Fast niemand will Brad Pitt sehen. Seltsam. Er konnte Nazijäger, Bergsteiger, ein griechischer Krieger oder gar der Tod sein, der sich in eine Irdische verliebt – die Deutschen pilgerten ins Kino. In Pitts neuesten Film verloren sich in drei Wochen gerade einmal 40.000 Zuschauer. Und das, obwohl Moneyball – Die Kunst zu gewinnen in den USA von Kritikern gelobt und von Zuschauern eifrig geschaut wurde. Am Sonntag könnte der Film gleich sechs Oscars bekommen.

Die Deutschen müssen ein anderes Problem mit Moneyball haben. Es geht um Baseball. Und um Zahlen. Mit Baseball, diesem uramerikanischen Keulensport, diesen Kaugummi kauenden Typen, konnte man hierzulande noch nie etwas anfangen. Spätestens beim Regelwerk kapituliert ein Gros der Sportinteressierten. Auch Zahlen, Statistiken, Daten werden bei uns im Sport immer noch eher als Beiwerk gesehen.

Sieg der Zahlenfresser

Dabei sollte sich jeder Fußballfan, Fußballspieler, Fußballtrainer diesen Film anschauen. Er erzählt die Geschichte vom Sieg der Zahlenfresser, die nicht einmal einen Ball fangen können, über alte Haudegen, die ihr Leben mit dem Baseballcap auf dem Kopf verbracht haben. Er erzählt die Geschichte einer Sportrevolution. Und das Beste: Die Geschichte ist wahr.

Sie spielt in Oakland, dessen heimisches Baseballteam, die Athletics, lange zwar beliebt, aber stets klamm war. Ihr Manager, gespielt von Brad Pitt, beißt vor Frust täglich in die vereinseigenen Keulen, weil er mit den großen reichen Klubs der Liga nicht mithalten kann. Er sucht neue Wege und findet einen dicken, schüchternen Computernerd, der ein neues Analyseverfahren ausgetüftelt hat. Damit, sagt der Nerd, könne er Siege garantieren. Und zwar zum kleinen Preis.

Der Manager ist skeptisch, kauft aber die Spieler, die der Nerd im Datendickicht des Sports aufgestöbert hat. Spieler, die von anderen Mannschaften übersehen wurden: Alte, Watschelnde und Spieler, die nicht einmal ordentlich werfen können. Die Baseballwelt spottet. Doch die Verschmähten haben alle eine besondere Fähigkeit, in Summe entsteht ein Siegerteam. Zwar konnte Oakland in dieser Zeit nie die Meisterschaft gewinnen, dennoch spielten sie mehr als ein halbes Jahrzehnt auf einem unmöglich scheinenden hohen Niveau. 2002 stellten sie einen neuen Baseball-Rekord auf, als sie es schafften, 20 Spiele hintereinander zu gewinnen. Weil sie der Wissenschaft vertrauten.

Anders als im Film beschäftigte der echte Manager der Athletics keinen verklemmten Digitalnerd, sondern ein ganzes Team von Statistikern. Sein Ansatz basierte auf den Erkenntnissen von Bill James. James war ein etwas eigenbrötlerischer Zahlenfreak, der als Nachtwächter in einer Konservenfabrik arbeitete und daher viel Zeit hatte, den Baseball in seine numerischen Einzelteile zu zerlegen. James glaubte, Siege errechnen zu können.