Deutschland - Frankreich: Mats Hummels ist doch noch kein Abwehrchef
Die Niederlage gegen Frankreich legt Probleme in der deutschen Abwehr offen. Zudem bestärkt sie Joachim Löw darin, an seinem Stammpersonal festzuhalten.
© Christof Köpsel/Bongarts/Getty Images

Mats Hummels im Spiel gegen Frankreich
Als der Vierte Offizielle die sehr lange Nachspielzeit, vier Minuten, anzeigte, raunte das gesamte Stadion, als wollten die 37.800 Zuschauer im Bremer Weserstadion fragen: Warum soll das noch länger dauern? Die deutsche Mannschaft lag 0:2 zurück und hinterließ nicht erst in der Schlussphase dieses Testspiels den Eindruck, dass sie das Ergebnis nicht mehr zu ihrer Gunst ändern könnte.
Nach dem 0:1-Pausenrückstand hatten die Deutschland-Fans vergeblich auf eine angemessene Reaktion gewartet, nach dem 0:2 war mehrfach ein weiteres Gegentor möglich. Doch im nächsten Moment gelang Joachim Löws Elf die beste Kombination des Abends, die Cacau zum 1:2-Endstand abschloss.
Spätestens seit dem beschwingten Sieg gegen Holland im November wird die deutsche Nationalmannschaft als Kandidat auf den EM-Titel gehandelt. Doch im letzten Spiel vor der Nominierung des Kaders der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine enttäuschte sie. Oder positiv ausgedrückt: Sie vernahm einen Vorgeschmack auf ein Turnier, in dem sie schon in der Vorrunde auf drei starke Konkurrenten treffen wird.
"Wir können nicht an jedem Tag so gut spielen, nur wenn wir alles investieren", sagte Mats Hummels nach dem Spiel. Hummels stellte sich den Journalistenfragen ausführlich und sollte auch auf dem Platz den Chef der Abwehr geben. Zwar war er oft am Ball und gewann auch viele Zweikämpfe, doch machten er und seine Kollegen in der Abwehr viele taktische Fehler. Sie ließen die Abstände zum Mittelfeld wachsen, die Viererkette rückte nicht schnell und weit genug heraus, wie etwa vor dem ersten Gegentor. Oder sie ließ sich weit auseinanderreißen wie vor dem zweiten.
Mats Hummels ist beim Meister Dortmund der unumstrittene Leader, im Nationalteam gelingt ihm das nicht. Offenbar akzeptieren ihn seine Nebenleute nur bedingt. "Wenn wir nach der Vorbereitung gut eingespielt sind, wird das anders", sagte er. Doch sein Stammplatz für das EM-Turnier ist in Gefahr, sobald Per Mertesacker wieder fit wird.
Hummels ist nur ein Beispiel dafür, dass in Bremen einige aus der zweiten Reihe ihre Chance nicht nutzen konnten. "Für manche war die Partie ein wichtiger Gradmesser", sagte der leicht verstimmte Bundestrainer, "um das internationale Niveau zu erkennen." Ungewöhnlicherweise nannte Joachim Löw einen der Schuldigen des 0:1 sogar beim Namen: "Dennis Aogo muss in dieser Situation nach außen verteidigen." Auch das zweite Gegentor fiel über die Seite des Hamburger Linksverteidigers, der nervös wirkte, sobald sich Ball oder Gegenspieler ihm näherten, und den das Bremer Publikum gerne in der ersten Halbzeit ausgewechselt hätte.






Freundschaftsspiele sind nun mal kein Gradmesser für die Qualität einer Mannschaft. Allerdings sind wertvolle Informationen über Schwachstellen deutlich geworden, die der Bundestrainer wohl zur weiteren Verbesserung des Teams nutzen wird. Man hat gesehen, dass man die deutsche Mannschaft mit frühem Pressing und agressivem Spiel im Mittelfeld sehr in Bedrängnis bringen kann. Wir werden ja erleben, ob sich das abstellen lässt, denn auch Portugal wird dieses Spiel gesehen haben und eine ähnliche Taktik anwenden. Bei der Vorgruppe bleibt jedenfalls keine Zeit, sich erst während des Turniers einzuspielen.
Hummels konnte seine Chance sehr wohl nutzen. Denn seine Konkurrenz stand ebenso auf dem Platz. Und unter den Blinden, ist der Einäugige nun einmal König. Es hat schon einen Grund, warum bei der Zuschauernotenvergabe Hummels mit Abstand bester der Innenverteidiger war Boateng, Badstuber und Höwedes eingeschlossen.
Ich habe das Spiel ähnlich gesehen wie Herr Fritsch, allerdings in gewissen Details doch anders wahrgenommen. Zum einen hat in meinen Augen Marco Reus durchaus brauchbar gespielt, NACHDEM er seinen übergroßen Respekt vor Spielern wie Özil und Klose abgelegt hatte. Es war anfangs klar zu sehen, dass er diesen möglichst viele Bälle auflegen wollte, darunter auch manche, die er besser selbst verwertet hätte. Außerdem ist Reus für mich der einzige, der in seiner Spielweise Klose ersetzen könnte, so dieser ausfiele.
