Stanislawski-RausschmissHoffenheim, wo ist das Problem?

Alles schien perfekt: Hoffenheim wollte sein mieses Image ablegen, Stanislawski wollte eine Perspektive. Ein Rätsel, wie das schiefgehen konnte. Ein Kommentar von 

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp  |  © Thorsten Wagner/Bongarts/Getty Images

Neulich gab Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp dem Fußballmagazin kicker ein Interview. Darin lobte er die Arbeit seines Trainers Holger Stanislawski . "Ich hoffe, Stani ist in acht Jahren noch hier", sagte Hopp. Das war Ende Januar, Stani schaffte es gerade noch zehn Tage.

Nun gab die TSG Hoffenheim bekannt , künftig ohne Stanislawski Fußball spielen lassen zu wollen. Eine Trennung nach nur sieben Monaten. Und eine Trennung, die nur sehr schwer zu verstehen ist. Hoffenheim und Stanislawski, dieses so ungleiche Duo, schien bei genauerer Betrachtung wie füreinander gemacht. Es hätte alles so schön werden können.

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Der Verein wollte mit Stanislawski nicht nur sportlichen Erfolg, sondern vor allem sein katastrophales Image aufpeppen. Seit Hoffenheim in der Ersten Liga spielt, gibt es Anfeindungen, gilt der Klub als Kunstprodukt, als Inbegriff des Fußball-Kapitalismus. Im ersten Bundesligajahr wurde solcherlei Abneigung durch den begeisternden Fußball von Ibisevic, Obasi und Ba abgefedert, drei Jahre ist das her.

Seitdem ist der Klub auf dem besten Weg, zur grauen Maus der Liga zu werden. Hoffenheim wurde vielen Fans egal, weil sie sportlich sowieso keine Rolle mehr spielten. Eine Erkenntnis, die ihnen wehtat. Der Verein machte sich daran, umzubauen. Man wollte sparsamer werden, auf junge Spieler setzen, auf frischen Fußball, auf Spaß. Weil das Geld wohl nicht reichte, um ganz oben mitzuspielen, wollte man wenigstens nett werden.

Und es gab da diesen Trainer, der für Jugend, Frische und Spaß steht. Holger Stanislawski war beim FC St. Pauli noch kultiger als der selbst ernannte Kultklub. Zweimal ist er zudem mit seinem Verein aufgestiegen, war Jahrgangsbester in seinem Trainerlehrgang. Nun wollte er endlich nicht gegen den Abstieg kämpfen, wollte zumindest von Europa träumen.

Doch irgendwas hat nicht gepasst. Nur was? Wo ist das Problem, Hoffenheim?

Die sportliche Bilanz ist so schlecht nicht. Die Mannschaft hat in den vergangenen Wochen sicherlich nicht groß aufgespielt, aber das Team ist Tabellenachter. Kein großer Erfolg, aber weit weg von einem Misserfolg. Viel mehr ist mit dieser Mannschaft, die in den vergangenen Monaten sowohl Ibisevic als auch Ba und Obasi verlor, kaum möglich. Vereine, die wesentlich mehr Geld in ihre Mannschaft steckten, stehen hinter der TSG: Wolfsburg , Stuttgart , Hamburg . Im ZEIT-ONLINE-Effizienzrechner rangiert das Team zusammen mit Werder Bremen auf Platz sieben.

Auch das anspruchsvolle Kraichgauer Publikum stand zu Stanislawski. Keine "Stani-raus"-Rufe, nichts. Bei der  Niederlage gegen Fürth , Stanislawskis letztem Spiel als Hoffenheim-Trainer, riefen die Fans bei der Mannschaftsaufstellung Stanislawskis Namen, statt die der Spieler. Viele hielten Zettel hoch, auf denen "Stani" geschrieben stand.

Es schaut danach aus, als wäre das Problem Hoffenheim selbst. Der Einmischer Dietmar Hopp , der mit seinen Äußerungen in den vergangenen Tagen beständig an der Autorität des Trainers rüttelte, scheint nicht nur dazu geführt haben, dass Stanislawski durch seltsame Bemerkungen seinen Rauswurf ein wenig selbst provozierte. Hopp scheint auch zu verkennen, was mit dieser Mannschaft möglich ist. Und was eben nicht.

Unter diesen Umständen könnte der Rausschmiss für Stanislawski einer Erlösung gleichkommen. Solch ein Hoffenheim ist untrainierbar.

