Gerald Asamoah in Januar in Fürth © Daniel Karmann/picture alliance/dpa

Es wäre untertrieben zu behaupten, Gerald Asamoahs Karriere wäre turbulent verlaufen. Als er zwölf Jahre alt war, zog seine Familie von Ghana nach Deutschland. Hier wurde er zum Profifußballer, zum ersten Schwarzafrikaner, der sich das Trikot der deutschen Nationalmannschaft überstreifte. Bei der WM 2006 wurde er Teil des Sommermärchens, auch wenn sich sein Beitrag auf die Tätigkeit als Umkleidekabinen-DJ beschränkte.

Zwischendurch hatte er immer wieder zu kämpfen. Mit sich selbst und mit den anderen. In Jena, Magdeburg oder Cottbus wurde er beschimpft und mit Bananen beworfen. Neonazis verunglimpften ihn mit Plakaten. Seine Karriere schien schon beendet, als sie gerade erst begonnen hatte. Als er 1998 nach einem Spiel zusammenbrach, wurde bei ihm eine angeborene Herzerkrankung diagnostiziert. Asamoah entschied sich, auf eigenes Risiko weiterzuspielen.

Ein gewöhnliches Karriereende würde zu alledem nicht passen. 33 Jahre alt ist Asamoah mittlerweile. Nachdem man ihm nach elf Jahren beim FC Schalke 04 sagte, dass man nicht mehr mit ihm plane, und einem erfolglosen Gastspiel beim FC St. Pauli, saß er zu Hause auf der Couch und wartete. Sieben Monate war er arbeitslos, hielt sich beim Fünftligisten VfB Hüls fit, als sich sein ehemaliger Schalke-Kollege Mike Büskens , mittlerweile Trainer von Greuther Fürth, an ihn erinnerte.

Jetzt darf der Stürmer noch einmal zurück auf die große Bühne: DFB-Pokalhalbfinale, ausverkauftes Stadion, das halbe Land sitzt vor dem Fernseher. Und das Beste: Es geht gegen Borussia Dortmund , gegen den Deutschen Meister, gegen den Verein, gegen den man unbedingt spielen will, wenn man einst das Wappen des FC Schalke 04 im Herzen trug.

"Wir wollen die Lüdenscheider rauskicken", sagt Asamoah. Lüdenscheider, so nennen die Schalker die Dortmunder, wenn sie sie ärgern wollen. Asamoah sagte in den vergangenen Tagen oft Lüdenscheid. Weil Asamoah noch schlechter auf Dortmund zu sprechen ist als der Durchschnittsgelsenkirchener.

2007 fuhr Schalke am vorletzten Spieltag der Saison als Tabellenführer nach Dortmund. Die langersehnte Meisterschaft war nah. "Wenn wir da die Meisterschaft holen, laufe ich barfuß über die B1 nach Hause", tönte Asamoah damals. Schalke verlor 0:2, Asamoah musste seine Schuhe anbehalten, eine Woche später holte der VfB Stuttgart den Titel.

Drei Monate später bejubelte Asamoah ein Tor gegen Dortmund, indem er sich mit dem Finger über die Kehle strich. Die Geste galt dem Dortmunder Torhüter Roman Weidenfeller . Der habe ihn zuvor beleidigt, sagte Asamoah. Lippenleser wurden angeheuert und stellten fest, Weidenfeller habe Asamoah "schwarzes Schwein" genannt. Weidenfeller dementierte, wurde vom DFB aber dennoch drei Wochen gesperrt.

Nun werden sich Asamoah und Weidenfeller wieder treffen. "Es ist immer noch ein Problem", sagt er. Und: "Freunde werden wir nicht mehr."

In Fürth liefert Asamoah genau das, was sie von ihm erwarten: Tore, der Stürmer traf in seinen vier Spielen für Fürth bisher viermal. Aber vor allem Emotionen. In den vergangenen Jahren schwang auch stets immer etwas Häme mit, wenn von der Spielvereinigung der Rede war. Nicht nur, weil der Verein in einem Stadion spielt, das erst nach einer Spielzeugfirma, später nach einem Fruchtgummi benannt wurde.

Sondern auch, weil die Mannschaft immer als talentiert bis zum Abwinken galt, sie aber vor lauter Schönspielerei das Siegen vergaß und daher regelmäßig knapp, aber sicher am Aufstieg in die Bundesliga vorbeischrammte. In den vergangenen zehn Zweitliga-Jahren wurde Fürth sechsmal Fünfter und einmal Vierter. Mittlerweile haben sie sich "Unaufsteigbar" auf ihren Mannschaftsbus schreiben lassen.