Zum anderen, und das scheint mir weitaus wichtiger, hat Deutschland z.B. im Vergleich zum Spiel gegen Holland viel langsamer gespielt. Deutlich weniger Direktspiel, der Ball wurde von vielen Spielern (Kroos!) oft zu lange gehalten. Wenn es nämlich mal schnell ging, war die französische Abwehr genauso überfordert wie es die deutsche war. Mit dem Unterschied, dass die Franzosen nicht mal besonders schnell spielen mussten, um die Hintermannschaft der Deutschen durcheinander zu bringen.
Hummels bringt im Nationalteam bisher tatsächlich nicht die Leistung wie in Dortmund, was sicher auch mit (noch) mangelnder Akzeptanz seiner Mitspieler zusammenhängen mag.
Allerdings fand ich ihn gestern sooo schlecht dann auch nicht, jedenfalls weitaus besser als Jerome Boateng. Boateng ist für einen Außenverteidiger zu antrittsschwach und steht für einen Innenverteidiger relativ oft falsch im Raum. Schwächen, die er dann mit teils riskanten Spielmanövern (Grätschen) ausgleichen muss.
Ein weiterer Punkt, den ich gestern bedenklich fand: Während die Harmlosigkeit des deutschen Teams bei Standardsituationen ja schon sattsam bekannt ist, brachte fast jede Ecke der Franzosen Gefahr vor dem deutschen Tor. Und dass, obwohl Frankreich jetzt nicht für seine Kopfballungeheuer bekannt ist. Solches Chaos kann man sich gegen Spieler wie Huntelaar und van Persie nicht erlauben.
Schwach, und hiermit möchte ich es dann auch gut sein lassen, fand ich gestern den Schiedsrichter. Das grobe Einsteigen gegen Schürrle hätte Gelb verdient, zwischendurch wurde Badstuber mal derbe weggerempelt, was zu einem Konter der Franzosen führte. Und für mich war der Tritt gegen den Fuß von Klose, der dazu führte das dieser nur noch ein Schüsschen aufs Tor brachte klar elfmeterreif.
Das gestrige Spiel war ein Warnschuss zur rechten Zeit, ich bin sicher, dass sich in der Vorbereitung zur EM noch die Automatismen eingespielen.
...Kommentar!
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Das zeigt er in Dortmund immer wieder...
und in meinen Augen hat er es in Ansätzen gestern auch gezeigt. Er hat 2-3 mal gut abgeräumt als seine Kollegen jemanden durchgelassen haben. Hat viele seiner Fehler selbst ausgebügelt. Und Gefahr ging egtl nur von Leuten aus die nicht seine direkten Gegenspieler waren.
War er perfekt? Bei bestem Willen nicht.
Aber vielleicht würde sich die Abwehr auch mal einspielen können wenn sie mehr als 45 Min. zusammenspielen würden.
Meine EM-Hoffnung
Boateng-Höwedes-Hummels-Lahm
Ob es an der mangelnden Akzeptanz seiner Mitspieler liegen mag oder an der unterschiedlichen Spielweise zu Dortmund, klar ist, dass Hummels im Nationalteam noch Luft nach oben hat.
Klar ist aber auch: ER war gestern noch der mit Abstand stabilste Verteidiger. Boateng - dessen Aufbauspiel sehr dürftig ist, und der beim ersten Tor nicht nachrückte, als Hummels gegen den durchgebrochenen Valbuena gehen musste - und vor allem Aogo - der Valbuena zuerst nicht deckte, dann durchbrechen ließ, und auch den zweiten Treffer flanken ließ - zeigten eine ganz schwache Partie.
Wenn man nicht auf beiden Seiten mit Weltklasse-Außenverteidigern gesegnet ist - und dieses Glück hat seit Brasilien mit R. Carlos/Cafú eigentilch kein Land mehr - muss man eben einen aufstellen, der seine Arbeit unauffällig, aber solide macht, so dass die offensiven Impulse eben vorrangig vom anderen Außenspieler ausgehen so wie z.B. bei der WM Capdevilla für Spanien, der zu gunsten von S. Ramos hinten blieb.
Dass Aogo diese Sicherheit nicht mitbringt, hat er bereits in dieser Bundesliga-Saison in praktisch allen Spielen gegen die offensivstarken Dortmund, Bayern, Bremen und Gladbach gezeigt.
Einem Innenverteidiger fehlt neben dem veränderten Stellungsspiel meist auch der Antritt gegen die heutigen schnellen Außenstürmer wie Ribèry, Robben, C. Ronaldo etc.
Ich denke mal, für den aufgeräumten Marcel Schmelzer war das gestern ein dufte Abend ;-)
Die frage für mich bei dem 0:1 war, warum denn überhaupt badstuber soweit nach vorne auf den angreifer rausrücken musste. wo war da der defensive mittelfeldspieler? wäre badstuber nicht aus der viererkette rausgerückt, wäre das tor (so) nicht gefallen. das aogo dann nicht schnell genug mitschaltet und weiter nach innen rückt, kommt dann in der situation natürlich noch dazu.
aber ansonsten muss ich sagen: so schlimm wie hier im artikel dargestellt war das spiel der deutschen mannschaft bei weitem nicht!!!
die dfb-elf hat immer wieder gute ansätze gezeigt um dann aber auch jeweils nach kurzer zeit wieder die spielführung an die franzosen abzugeben.
ich würde mir wegen der em keine all zu großen sorgen machen! wenns ein wachruf war, dann kam er zur rechten zeit. aber die deutsche mannschaft wurde schon oft genug vor turnieren kleingeredet (s. 0:1 gegen argentinien).
ich freu mich auf die EM !!!
...Kommentar!
...für die Blumen!
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