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Leserkommentare
  1. Mir als echtem Fußballfan und Dauerkarteninhaber eines großen deutschen Fußballvereins geht der hoffentliche Niedergang dieses Projektes runter wie Öl.
    Stani der Kulttrainer der von einem angeblichen Kultverein kam sollte etwas Kult in die Klatschatmosphäre in Hoffenheim bringen. Dies ist gründlich Misslungen weil er zusammen mit seinen Spielern feststellen mußte, dass wohl doch auch etwas Herzblut und nicht nur das große Geld einen Fußballverein ausmacht.
    Wenn oben jemand schreibt er schäme sich jetzt schon dafür Hoffenheim Fan zu sein sage ich ihm: Wie kann man stolz auf so ein Gebilde gewesen sein dass es nötig hat die Fans anderer Vereine mit Gegentönen zu bewulffen? Und der DFB stellt was ein Skandal ist, das Verfahren ein.
    Die TSG 1899 ist nichts weiter als ein Kunstprodukt welches zusammen mit Bayer Leverkusen und Wolfsburg nicht in die Bundesliga gehört da man sich nicht an die 50+1 Regelung hält.

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    Das Verwerfliche an Hoffenheim ist, dass hier mit vielen Millionen ein künstliches Gebilde geschaffen wurde, das bestenfalls dazu dient, ein gelangweiltes Operettenpublikum zu unterhalten.

    Dieses Gebilde besetzt nun einmal einen Platz in der Bundesliga, während andere Vereine, die über eine jahrzehntelange Tradition verfügen und maßgeblich zum Aufstieg des deutschen Fussballs beigetragen haben, leider ums nackte Überleben in dieser ersten Liga kämpfen müssen.

  2. Die Tatsache, warum es Hoffenheim in Liga 1 gibt hat einen einfachen Grund: das Geld des Herrn Hopp. Sonst nichts.

    Mit diesem Geld kann Hopp sich Spieler kaufen, aber keine Leidenschaft. Man lässt sich gut bezahlen, verlässt aber Hoffenheim sofort, sobals sich etwas Besseres bietet. Wer bleibt, kassiert und macht Dienst nach Vorschrift.

    Mit dem Geld hat sich Hopp zunächst sportlichen Erfolg eingekauft. Damit kamen zwar Zuschauer, aber keine Fans. Es fehlt weitgehend der Fan, der unabhängig vom sportlichen Erfolg kommt und treu zum Verein steht. Wer komm, will Event. Bleibt das aus, bleibt man weg. Die peinliche Lärm-Affäre ist nur ein Indiz dafür. Die Fans, die Hoffenheim bei Auswärtsspielen begleiten passen teilweise in einen Van... (sieht bei einem Verein wie Wolfsburg genauso aus. Das ist ja auch ein Grund, warum solche Vereine so verhasst sind. Man muss ja Schalke, Dortmund, usw. nicht mögen, aber da ist wenigstens Stimmung in der Hütte).

    Stanislawski mit seinem Sankt-Pali-Hintergrund war nun definitiv der falsche Mann für dieses Experiment. Magath würde da schon viel besser passen...

    Fazit: Herr Hopp gleicht dem Freier, der ernsthaft glaubt, die Prostituierte würde ihn um seinetwegen und nicht des Geldes wegen lieben...

    Tragisch, aber keinerlei Grund, um Hoffenheim das schnelle Ende in der Bundesliga von Herzen nicht zu wünschen.

  3. wenn's mal nicht gut läuft. Paar Punkte zu Hoffenheim:

    1) Nur weil eine bestimmte Person viel Geld reinsteckt, ist es noch lange kein seelenloser Hire-and-Fire-Klub. Bei 1860 sitzt auch ein arabischer Multi am Steuer, und die "Löwen" würde wohl selbst ein Bayernfan nicht als traditionslos bezeichnen.

    2) Ob elf Spieler ein Team werden, hängt von vielen Faktoren ab. Der Stolz ein legendäres Wappen auf der Brust zu tragen, ist nur einer davon, und nicht der entscheidende. Es sei daran erinnert, dass auch als traditionsfern verschriene Clubs wie Wolfsburg im Meisterjahr, Leverkusen seit längerer Zeit oder Hoffenheim nach dem Aufstieg ein intaktes Mannschaftsgefüge mit Herzblut haben/hatten, was bei ach wie originellen Vereinen wie dem BVB vor Klopp oder momentan Stuttgart durchaus bezweifelt werden darf.

