Mats Hummels "In Dortmund dürfen wir riskantere Bälle spielen"
In der Nationalelf funktioniert der BVB-Stil nicht, sagt Mats Hummels im Tagesspiegel-Interview. An den Fußball von Joachim Löw musste der Verteidiger sich erst gewöhnen.
© Bongarts/Getty Images

Der Nationalspieler Mats Hummels
Frage: Herr Hummels, wir wollten Ihnen ein Kompliment machen.
Mats Hummels: Ein Kompliment? Wofür?
Frage: Weil Sie es geschafft haben, Joachim Löw im Spiel gegen Holland sogar beim Stand von 3:0 noch zur Weißglut zu treiben.
Hummels: Ja, mit einem langen Ball in der 90. Minute. Das weiß ich noch. Der Ball an sich war einfach schlecht gespielt, da hätte ich mich als Trainer auch aufgeregt. Aber wenn es bei einem in 90 Minuten bleibt, ist das nicht allzu verwerflich.
Frage: Beim Bundestrainer stehen lange Bälle aus der Abwehr auf dem Index.
Mats Hummels, 23 Jahre alt, wurde in der Jugend des FC Bayern München groß. Weil er für die Münchner aber nur ein Bundesligaspiel machen durfte, wechselte er 2009 zu Borussia Dortmund. 2011 wurde Hummels mit dem BVB Deutscher Meister. Er bestritt bisher 12 Spiele für die A-Nationalelf.
Hummels: Das weiß ich. Aber mich erstaunt ehrlich gesagt, wie lange sich dieses Thema jetzt schon hält. Selbst nach einem Jahr bekomme ich immer noch zu hören, dass ich zu viele lange Bälle spiele. Wissen Sie, wie viele es in den letzten fünf Länderspielen waren? Exakt drei. Am Anfang war das anders, weil ich es aus dem Verein einfach gewohnt war. Da sollen wir sogar lange Bälle spielen. Die anderen Spieler wollen das, sie rechnen auch damit. In der Nationalmannschaft funktioniert das nicht, und darauf habe ich mich eingestellt. Es kann ja nicht sein, dass die anderen zehn sich an mein Spiel anpassen müssen.
Frage: Ist die Umstellung schwierig?
Hummels: Nein, das geht mittlerweile ganz einfach. Ich habe zwei, drei Spiele gebraucht, danach war es kein Problem mehr. Auch weil ich zuletzt öfter bei der Nationalmannschaft dabei war und regelmäßig gespielt habe. Außerdem schlagen wir die Bälle in Dortmund ja auch nicht immer lang und weit nach vorne.
Frage: Mit dem BVB rocken Sie jetzt schon im zweiten Jahr die Bundesliga. In der Besetzung der Nationalmannschaft spiegelt sich das allerdings nicht unbedingt wieder. Können Sie das erklären?
Hummels: Das liegt daran, dass der Fußball in Dortmund nicht ganz der gleiche ist wie in der Nationalmannschaft. Nehmen Sie Marcel Schmelzer. Der marschiert beim BVB als Linksverteidiger die Linie rauf und runter und reißt die Kilometer ab, hier wird ein bisschen weniger Laufarbeit verlangt. In Dortmund dürfen wir auch riskantere Bälle spielen, Joachim Löw legt mehr Wert auf Sicherheit im Passspiel. Daran muss man sich erst gewöhnen, und deshalb sind von uns auch nicht ganz so viele Spieler in der Nationalmannschaft dabei wie von den Bayern.
Frage: Der Ansatz der Dortmunder ist erst einmal defensiv. Ist das der große Unterschied zur Nationalmannschaft?
Hummels: Die Nationalmannschaft wird da vielleicht ein bisschen verklärt. Auch hier wird viel Wert auf die Defensive gelegt, wir üben das sogar teilweise mit sehr ähnlichen Übungen wie in Dortmund. Dass die Nationalmannschaft offensiver spielt, liegt auch daran, dass wir es zuletzt in der EM-Qualifikation mit deutlich schlechteren Gegnern zu tun hatten, gegen die wir 80 Minuten lang das Spiel machen müssen.
Frage: Aber Joachim Löw nimmt bei der Defensive sogar bewusst Abstriche in Kauf, weil ihm die Offensive wichtiger ist. Ärgert das einen Verteidiger?
