Klitschko-Manager Bönte: "Die Leute wollen unterhalten werden"
Sport ist Entertainment, sagt der Manager der Klitschko-Brüder Bernd Bönte. Im Interview redet er über das Showtalent der Klitschkos und beeinflussbare Punktrichter.
© Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Der Boxprofi Vitali Klitschko
ZEIT ONLINE: Herr Bönte, Sie scheinen immer auf der Suche nach dem nächsten guten Deal zu sein. Heute schon ein gutes Geschäft gemacht?
Bernd Bönte: Nein. Ich habe positive Gespräche mit meinen Mitarbeitern geführt, aber kein Geschäft in dem Sinne gemacht.
ZEIT ONLINE: Muss man zum Geschäftemachen geboren sein? Oder kann man sich das auch antrainieren?
Bönte: Das ergibt sich durch Erfahrung. Ich habe zwanzig Jahre lang als Journalist gearbeitet und als solcher auch schon Verhandlungen mit Sportlern und TV-Verantwortlichen geführt. Von daher bin ich vielleicht für die Aufgabe, die ich heute habe, trainiert worden.

Bernd Bönte, 56 Jahre alt, moderierte und kommentierte Anfang der Neunziger Jahre für Sat.1 im Fußball, Eishockey, Tennis und Boxen. 1993 kam er zum Bezahlsender Premiere und leitete dort die Boxsportredaktion. Seit 2000 ist er Manager der Brüder Vitali und Wladimir Klitschko sowie seit 2007 Geschäftsführer der gemeinsamen Klitschko Management Group. Die Firma vermarktet die Klitschkos weltweit.
ZEIT ONLINE: Haben Sie sofort geahnt, welch gutes Geschäft die Klitschko-Brüder sein würden, als Sie die beiden kennenlernten?
Bönte: Ich gehe nie an eine Sache heran und denke: Das ist ein gutes Geschäft! Die Klitschkos sind mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich noch Journalist war. Das war 1995 bei der Amateur-WM in Berlin. Persönlich getroffen habe ich sie dann ein Jahr später. Als sie einigermaßen gut Deutsch sprachen und wir uns verständigen konnten, haben wir bald gemerkt, dass da eine gewisse Sympathie ist. Natürlich hatten beide schon damals großes boxerisches Potenzial, aber die Klitschkos haben mich auch als Personen fasziniert.
ZEIT ONLINE: Wie haben Sie sich genähert?
Bönte: Ich habe damals die Boxsportredaktion von Premiere geleitet, kommentiert und moderiert. Dazu habe ich die beiden Klitschkos als Studiogäste eingeladen, mal nach Las Vegas, mal nach New York. Wenn man dort einige Tage am Stück zusammen ist, lernt man sich natürlich auch besser kennen. Wir haben bald gemerkt, dass wir gemeinsam viel bewirken können.
ZEIT ONLINE: Mussten Sie den Klitschkos damals noch viel beibringen, was das Geschäft Profi-Boxen angeht?
Bönte: Nein, was das angeht, musste und muss ich ihnen gar nichts beibringen. Wie in vielen anderen Berufszweigen auch, geht es im Boxen darum, Vertrauen zu haben. Die beiden vertrauen mir, dass ich in dem Bereich, den ich bearbeite, die richtigen Schritte gehe. Wir tauschen uns natürlich aus und planen mit unseren Mitarbeitern Events und Vermarktungsstrategien.
ZEIT ONLINE: Zu den Box-Events der Klitschkos gehören immer auch große Shows. Wladimir und Vitali Klitschko waren jedoch nicht von Beginn an als große Showmen bekannt. Mussten Sie die beiden erst zu Entertainern machen?
Bönte: Die beiden haben unglaublich viel Humor! Vitali kann Ihnen hundert Witze am Stück erzählen, auch Wladimir ist sehr lustig. Außerdem können sich die beiden wunderbar selbst auf die Schippe nehmen. Durch die Sprachbarriere kam das natürlich nicht von Anfang an rüber. Mittlerweile sprechen die beiden viel besser Deutsch. Den Zuschauern macht es, glaube ich, nichts aus, dass es noch nicht perfekt ist. Die Klitschkos haben zudem durchaus Showtalent. Wobei man ihr Showtalent trennen sollte von dem, wie ihre Kämpfe inszeniert werden.
ZEIT ONLINE: Die Inszenierungen der Klitschko-Kämpfe sind meist spektakulärer als die Kämpfe an sich.
Bönte: Das ist Ansichtssache. Die Klitschkos sind nun mal sehr dominant und boxen auf einem anderen Level als viele ihrer Gegner. Aber sie sind bisher auch noch keinem Gegner aus dem Weg gegangen, haben alle Pflichtverteidigungen erfüllt. Niemand kann behaupten, ein Klitschko hätte sich nicht getraut, gegen ihn anzutreten. Ich finde es übrigens gut, wenn die Kämpfe der Klitschkos angemessen inszeniert werden. Sport ist Entertainment. Die Leute wollen unterhalten werden.
ZEIT ONLINE: Die Unterhaltung beginnt bereits während der Pressekonferenzen, in denen Promoter und Boxer aufeinander losgehen.
Bönte: Ich glaube, das gehört dazu. Durch diese direkte Mann-gegen-Mann-Situation hat eine Pressekonferenz vor einem Boxkampf auch eine ganz andere Dimension als vor einem Fußballspiel. Ich habe als Journalist aber auch schon Pressekonferenzen miterlebt, in denen wohl alles nur Show war. Zum Beispiel damals, als Evander Holyfield gegen Michael Moorer geboxt hat. Da stieg Moorer während der Pressekonferenz auf ein Podium, schlug mit der Faust drauf, und das ganze Ding brach plötzlich zusammen. Das war mit Sicherheit irgendwo angesägt und von Don King als Gag geplant.






"Bönte: Er wird den Kampf nicht verlieren. Wir gehen immer positiv in einen Kampf und beschäftigen uns nie mit dem worst case."
Mehr muss man dazu nicht sagen. Gutes Interview.
Wach bleiben!
Das Unterhaltungsprogramm in der Post-Fight Konferenz zwischen Chisora und Haye war jedenfalls genau das, was die Box-Welt so dringend brauchte ;)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren