Bundesliga-Vorschau Friert Ballack auf der Bank fest?

In Leverkusen weht der eisigste Wind der Liga. Thorsten Fink soll gegen Bayern sein Sieger-Gen beweisen. Und Dortmund, ja, Dortmund bleibt weiterhin gut.

Ein Schneemann auf einer Bank

Ein Schneemann auf einer Bank

Wer spielt wann gegen wen?

1. FC Nürnberg – Borussia Dortmund (Freitag, 20.30 Uhr)
VfL Wolfsburg – Borussia Mönchengladbach
TSG Hoffenheim – FC Augsburg
Hertha BSC Berlin – Hannover 96
FC Schalke 04 – FSV Mainz 05
Bayer Leverkusen – VfB Stuttgart (alle Samstag, 15.30 Uhr)
Hamburger SV – FC Bayern München (Samstag, 18.30 Uhr)
SC Freiburg – Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr)
1. FC Kaiserslautern – 1. FC Köln (Sonntag, 17.30 Uhr)

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Wenn Sie bei dieser überaus grimmigen Kälte unbedingt am Fußballplatz zittern wollen wie ein Welpe, dann vielleicht bei Hertha gegen Hannover.

Sportlich betrachtet mag das nicht die nächstliegende Empfehlung sein, doch sie könnten einem interessanten psychologischen Experiment beiwohnen, einer Nachstellung Pawlows. Der stellte bekanntlich fest, dass man Hunde mit einem Glöckchen zum Sabbern bringen kann. Man muss den Kötern vorher nur oft genug ihr Futter mit einem Glöckchen serviert haben. Konditionierung nennt man das. Was hat das mit Hertha zu tun? Seit mehr als einem Jahr hat Berlins neuer Trainer Michael Skibbe in dreizehn Spielen zehn Niederlagen (bei 4:20 Toren) eingesteckt. Das einzige Spiel, das er in dieser Zeit gewann, führte zu seinem Rauswurf in Frankfurt. Ein Dilemma, wer will es ihm verdenken, dass er sich das Siegen deshalb zweimal überlegt? Fatal ist es für den Hertha-Fan. Was ihm bleibt (außer dem Gefallen an faschistischen Bauten), sind Erinnerungen. Kann sich das heute noch jemand vorstellen? Berlin gewann in Dortmund, es war im sonnigen September.
 

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Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Leverkusen gegen Stuttgart, das Duell der Miesgelaunten. Unterm Bayer-Kreuz weht zurzeit ein derart eisiger Wind, dass Michael Ballack auf der Bank festfriert (zitiert nach Harald Schmidt). Rudi Völler droht Ballacks Berater mit Stadionverbot ("Er hat die dunkelgelbe Karte, sonst war er hier das letzte Mal im Stadion"). Auch seinem Sozi Holzhäuser schneidet Völler die Nägel, weil der Ballack in der Zeitung zu hart angegangen sei: "Ich hätte das Interview auf keinen Fall zu diesem Zeitpunkt gegeben, aber es war zu spät, um noch einzugreifen." Dem Trainer Robin Dutt ist durch diesen Mehrfrontenkonflikt viel Spielraum genommen, er kann sich nur wegducken. Und Stuttgart? Will eigentlich hoch hinaus, hat für Hoffenheims Stürmer Vedad Ibisevic tief in die Tasche gegriffen. Jetzt fragt man sich, ob er dem Nachwuchs den Weg verbaut, etwa Julian Schieber. Gewonnen hat der VfB seit Mitte November nicht mehr. So langsam scheint der Bruno-Labbadia-Effekt einzusetzen: Nach dem Aufschwung folgt die Lähmung.

Wer steht im Blickpunkt?

Borussia Dortmund wieder mal. Vor einem Monat schnappte der Meister Marco Reus den Bayern weg. Chronisten bescheinigten diesem Coup wegweisende Eigenschaften. Von noch größerer Dimension ist die Vertragsverlängerung Jürgen Klopps von 2014 auf 2016. Damit sichert sich der BVB die Dienste seines wichtigsten Mitarbeiters. Klopp ist für viele Spieler der Generation Kompetenz der entscheidende Faktor, sich für Schwarz-Gelb zu entscheiden. Denn sie wissen, er macht sie handlungsschneller, besser. Sein Team und er, um genau zu sein. Denn es bleiben Michael Zorc, vor allem aber der Co-Trainer Zeljko Buvac und der Videoanalyst Peter Krawietz an seiner Seite. Beiden schreibt Klopp genialische Züge zu.

Worüber werden nach dem Spieltag alle reden?

Über Thorsten Finks biologische Ausstattung. Den HSV übernahm er im Oktober als Tabellenletzten. Inzwischen hat er ihn stabilisiert. Die Stimmung in der Mannschaft soll gut sein, Fink hat die Profis unter Kontrolle, selbst den abgeschriebenen David "die Rolle" Jarolim hat er zum Wohle des Vereins wieder in die Spur gebracht. Doch noch ist den Hanseaten nicht klar: Wie groß ist ihr Fink, der anfangs große Töne spuckte, wirklich, wie viel Schnacker steckt in dem Strategen? Vor zwei Wochen ließ er sehr offensiv spielen, der Meister Dortmund beließ es bei einem gnädigen 5:1. Am Samstag trifft Fink auf seinen Ex-Verein, den FC Bayern. Daher hat er angeblich das bis zum Nervtöten zitierte Sieger-Gen. Bitte den Beweis antreten.

Was machen die Frauen?

Vergangene Woche haben sich die US-Amerikanerinnen noch, erwartungsgemäß, für Olympia qualifiziert. Am Montag ist bekannt geworden, dass sie ihre Profiliga Women's Professional Soccer (WPS) nach drei Jahren Existenz wieder einstellen, sie ereilte also das gleiche Schicksal wie ihre Vorgängerin. Obwohl die Verantwortlichen nach allem, was man weiß, sehr vorsichtig gehaushaltet hatten, ging ihnen das Geld aus. Zu wenige Sponsoren, zu wenig Interesse seitens des Fernsehens und ohnehin nur fünf Mannschaften. Europa darf mit einer Exportwelle von US-Guys rechnen.

Was ist sonst noch wichtig?

Jetzt, wo alle Welt darüber redet, wie man Michael Ballack in die Altersteilzeit verträglich entlassen könnte, denkt einer weiter. Albert Streit, für manche ein Synonym für Abzocker, befasst sich intensiv mit der Zeit nach der Karriere. Arbeiten, sagt Streit dem Hamburger Abendblatt, wolle er nach dem Fußball nur, wenn er "an etwas Spaß findet". Am Samstag spielt Streit zum ersten Mal für den Zweitligisten Alemannia Aachen, wohin er nach jahrelanger Zeit auf Schalkes Ersatzbänken, Tribünensitzen und Reservesportplätzen gewechselt ist. In Aachen verzichtet er auf Geld, aber er hat ja genug. "Spieler erzählen, sie wechseln, weil die sportliche Perspektive so gut ist und die Fans so toll", ergänzt Streit grundsätzlich, "da lache ich mich kaputt. Es geht ums Geld, alles andere ist Schwachsinn." 

Was war das Zitat der Woche?

"Wenn es eine Sache in der Welt gibt, wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss, auf gut Deutsch, dann Alzheimer. Bloß nicht diese Nummer. Bloß nicht dement werden im Alter, das schwirrte mir oft im Kopf herum." (Rudi Assauer, der seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht hat)

 
Leser-Kommentare
    • unico
    • 03.02.2012 um 17:55 Uhr
  1. Redaktion

    Yep, so nennen die sich.

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