Hummels: Für einen Verteidiger ist es immer einfacher, wenn alle elf mit nach hinten arbeiten. Das kann man sich ja denken. Sonst sieht es so aus wie gegen die Ukraine, als wir in der Defensive oft zu dritt gegen drei Stürmer gestanden haben. Wenn dann schnelle Angriffe auf dich zukommen, wird es schwierig. Aber dazu hat man diese Testspiele ja auch - damit man genau erkennt, was man noch verbessern muss. Gegen Holland hat man gesehen, wie es funktioniert, wenn alle konzentriert defensiv und offensiv arbeiten.
Frage: Robin Dutt, der Trainer von Bayer Leverkusen, hat Sie als eigentlichen Spielmacher von Borussia Dortmund identifiziert. Ist diese Qualität in der Nationalmannschaft nicht gefragt?
Hummels: Erst einmal ist es natürlich ein Kompliment, wenn ein gegnerischer Trainer meint, er müsste mich als Innenverteidiger in Manndeckung nehmen. Das lässt auf eine gewisse Qualität im Spielaufbau schließen. Generell ist es so, dass ich in Dortmund versuche, eine noch dominantere Rolle einzunehmen, seitdem Nuri Sahin weg ist. In der Nationalmannschaft gibt es mehrere Spieler, die das Spiel lenken. Deshalb muss ich das nicht. Und vor allem habe ich mir noch nicht die Position erarbeitet, die ich inzwischen in Dortmund besitze.
Frage: Nehmen Sie sich in der Nationalmannschaft bewusst ein bisschen zurück?
Hummels: Das ist doch normal. Man braucht einfach das Vertrauen seiner Mitspieler und seines Trainers, damit man selbstbewusst auftreten kann. So etwas dauert naturgemäß ein bisschen. Es hat auch in Dortmund eine Weile gedauert, obwohl es natürlich schneller geht, wenn man jedes Wochenende ein Spiel hat und nicht nur alle drei Monate. Mittlerweile ist es für mich auch sehr angenehm, in der Nationalmannschaft zu spielen.
- Datum 29.02.2012 - 14:48 Uhr
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Ein Titel unter Löw? Werden wir nicht erleben, fürchte ich. Okay, ist natürlich auch Glückssache. Aber: "Jogis" spezielle Vorlieben - z.B. Lahm darf immer spielen, sogar "Kapitän", während sich Hummels strecken muß - erscheinen mir doch etwas suspekt.
Wer nicht ins Bubi-Raster (ordentlich frisiert, harmlos) paßt, sondern mit Ecken und Kanten, gar "langen Pässen" verstört, hat es offenbar eher schwer. Aber das täuscht natürlich... ;-)
Deutschland war von 1998 bis 2006 eine Lachnummer in internationalen Fußball - die einzige Ausnahme bildet da die WM 2002, wobei Oliver Kahn mit Sicherheit den größten Anteil an der Finalteilnahme hatte. Löw hat es geschafft, ein Team zu formen, das - außer Spanien - niemanden fürchten muss. Und das ist auch mein Finaltipp für die EM. Und Deutschland hat da noch eine Rechnung offen...
Deutschland war von 1998 bis 2006 eine Lachnummer in internationalen Fußball - die einzige Ausnahme bildet da die WM 2002, wobei Oliver Kahn mit Sicherheit den größten Anteil an der Finalteilnahme hatte. Löw hat es geschafft, ein Team zu formen, das - außer Spanien - niemanden fürchten muss. Und das ist auch mein Finaltipp für die EM. Und Deutschland hat da noch eine Rechnung offen...
Deutschland war von 1998 bis 2006 eine Lachnummer in internationalen Fußball - die einzige Ausnahme bildet da die WM 2002, wobei Oliver Kahn mit Sicherheit den größten Anteil an der Finalteilnahme hatte. Löw hat es geschafft, ein Team zu formen, das - außer Spanien - niemanden fürchten muss. Und das ist auch mein Finaltipp für die EM. Und Deutschland hat da noch eine Rechnung offen...
Haben Sie das Spiel gegen Frankreich gesehen? Mehr braucht man nicht sagen.
Haben Sie das Spiel gegen Frankreich gesehen? Mehr braucht man nicht sagen.
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scheint mir auch im Vergleich mit dem FC Bayern Gültigkeit zu haben.
Hier manifestiert sich die unerschütterliche Persönlichkeit des Trainers Klopp gegen die zurückhaltende Strebsamkeit eines Jupp Heynckes (bei allem Respekt).
Spielen erlaubt hier - verlieren verboten dort
So einfach ist machmal der Unterschied.
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