    3) Geld ist notwendig im Profifußball, viel Geld. Auch der Deutsche Meister der Tabelle und der Herzen, der BVB, hat gemerkt, dass personell nachgerüstet werden muss (Reus-Transfer... to be continued), um nicht nächstes Jahr in Europa wieder so kläglich zu versagen wie heuer. Außerdem hat das im Mittel gute internationale Abschneiden des FC Bayern in den letzten Jahren (ja, u.a. durch viel Geld erkauft) für den vierten deutschen CL-Startplatz gesorgt.

    4) Nein, es ist nicht notwendig, dass einen alle sympathisch finden. Als Bayernfan weiß ich, wovon ich rede.

    Aber hey, immer nur draufhauen auf Hoffenheim. Ist ja so schön einfach momentan, und es entlastet ja auch.
    greetz, BG

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    • bengel2
    • 09. Februar 2012 23:34 Uhr

    Aktuell ist ja kein Thema weit genug entfernt, auch Hoffenheim nicht, ohne dass sich nicht wieder ein FC Bayern-Kunde an Borussia Dortmund abarbeiten muss - ich zitiere:

    "Auch der Deutsche Meister der Tabelle und der Herzen, der BVB, hat gemerkt, dass personell nachgerüstet werden muss (Reus-Transfer... to be continued), um nicht nächstes Jahr in Europa wieder so kläglich zu versagen wie heuer. Außerdem hat das im Mittel gute internationale Abschneiden des FC Bayern in den letzten Jahren (ja, u.a. durch viel Geld erkauft) für den vierten deutschen CL-Startplatz gesorgt."

    Da hat der FC Bayern die Vitrinen voll wie kein zweiter Verein in Deutschland. Kommt trotzdem mal ein anderer Club in den Genuss, Erfolg zu haben, treten Komplexe ans Tageslicht, dass man sich nur verwundert die Augen reiben kann. All zu weit her scheint es mit dem mia-san-mia-Selbstbewusstsein ja noch nicht zu sein.

    Der FC Bayern, der eigentlich ein sehr interessanter Verein ist, ist in der Hoeneßschen Spätphase zur lauten und billigen Projektionsfläche für viele Tanjas & Anjas (auch männliche) in diesem Lande geworden. Trifft man solche FCB-Fans, ist es in 90% der Fälle leider so: wenig Ahnung vom Fußball, rudimentäre Kenntnisse über den eignen Verein (Da wird "Katsche" schon mal für eine Mayonnaisse-Marke und Kurt Landauer für den Erfinder der Pferdekutsche gehalten). Aber esjuckt keinen. Dröhnt das "Forever number one" aus den Lautsprechern, dann ist man doch endlich mal wer.

    • finole
    • 09. Februar 2012 20:18 Uhr

    Zunächst mal: ich bin kein Hoffenheim-Fan.
    Aber falls Herr Hopp dem Verein schon vor seinem finanziellen Einstieg mit Herzblut verbunden war (sowas soll es ja geben), ist es verständlich, dass er den Verein beim Vorankommen unterstützen wollte. Ob er das auf die richtige/vernünftige Art getan hat, ist eine andere Frage. Dem Verein ist auch nicht vorzuwerfen, dass er das Angebot, die damit verbundenen Möglichkeiten angenommen hat; auch wenn er den Grad an Abhängigkeit von Stimmungen seines Mäzens wohl unterschätzt hat. Schließlich gab es ein Konzept, das, hätte es funktioniert, dazu geführt hätte, dass der Verein sich finanziell zum größten Teil allein über Wasser hätte halten können.
    Und wer auf Hoffenheim-Fans rumhackt, macht es sich auch reichlich leicht: als Hoffenheim in die Bundesliga kam, spielten sie mitreißenden Fußball, der an Werder Bremen erinnerte. Und dass sich Menschen, die sich für die Geschichte von Hoffenheim interessierten, davon begeistern ließen, ist ihnen nicht vorzuwerfen. Sicher, sie standen nicht in der Kurve, seit sie 3 Jahre alt waren, aber wenn sie mit dem Verein wirklich mitfiebern und -leiden, ist es doch in Ordnung, wenn sie das von den Sitzplätzen aus tun.
    Hoffenheim hat nichts verborchen, das es all diese Anfeindungen verdienen lässt. Also toleriert Hoffenheim, freut euch, wenn euer Verein sie schlägt (so wie ich), aber lasst sie doch einfach ansonsten in Ruhe (alte Rivalitäten mit anderen Bundesligeclubs kann es ja schließlich nicht geben).

    • edoz
    • 09. Februar 2012 20:27 Uhr
    13. Hopp...

