Fans von Al-AhliRache für die Toten von Port Said?

Mohammed ist einer von 200.000 Ahli-Ultras. Im Stadion von Port Said wurde er verletzt. Seine Freunde wollen Vergeltung, er ist ratlos. von Raphael Thelen

Demonstranten in Kairo mit einer Al-Ahli-Flagge

Demonstranten in Kairo mit einer Al-Ahli-Flagge  |  © Ed Giles/Getty Images

"Ich würde meine Seele für Ahli geben", sagt Mohammed und stützt sich auf seinen Krückstock. Um seinen Kopf geschlungen, trägt der 24-Jährige einen roten Ahli-Schal. Unter dem linken Ärmel seines Ahli-Trikots lugt ein Verband hervor, sein rechtes Bein ist in Gips.

Mohammed ist Ahli-Ultra und war in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag beim Spiel in Port Said, als Tausende Fans von Port Said's Al-Masry SC das Spielfeld und die Tribünen stürmten und mehr als 70 Ahli Fans und Sicherheitskräfte töteten . Einige davon waren Mohammeds Freunde.

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"Die Fans von Al-Masry bewarfen schon auf dem Hinweg unseren Zug mit Steinen", sagt Mohammed mit bebender Stimme. "Das war eine geplante Sache."

Mohammed steht unweit von Ahlis Vereinsheim in Kairo . Auf dem Dach über dem Haupttor stehen fahnenschwenkende Fans in roter Kleidung. Vor dem Eingang drängen sich Tausende Ultras und gewöhnliche Ägypter, um die "Roten Teufel" zu unterstützen. Immer und immer wieder schallen Schlachtgesänge und revolutionäre Slogans durch die Menge.

Auch die Ultras des Erzfeindes Zamalek sind gekommen, um Solidarität zu zeigen. Das ist zuvor nur ein Mal in der Geschichte der beiden Vereine vorgekommen: Bei den Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften während der Revolution.

Mohammed hält sich Abseits. In seinem Gesicht ringt Trauer mit Wut. In seiner rechten Hand hält er den Umschlag mit den Röntgenaufnahmen seines gebrochenen Beins, der linke Arm ist mit Schnitten übersäht. "Alle Fluchttüren waren abgeschlossen worden. Also stellte ich mich auf die Schultern eines Freundes und versuchte über einen Zaun zu klettern. Doch ein Al-Masry-Fan riss mich zu Boden, stach mit einem Messer auf mich ein und trat mich", sagt er.

Sein Geld verdient Mohammed als Teeverkäufer in Kairos Armenviertel Imbaba. Für viele Ultras wie ihn ist ihr Klub alles. Junge Männer ohne Zukunftsperspektive finden hier eine zweite Heimat. In den vergangenen 15 Jahren ging Mohammed zu jedem Ahli-Spiel. Damit ist nun Schluss, der Verein hat bis auf weiteres alle Spiele abgesagt.

Auf dem Vereinsgelände von Ahli herrscht Fassungslosigkeit. Ahli ist bei weitem der beliebteste und reichste Fußballverein Ägyptens. Der Fernsehsender Ahli TV ist ganz ihm gewidmet. Die Innenwände des Vereinsheims sind mit dunklem Holz verkleidet, an den Wänden hängen die Bilder der früheren Manager des Clubs. Die ersten tragen noch den Fez, die traditionelle Kopfbedeckung des Nahen Ostens.

Leserkommentare
    • wombatt
    • 03. Februar 2012 14:35 Uhr

    eines strenge militärische Hierarchie gewöhnt sind, muss man sie gar nicht einweisen. Sie werden dann einfach nichts tun, solange es keinen Befehl dazu gibt.
    Es müssen auch nicht alle Hools von der Aktion wissen. Wenn die Anführer loslegen wird der Rest folgen. Hat man dann absolut Überhand, machen auf einmal auch jene mit, die sosnt nicht bereit sind, große Risiken einzugehen, sondern sich aus Pöbeln beschränken. Ohne mich in der Hooliganszene auszukennen glaube ich nicht, dass es schwer ist da eine Massendynamik aufzubauen.
    Und wenn der Anführer sagt" Nehmt am Samstag mal besser was mit, da könnte was passieren" dann nimmt man halt was mit.Von der Planung braucht man trotzdem nichts zu wissen.

    2 Leserempfehlungen
  1. wühlt, bis die Militrädiktatur die durch die USA gestützt wird gestürzt wird. Da hilf auch nicht das Bauernopfer Mubarak.....

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Militär | Ägypten | Kairo | Zamalek
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