Biathlon-Boom in RuhpoldingAm besten geht Beppo, der Loipenfuchs

Zuschauerrekord, TV-Quotenrekord und viele gute Geschäfte: Die Biathlon-WM begeistert die Veranstalter und verärgert einige Einheimische. Von T. Becker, Ruhpolding

Das Biathlon-WM-Maskottchen "Beppo" in fünffacher Ausführung

Das Biathlon-WM-Maskottchen "Beppo" in fünffacher Ausführung

Kaum hat der Zuschauer die Eintrittsschleuse samt Rucksackkontrolle passiert, sieht er ihn. Da auf der rechten Seite: knallrot, unübersehbar, vollgestopft mit Fahnen, Mützen, T-Shirts, Maskottchen, Tassen und allerlei Kram. Der offizielle Fan-Shop.

Bis zu 30.000 Menschen laufen hier täglich bis Sonntag vorbei. Die Biathlon-Weltmeisterschaften in der 6.000-Einwohner-Gemeinde Ruhpolding sind nicht nur ein Sportereignis. Sie sind auch ein großes Geschäft.

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Es sind die vierten globalen Titelkämpfe, die der kleine Ort im Chiemgau nach 1979, 1985 und 1996 ausrichtet. 16,4 Millionen Euro haben die Bayern ausgegeben, um die Chiemgau-Arena umzubauen und zu erweitern. Der Kurpark in Ruhpolding heißt nun "Champions Park". Es gibt eine Fanmeile, WM-Dirndl, WM-Semmeln und WM-Braten-Semmeln für 3,50 Euro.

Die Kleinstadt hat sich hübsch gemacht – für knapp 1.000 Athleten und Offizielle aus 45 Nationen, 1.300 ehrenamtliche Helfer und viele Fans. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, bislang weder mit Wort noch Tat auffällig geworden, sagte zu diesem Aufwand: "Bavaria is the Mekka of Biathlon, and Bavaria is the Mekka of Hightech."

Karl-Heinz Hauber kennt sich in diesem Mekka aus. Der 74-Jährige ist ein Ruhpoldinger Unikum: Langer, weißer Rauschebart, Bergschuhe, Cord-Knickerbocker, so steht er in seinem Laden in der Rathausstraße, wo es nicht nur alles für die Inneneinrichtung gibt, sondern auch alles für den Biathlon-Fan. Seit der ersten WM im Ort vor 33 Jahren hat er auch im Stadion seine Fan-Utensilien verkauft, genau da, wo nun der knallrote offizielle Fanshop-Container steht: "Jetzt haben sie uns Einheimische rausgeworfen“, klagt er.

1979 sah das noch anders aus. "Am Anfang haben sie gebettelt, dass wir irgendwas verkaufen", erzählt Hauber, "keine 400 Zuschauer waren da, 1985 dann ein paar mehr." Doch mit den Zuschauerzahlen stiegen auch die Begehrlichkeiten: "Damals haben wir die Hütte noch umsonst gekriegt“, sagt Hauber, "später mussten wir 50 Euro zahlen, dann 100, später 600 und 800, und jetzt sind es über 1.000! Strom extra! Für eine Fläche von zwei auf drei Meter! Und die IBU schreibt mir vor, was ich verkaufen darf und was nicht."

Die IBU, das ist der Weltverband der Biathleten und für Hauber die Ursache allen Übels. 1993 als "Non-Government and Not-For-Profit-Organisation" in Salzburg gegründet, hält die IBU heute alle Rechte an Weltmeisterschaften, dem Weltcup und dem Continental Cup.

Gerade als Hauber wieder über die IBU wettern will, betritt ein Kunde den Laden und will einen WM-Anstecker kaufen.
"Macht fünf Euro", sagt Hauber.
Der Kunde: "Spinnt ihr? Fünf Euro für einen Anstecker!"
Hauber: "Das ist der Preis der IBU. Früher hat er immer 2,50 Euro gekostet."
Der Kunde: "Was sagt der Bürgermeister Claus Pichler dazu?"
Hauber lacht: "Der? Der ist doch Organisations-Chef für die WM. Der sagt keinen Ton."
Der Kunde legt den WM-Anstecker wieder zurück.

Leserkommentare
    • Fiesko
    • 07.03.2012 um 19:03 Uhr

    Dass ein Sportereignis als "Produkt" angesprochen wird unterstreicht den kommerziellen Charakter der Sache. Aus allem muss heute Profit geschlagen werden, und was die FIFA und das IOC kann, möchte der Biathleten-Verband dann natürlich auch. Unter diesen Vorzeichen lässt der nächste Doping-Skandal garantiert nicht lange auf sich warten! Den Konsumenten und Akteuren wünsche ich weiterhin viel Spass mit ihrem "Produkt".

  1. Nur der Verbraucher!!! Wenn die Leute schon zu der Veranstaltung gehen obwohl sie nur noch abgezockt werden,
    dann ist ihnen nicht mehr zu helfen; wenn sie dann auch noch
    Fanartikel zu horrenden Preisen erwerben, frage ich mich
    schon: wie intelligent ist denn der Verbraucher???
    Die Antwort darf sich jeder selbst geben.
    Wenn ich dies Sportveranstaltung tatsächlich sehen und
    geniessen möchte, ist dies sowieso nur auf der Couch
    umfassend möglich. Die überflüssigen Kommentare der Spezialisten, muß ich mir ja nicht zumuten.
    Jeder ist seines Glückes Schmied, wenn einem etwas nicht
    gefällt gibt es ein einfaches Mittel: wegbleiben, nichts kaufen! so einfach ist das Leben.
    Wenn dies genügend Leute tun, egal bei wem oder was,
    regelt sich dies ganz von selbst in Zukunft.

  2. Es wird einen Rücklauf des Interesses geben, ähnlich wie damals beim Tennis.
    Nach Neuner kommt erst einmal nichts mehr.
    Die ganzen Rücktritte erstklassiger Frauen wird sich bemerkbar machen.

    Bei den Männern sieht es eigentlich nicht besser aus.

    Derzeit ist kein wirkliches Licht am Firmament.

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