Etwa zwei Jahre vor Beginn der Fußball-WM in Brasilien ist der Präsident des nationalen Fußballverbandes CBF, Ricardo Teixeira, zurückgetreten. Teixeira stand seit Jahren unter Korruptionsverdacht und hatte zuletzt an Rückhalt in der Regierung und dem Fußball-Weltverband Fifa verloren.

"Ich lege das Präsidentenamt beim CBF nieder und gehe mit dem Gefühl, die Aufgabe erfüllt zu haben", schrieb er in einem Brief, den sein Nachfolger José Maria Marin am Montag bei einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro vorlas. Erst am vorigen Freitag hatte sich Teixeira aus gesundheitlichen Gründen beurlauben lassen. Sein Gesundheitszustand wurde auch als Hauptgrund für seinen Rücktritt angegeben. Er trat zugleich als Präsident des lokalen WM-Organisationskomitees (COL) zurück, in dessen Aufsichtsrat die Ex-Fußballstars Ronaldo und Bebeto vertreten sind.

Marin führt nun wie zuvor Teixeira in Personalunion den CBF und das Komitee. Er versprach Kontinuität und schloss personelle Veränderungen zunächst aus. "Es gibt einen neuen Präsidenten, aber keine neue Amtsführung. Wer das Vertrauen Teixeiras hatte, der hat auch meines."

Teixeira führte den CBF über 23 Jahre. Unter seiner Amtszeit holte der Rekordweltmeister Brasilien zwei seiner fünf WM-Titel (1994 in den USA und 2002 in Japan/Südkorea). Für ihn spricht, dass er für Brasilien den Zuschlag für die WM 2014 erkämpfte. Doch der Funktionär stand stets auch in der Kritik.

Unverhohlene Freude über den Rücktritt

Teixeira und sein ehemaliger Schwiegervater, der frühere Fifa-Präsident João Havelange, sollen laut BBC Anfang des Jahrtausends im Zuge des Korruptionsskandals um die in Insolvenz gegangene Sportvermarktungsagentur ISL Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Beide wiesen die Anschuldigungen zurück. In Brasilien musste sich Teixeira zudem immer wieder gegen Vorwürfe der Geldwäsche und Steuerhinterziehung wehren.

Allen voran forderte der Ex-Fußballstar und heutige Abgeordnete Romário seinen Rücktritt. Er reagierte mit unverhohlener Freude auf die Nachricht des Rücktritts. "Heute können wir feiern. Wir haben einen Krebs des brasilianischen Fußballs ausgelöscht. Endlich ist Ricardo Teixeira als CBF-Präsident zurückgetreten." Dies sei ein Moment des Sieges für den Fußball in Brasilien. "Ich glaube nicht nur, sondern hoffe, dass nun eine Generalreinigung beim CBF erfolgt."

Das Verhältnis zur Fifa ist getrübt

Der Rücktritt des Verbandschefs fällt in eine Zeit der Spannungen zwischen WM-Gastgeber und dem Fußball-Weltverband Fifa. Dessen Generalsekretär Jérôme Valcke hatte kürzlich für einen Eklat gesorgt, als er wegen der schleppenden WM-Vorbereitungen den Organisatoren einen "Tritt in den Hintern" empfahl. Brasilien nahm zwar die Entschuldigungen der Fifa-Spitze an, doch das Verhältnis gilt als getrübt.

Der Sportminister Aldo Rebelo bekräftigte nun angesichts des Stabwechsels, die Bereitschaft, mit dem WM-Organisationskomitee zusammenzuarbeiten, um in "Harmonie" die notwendigen Aufgaben zur Ausrichtung der WM zu bewältigen.