Holstein KielEin Fußball-Überfall in der Handballstadt

Vor 100 Jahren wurde Holstein Kiel Deutscher Meister. Jetzt kommt der aktuelle Meister aus Dortmund zum Pokalspiel. Die Stadt ist in Aufregung. von 

Die Spieler von Holstein Kiel jubeln im Achtelfinale gegen Mainz

Die Spieler von Holstein Kiel jubeln im Achtelfinale gegen Mainz  |  © Malte Christians/picture alliance/dpa

Das dänische Lügumkloster, rund zehn Kilometer nördlich der Grenze zu Deutschland gelegen, ist ein Ort der Andacht und Stille. Wen es hierhin verschlägt, der bestaunt die Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert. Oder er flüchtet vor der Hektik des Alltags. Oder er bereitet sich als Fußballer auf das wichtigste Spiel seiner Laufbahn vor – so wie die Profis des Regionalligisten Holstein Kiel , die heute im ersten Viertelfinale des DFB-Pokals den deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund empfangen (20.30 Uhr, live in der ARD und im ZEIT-ONLINE-Live-Ticker ). Drei Tage hat das Team von Trainer Thorsten Gutzeit hier trainiert, weil es vom eisigen Wetter aus Kiel vertrieben wurde. "Es war einfach kein adäquates Training möglich", sagt Gutzeit.

Der Kunstrasenplatz in Lügumkloster, präpariert mit einer speziellen Salzmischung, bot den Kielern den gewünschten Untergrund, um sich auf das Spiel des Jahres einzustellen – auf den größtmöglichen Kontrast zur beschaulichen dänischen Provinz. Allein der Medienauftrieb: "Unfassbar, wie der Parkplatz vor dem Holstein-Stadion aussieht", sagt Holsteins Geschäftsführer Wolfgang Schwenke. "Da stehen jetzt überall Übertragungswagen." Der schrille Kosmos des großen Fußballs überfällt also Kiel, eine Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten durch den Handball-Rekordmeister THW Kiel von sich reden machte.

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Holstein war zwar in den Anfängen des deutschen Fußballs eine nationale Größe, wurde Deutscher Meister 1912 und Finalist des Jahres 1930. Aber nach dem Ende der zweigeteilten Zweiten Liga war der Kieler Fußball in eine Art Dornröschenschlaf gefallen. Umso größer ist nun die Freude bei den Verantwortlichen. "Wir haben die Region richtig angezündet", sagt Schwenke. Und der sportliche Leiter Andreas Bornemann sagt: "Für Holstein ist das ein historisches Ereignis."

Es herrscht also Aufregung in Kiel. Aber die Spieler scheint das nicht zu irritieren. Selbst der Benjamin des Teams, der hoch veranlagte Außenverteidiger Dan-Patrick Poggenberg, betrachtet das Interesse mit einer bemerkenswerten Mischung aus Erstaunen und Amüsement. Dabei lebt der 19-Jährige aktuell einen Traum: "Ich bin BVB-Fan seit ich fünf bin", berichtet er freimütig, am liebsten wäre er seinem Vorbild Dede begegnet.

Leserkommentare
  1. ...der diesem Holzbeiner Männerchor gönne ich ein zünftiges 0:11.

  2. ... es ist ein Fußballspiel.
    Eine größere Aufregung als über unsere jetzige Regierungs- und EU-Politik?

    "Man soll nie vergessen, dass die Gesellschaft lieber unterhalten als unterrichtet sein will." - Adolph von Knigge (1752-1796), deutscher Schriftsteller

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das örtliche Presseorgan (Kieler Nachrichten)hat dieses Fußballspiel in seiner weisen journalistischen Objektivität und Sachlichkeit gar zum "Spiel des Jahrhunderts" erhoben, und jetzt kommen Sie!

  3. Das örtliche Presseorgan (Kieler Nachrichten)hat dieses Fußballspiel in seiner weisen journalistischen Objektivität und Sachlichkeit gar zum "Spiel des Jahrhunderts" erhoben, und jetzt kommen Sie!

    Antwort auf "Hallo,..."
  4. "Jeder hat das Recht auf Dummheit. Manche Menschen missbrauchen aber dieses Privileg."
    Desireé Nick (Kabarettistin)

    Passend?

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    Ich bin z.B auch ein Millennium-Mann. So eine Pfeife, Gutmensch oder was auch immer, gibt es kein zweites Mal! ;-)

    • kinnas
    • 07. Februar 2012 13:37 Uhr

    Jahrtausends! Mindestens!

  5. Ich bin z.B auch ein Millennium-Mann. So eine Pfeife, Gutmensch oder was auch immer, gibt es kein zweites Mal! ;-)

  6. Die Störche gewinnen weil sie der Underdog sind und einfach heiß sind alle 100 Jahre (DM 1912) einmal zu gewinnen.
    Cool oder?

    • Voce
    • 07. Februar 2012 19:23 Uhr

    klappern, es wird ihnen nichts helfen. Der BVB ist kein Breitmaulfrosch, der sich so einfach vernaschen lässt. Er ist verdienter Tabellenführer der BL, der den Störchen heute Abend " eins auf die roten Socken geben" und ein paar Eier ins Nest legen wird.

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