BiathlonDie schwierige Suche nach einer Nachfolge für Magdalena Neuner

Der Weltstar Magdalena Neuner steht kurz vor dem Karriereende. Doch wer tritt an ihre Stelle? Der Biathlonsport hat ein Nachwuchsproblem. von Katrin Schulze

Magdalena Neuner präsentiert ihre Medaillen.

Magdalena Neuner präsentiert ihre Medaillen.  |  © Christian Manzoni/IBU-Pool/Getty Images

Die Hoffnung könnte man beinahe übersehen, so zierlich ist sie. Gerade 162 Zentimeter groß, schlank und drahtig. Doch mit ihrer unbekümmert-frechen Attitüde sorgt sie schon dafür, dass sie trotz des kleinen Größennachteils auffällt. Meistens sprudelt es nur so aus ihrem bayrischen Goscherl. Wie am vergangenen Donnerstag, als die Hoffnung mitten hinein platze in den Trubel der Biathlon-Weltmeisterschaft. Am Rand der Veranstaltung verkündete sie, im gehobenen Sportleralter noch einmal den Beruf wechseln zu wollen und spielte sich damit in den Vordergrund. Nebenbei verdutzte sie selbst ihren Trainer, um es harmlos zu formulieren.

Die Hoffnung trägt den Namen Evi Sachenbacher-Stehle .

Anzeige

Aus ihr, der hauptamtlichen Langläuferin aus Reit im Winkl, soll eine Biathletin werden. "Fakt ist, dass ich ab Frühjahr die Vorbereitung auf die kommende Saison fest in der Trainingsgruppe der Biathleten vornehmen werde", berichtet Sachenbacher-Stehle nach der aus ihrer Ankündigung resultierenden Aufregung nun auf ihrer Homepage. "Bereits in diesem Winter habe ich mehrfach mit den Biathleten trainiert."

Die hohen Herren des Deutschen Skiverbandes (DSV) hören das nur zu gerne. Sie wünschen sich, dass noch mehr Langläuferinnen zur Waffe greifen und, wenn dabei nicht allzu viel daneben geht, doch bitteschön in den Biathlonsport wechseln. Denn da, in der deutschen Kernwintersportdisziplin, lauert ein Problem. Nach dem Karriereende von Magdalena Neuner drohen die Erfolge und mit ihnen auch die Sponsoren und Fernseheinnahmen verloren zu gehen. "Wenn kein Deutscher mehr unter den Top 10 ist, dann lässt das Interesse nach und die Personen sind weniger populär. Außenwirkung und Markenwert könnten verloren gehen", drückt es DSV-Präsident Alfons Hörmann aus. Mit Neuner verlasse "ein Weltstar des Sports die Bühne. Im Gesamtprodukt Biathlon hinterlässt sie ein riesiges Loch."

Verantwortliche haben zu spät Nachwuchs gefördert

In Wirklichkeit war das Loch abzusehen. Kati Wilhelm , Simone Hauswald und Martina Beck verließen den Biathlonsport nach den Olympischen Spielen 2010. Als einzige aussichtsreiche Kandidatinnen Plätze übrig blieben Andrea Henkel und Magdalena Neuner . Henkel fuhr in dieser Saison einen Sieg und einen dritten Rang ein, alle anderen derzeit im Weltcup startenden Frauen sind weitgehend hinterher gelaufen. Alle, bis auf Neuner natürlich. Die Oberbayerin ist den Konkurrentinnen zig Mal davon gelaufen, sie ist Rekord-Weltmeisterin und Doppelolympiasiegerin. Fürs Geschäft ist das prima, bloß hatte im Verband niemand einkalkuliert, dass die junge Frau schon mit 25 aufhören möchte, weil sie alles erreicht und vom Rummel lange genug hat.

Neuner ist niemand, der läuft und läuft und läuft. Und schon gar nicht lässt sie sich vom Verband herumschubsen – nicht nach alldem, was sie für ihn getan hat. "Wenn Magdalena eine Sache macht, dann zu einhundert Prozent", sagt ihr Heim-Trainer Bernhard Kröll. "Wenn sie den Sport nicht mehr zu einhundert Prozent will, dann macht sie es nicht mehr."