    ... ist ein diktatorischer Vereinsoligarch. Das war schon immer so, schon damals als die Mainstream-Medien das "Projekt" abfeierten und nicht verstehen konnten, warum wirkliche Fußball-Fans das gesamte Konstrukt verabscheuen. Hopps ganzes Handeln ist ein permanenter Verstoß gegen die 50+1-Regel. Hopp hat Narrenfreiheit, wird er "beleidigt" fahren seine Kumpels vom DFB (Sohnemann 20er arbeitet ja in Hoppelheim) Strafen auf. Egal ob Transfer-Verhandlungen die er nicht machen dürfte, die Schallaffäre - Hoppelheim passiert nie irgendwas. Mit seiner Selbstherrlichkeit hat er jetzt in einem Jahr 4 Trainer verschlissen.

    Nun fällt das alles zusammen, weil man auf Plastik nun mal nichts errichten kann.

    Das Operettenpublikum aus solventem Kraichgau-Geldadel (ach ne, beim letzten Auswärtsspiel dort habe ich ja erstmals gefährliche Hoppelheim-Dorf-Ultras mit schwarzen Hoodies in Frakturschrift gesehen) hat schon die Nase voll, zum ersten Pokal-Viertelfinale der Vereinsgeschichte(!) kommen weniger Zuschauer als ein paar Kilometer weiter nördlich zu Kellerpartien des Tabellenletzten der 2. Liga.

    Zwischen Kühen und Villen kann man nicht nachhaltig lebensfähigen Bundesliga-Fußball aufs Agrarland pfropfen, wenn Hopp den Geldhahn zudreht wird Hoppenheim absteigen. Und wenn sie einmal raus sind werden sie nie mehr wieder kommen, eine Episode wie der FC Homburg, Wattenscheid 09 oder Blau-Weiß 90 Berlin werden sie gewesen sein. Und das ist auch gut so.

  4. Genauso lief es auch in den letzten Jahren bei Hopps anderem "Projekt", nämlich im Eishockey bei den Mannheimer Adlern...

  5. Es ist schon überraschend, welch unterschiedlichen Stellenwert einige Kommentatoren dem Themenkreis "Geld" im Fußball zuordnen. Im Falle Hoffenheim und Herrn Hopp ist das Thema absolut verwerflich. Mit welchem Geld jahrzenhntelang Bayern München, sprich Uli Hoeneß, allen anderen die aufkommenden Talente weggekauft hat, scheint man heute vergessen zu haben, oder war das "anderes Geld"? Was war mit Borussia Dortmund, die für eine Pappnase wie Amoroso 50.000.000 DM ausgegeben haben und die unter der Ära Niebaum/Meier 100 Millionen € Schulden angehäuft haben?
    Herr Hopp kann es sich leisten, sein Hobby Fußball zu fördern. Ich kenne (namentlich) Milliardäre, die verrücktere Hobbys haben.
    Diejenigen, die uns unbedingt in möglichst vielen Fazetten schildern wollen, warum "solche Vereine, so verhasst sind", haben schlichtweg ein eigenes Problem, um das sie sich vorrangig kümmern sollten.

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    • edoz
    • 10. Februar 2012 10:03 Uhr

    ..., bekannt seit "1899" die etwa 100 Jahre Versteck verlassen hat und an die Oberfläche kam. Und wer was gegen Hopps Plastik-Konstrukt hat ist, "neidisch", und wenn das nichts nützt kommt dann noch "aber Bayern hat ja auch Geld, und der Pleiteklub BVB erst" hinterher. Nichts neues.

    Niemand hat was gegen Geld im Profifußball, aber das deutsche Reglement verbietet ganz klar, dass Mäzene, Sponsoren etc. ohne gewähltes Amt in Verein/Spielbetriebsgesellschaft Einfluß auf das operative Geschäft eines Vereins nehmen. Hopp hat in der Hinsicht Narrenfreiheit (wie gesagt, der Sohn des DFB-Präsidenten arbeitet ja für Hoppelheim, noch Fragen?), versucht z.B. der Jordanier bei 1860 Ähnliches stehen DFB und DFL vor der Tür. Das Gebaren von Hopp ist ein größerer Skandal als jede "Schmähung" seiner Person von den Fans anderer Vereine es jemals war. Und genau dieses Gebaren als Kraichgau-Abramowitsch wird den Verein auf die Dauer wieder nach unten bringen. Fußball-Kompetenz hat er nämlich nicht.

  6. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

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