Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat wahrscheinlich so viel zu tun wie noch nie. In Erfurt soll ein Mediziner das Blut von Dutzenden von Sportlern manipuliert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Arzt, die Nada hat die ersten Ermittlungen gegen Athleten eingeleitet. Sollten sich die Verdächtigungen bestätigen, wäre es der wohl größte Dopingskandal der vergangenen Jahre. Auf die Nada käme eine Prozesslawine zu.

Wäre nicht schlecht, wenn dann genug Geld im Haus wäre. Doch den Dopingjägern droht das Geld auszugehen, ausgerechnet jetzt.

Regelmäßig feilschen die vier Nada-Geldgeber aus Bund, Ländern, Sport und Wirtschaft, wer wie viel zu den etwa 6,6 Millionen Euro beiträgt, die die Agentur für ihre Arbeit benötigt. Diesmal scheint die Situation besonders schwierig. Stand jetzt fehlen der Nada im kommenden Jahr 1,35 Millionen Euro.

Mehr Geld wollte niemand locker machen

Deshalb bat der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am Dienstag alle Beteiligten an einen Tisch. Es sollte versucht werden, "ein langfristiges Finanzierungskonzept sicherzustellen". Dieses Ziel wurde verfehlt. Trotz vieler warmer Worte und Absichtserklärungen gab es kaum Konkretes. Mehr Geld wollte für die Nada niemand locker machen, vorerst zumindest.

Es ist vor allem der Minister selbst, der die Nada und damit den deutschen Anti-Doping-Kampf in große Nöte bringt. Knapp 132 Millionen Euro gibt das Bundesinnenministerium im Olympia-Jahr 2012 für den Spitzensport aus. Die Gelder fließen in die Olympiastützpunkte, Bundesleistungszentren oder den Sportstättenbau. Im Vergleich dazu sind die Investitionen in den Anti-Doping-Kampf bescheiden.

Friedrich betont zwar, dass der Bund weiterhin einen Beitrag von 2,2 Millionen Euro jährlich zur Nada nach Frankfurt am Main überweisen werde. Gleichzeitig aber wird die zusätzliche Million, die das Innenministerium in den vergangenen Jahren als Anschubfinanzierung bereit stellte, ab 2013 wegfallen. Für Kritiker wie die Vorsitzende des Bundestag-Sportausschusses Dagmar Freitag ( SPD ) "eine katastrophale Entscheidung".

Friedrich sind solche Worte egal. Sollen es eben andere machen. Nur wer?

Der organisierte Sport, der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB), zahlt jährlich etwa zwei Millionen Euro. Eine Aufstockung steht nicht zur Debatte. Der DOSB-Generaldirektor Michael Vesper sieht eine andere Gruppe am Zug. "Das Engagement der Wirtschaft gilt es, auszubauen", sagt er.

Wirtschaftsunternehmen wie die Deutsche Telekom , die Deutsche Bank , Siemens oder Coca-Cola , die im Sportbusiness Millionen, international Milliarden umsetzen und aus Imagegründen ein Interesse an sauberem Sport haben könnten, halten sich diskret zurück. Sie schickten entgegen der Ankündigung nicht einmal einen Vetreter auf der Pressekonferenz im Anschluss an den Runden Tisch. 2011 wurden noch 600.000 Euro des Nada-Etats aus Sponsoren-Mitteln gedeckt, 2013 wird der Anteil auf die Hälfte sinken. Die Sponsorenvereinigung S20 wolle im März aber nochmal über das Thema beraten, hieß es.

Und so bleiben beim fröhlichen Schwarzer-Peter-Spiel nur noch die Bundesländer. Weil sie den Spitzensport bislang nicht als Ländersache begreifen, sich eher für den Breitensport zuständig sehen, trugen sie nur schmale 14.000 Euro zum Nada-Etat 2012 bei, also etwa 850 Euro pro Bundesland. "Ihr Anteil war unterentwickelt", sagt Hans-Peter Friedrich vorsichtig. "Wir würden uns freuen, wenn die Bundesländer eine Million zum NADA-Etat beisteuern würden."