Ein bisschen spät haben das auch die Verantwortlichen begriffen. Im Genuss der großen Erfolge und des Hypes um den Sport in Deutschland haben sie es verschlafen, im riesigen Schatten von Neuner talentierten Nachwuchs heranzuführen. Jetzt sagt Thomas Pfüller , der Sportdirektor des DSV: "Früher hatten wir Zeiten, wo vier auf das Podest laufen konnten und eine durchkam. Da wurden die Maßstäbe im Nachwuchs nicht mehr ganz so hoch angesetzt. Das holt uns jetzt ein". Im Prinzip hat die Zukunft den Verband und die Biathleten jetzt schon eingeholt. Schwer vorstellbar, wie es gelingen soll, bis zur nächsten Saison eine schlag- und schusskräftige Athletin in die Spur zu zaubern.

Leserkommentare
  1. WELTSTAR ist für mich nur Jimi Blue Ochsenknecht!

    • 15thMD
    • 11. März 2012 16:55 Uhr

    Die Nachwuchsförderung in DE ist auf dem Stand von vor 10 Jahren stehen geblieben. Die der anderen Nationen aber nicht.

    Und es sagt doch schon alles über das Publikum, wenn die Zuschauer wegbleiben nur weil keine deutsche mehr in den Top 10 ist.

  2. Lena, Lena und nochmals Lena.
    Bitte nicht vergessen, dass einige Weltmeistertitel Mannschaftstitel waren und da gebührt die Ehre allen Sportlerinnen.

    So langsam finde ich es gut, dass sie zurücktritt.
    Andfere Biathletinnen haben auch Spitzenleistungen vollbracht.

  3. Läuferisch schon auf einem sehr hohen Niveau und die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass sie im Schiessen immer konstanter wird. Meine momentane absolute Lieblingssportlerin!

  4. Biathlon findet vielleicht in 3-5 Ländern mehr oder weniger Beachtung. Die Bezeichnung Welstar scheint mir ein bisschen zu hoch gegriffen.

    • xila
    • 11. März 2012 19:05 Uhr

    Sagenhaft in der Loipe war Magdalena Neuner von Anfang an, aber bis vor zwei Jahren war sie außerdem berüchtigt für ihre Fehlschüsse beim Stehendschießen. Erinnert sich daran wirklich niemand mehr außer mir?

    Ich fand, die WM hat einen sehr interessanten Abschluß damit gefunden, daß das Staffelgold auf drei Athletinnen in ihrer individuellen Bestform (Bachmann, Gössner, Henkel) und eine schwächelnde Magdalena Neuner zurückzuführen war und daß Tina Bachmann im Massenstart die beste Deutsche geworden ist. Selbstverständlich wird es also auch ohne die Lena weitergehen, sportlich jedenfalls. Miriam Gössner gefiel mir in der Staffel ausnehmend gut, Bachmann dito im heutigen Massenstart. Die können vorne mit dabei sein in der nächsten Saison. Daß Andrea Henkel das auch kann, hat sie in dieser Saison auch gezeigt.

    Was sich aber sicherlich nicht so leicht neu mit einer anderen Athletin erzeugen läßt, ist der Hype um Magdalena Neuner, der bestimmt einen Geldregen in die Kasse des Verbands gespült hat. Und auch die Medien trauern doch nur dem Hype nach, von dem sie ebenfalls profitiert haben, und nicht den sportlichen Leistungen - trocknet also eure Krokodilstränen, ich glaube sie euch sowieso nicht.

  5. Es ist zum junge Mäusemelken. Der D - Sport besteht aus Döspaddeln. Als ob es so schwierig wäre, aus dem Potential von 5 Millionen Schüler ein paar wettkampffeste Typen rauszufiltern.

    Nein, man lässt lieber daddeln, kümmert sich um den zigsten Versager auf dem langen Weg durch das Schulleben, hat als Lehrer ( besonders als Sportlehrer ) schon jeden Entusiasmus verloren, die Funktionäre funzen nicht, prunzen lieber wulffisch auf Staatskosten irgendwo herum.

    Die Leistungspsitzen ergötzen sich im Einkauf aus dem Ausland und der Fan jubel eh allem zu, was ihm vor die Flinte gehalten wird.

    Arm irgendwie, richtig..aber typisch ?

  6. Hat doch schließlich zum Rücktritt beigetragen.
    Lena zeigt damit dass sie ihr Leben nicht von Anderen diktieren und bestimmen lassen will. Eine gute Entscheidung. Schließlich gibts noch ein anderes Leben nach dem Sport. Es ist eben nur Sport wie Lena selbst sagt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service