Cheerleading - Von wegen Puschel: Cheerleading ist Leistungssport Die Potsdam Panthers sind Deutscher Meister im Group Stunt CoEd und Vize-Meister im Senior CoEd geworden. Eindrücke von der 22. Deutschen Cheerleading-Meisterschaft in Bremen 2012

Als aus den Boxen ein aktueller Dance Hit losdröhnt, erhebt sich Lars Fuhrmann, macht einen Auftaktsprung, dreht ein Rad und schlägt einen Salto rückwärts. Dann greift er die Hände eines Kollegen, formt mit ihm eine Räuberleiter, mit der sie eine Frau in die Luft wuchten. Sie schwebt auf seinen gestreckten Armen, hebt ein Bein hallendachwärts neben ihren Kopf, wo sie es mit ihrem Ellenbogen festklemmt. Nun lässt sie das Bein wieder los und sinkt senkrecht, er fängt sie zupackend. Um sie sofort wieder nach oben zu stemmen. Dort angekommen spreizt sie prinzessinnengleich ein Bein nach hinten, breitet ihre Arme aus und lässt sich mit einer Rückwärtsschraube in die Arme der Männer fallen.

Es ist nur ein fünfzehn Sekunden kurzes Detail, Lars Fuhrmann und seine Teamkollegen müssen im Laufe des drei Minuten langen Programms noch etliche Sprünge, Läufe, Stunts, Hebe- und Turnelemente hinlegen. Doch die Szene belegt: Es ist ein anstrengender Job, Cheerleader zu sein.

Cheerleading kommt aus den USA , entstammt dem American Football. "Cheer" heißt Beifall, und "lead" heißt führen. Es geht darum, den Zuschauer zum Beifall für ein Football-Team zu verführen. Wer Cheerleading hört, denkt an Mädels mit Puscheln, die die Beinchen schwingen, und am Ende angelt sich Reese Witherspoon den Quarterback.

Wer zum ersten Mal mit dem Sport in Kontakt kommt, ist erstaunt, wie dynamisch und vielseitig er ist, auch dass es Meisterschaften gibt. So wie am vorigen Samstag in Bremen , wohin rund achthundert Teilnehmer im Alter von sechzehn bis dreißig Jahren gekommen sind, um die deutschen Titelträger in fünf Kategorien zu ermitteln: einen im Partner Stunt (Mann und Frau) und je zwei (je ein Mal All Girl und Mixed) im Group Stunt (zu fünft) und Cheer, in der bis zu zweiundzwanzig Cheerleader eine Choreografie aufführen.

Viele Männer sind Cheerleader, es sind besondere Typen. Die meisten sind ehemalige oder aktuelle Footballer, Bodenturner, manche könnten Gewichtheber oder Türsteher sein, nach dem Wettbewerb lassen sie Dreiliterbottiche Jacky-Cola kursieren. Es sind Männer wie Lars Fuhrmann, 28, 1,90 Meter groß, Verbandsligafußballer mit breiten Schultern und noch breiterem Siegerlächeln. "Mehr als Cheerleading kann kein Sport bieten", sagt er, "Akrobatik, Turnen, Technik, Teamgeist". Für ihn sei Cheerleading der "totale Sport".

Wenn er Fremden erzähle, dass er Cheerleader sei, müsse er stets erklären, wie hart das Training bei den Potsdam Panthers sei, sagt Fuhrmann. Auch, dass er nicht schwul sei. "Als männlicher Cheerleader wird man mit vielen Klischees konfrontiert", sagt er. "Aber damit komme ich klar."

Dass man starke Männer gut gebrauchen kann, liegt in der Natur des Cheerleadings. Stets muss der Mann Frauen stemmen, werfen, fangen. Das gilt besonders für die wichtigen Hebefiguren, allen voran die Pyramide, für die sich die gesamte Mannschaft zu drei Stockwerken türmt. "Es gibt eine klare Rollenteilung: Die Männer gehören nach unten, die Frauen nach oben", sagt Fuhrmann.