in zehn Tagen Berlinale werden mehr gute Nachrichten über die Stadt verbreitet als in einer ganzen Bundesligasaison von Hertha BSC.

Es gab ein Zwischenspiel mit Trainer Lucien Favre , der mit lustigem französisch-gefärbten Singsang seine Spielphilosophie erzählte und mit einer furios aufspielenden Mannschaft nur knapp einen ganz großen Erfolg für Hertha verfehlte. Dann lief es auf einmal nicht mehr, und jetzt zeigt er eben mit Borussia Mönchengladbach, was er alles kann.