Bundesliga-RückschauGanz Köln schrie

Dem 1. FC Köln geht das Personal aus, die Augsburger manndecken Borussia Dortmund und Lewan Kobiashwili räumt auf. Alles Wichtige zum 25. Spieltag von 

Stale Solbakken freut sich über den Sieg gegen die Hertha

Stale Solbakken freut sich über den Sieg gegen die Hertha  |  © Thomas Bohlen/Reuters

Wer spielte wie gegen wen?

FC Schalke 04 – Hamburger SV 3:1
Werder Bremen – Hannover 96 3:0
FC Augsburg – Borussia Dortmund 0:0
FC Bayern München – 1899 Hoffenheim 7:1
1. FC Köln – Hertha BSC Berlin 1:0
Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg 0:0
FSV Mainz – 1. FC Nürnberg 2:1
VfL Wolfsburg – Bayer Leverkusen 3:2
VfB Stuttgart – 1. FC Kaiserslautern 0:0

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Die Volldampf-Spiele von Borussia Dortmund sind immer sehenswert. Dass in dem 0:0 in Augsburg erstmals ein torloses Unentschieden in dieser Kategorie auftaucht, liegt aber am Gastgeber. Mit Männern wie Stephan Hain, Sebastian Langkamp oder Axel Bellinghausen, deren Namen schon so klingen, als ob dauernd die Grasnarbe durch die Luft fliegt, warf sich der FC Augsburg in jeden der Dortmunder Angriffe. Meistens reicht das gegen den BVB nicht, ein taktischer Kniff muss her. Einige Mannschaften versuchten es mit Pressing, bis Hummels seine langen Bälle auspackte. Andere Teams verschanzten sich im eigenen Strafraum, bis Kagawa sich durchfummelte. Jos Luhukay, der Augsburger Trainer mit der Ausstrahlung eines Museumswärters, telefonierte vor dem Spiel wohl mit Otto Rehhagel: Er ließ Manndeckung spielen. Diese Ehre kam Hummels, einem Verteidiger (!) zu teil und Shinji Kagawa, dem sein Landsmann Hajime Hosogai auch bei Jürgen Klopps Halbzeitansprache am Stutzen klebte. Augsburg hat die Liga wieder spannend gemacht. Auch der SC Freiburg spielt seit Wochen ähnlich aufopferungsvoll und punktete gegen die Bayern , Schalke und nun auch in Mönchengladbach. Es ist nicht nur eine Phrase, sondern ein Qualitätsmerkmal der Liga: Jeder kann jeden schlagen.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bayern gegen Hoffenheim , völlig überraschend entgegen unserer Voraussage. Jupp Heynckes hätte sich bereits nach 18 Minuten der Vorbereitung des Basel-Spiels am Dienstag widmen können. Seine Bayern führten mit 3:0, die Hoffenheimer hatten sich als Aufbaugegner zur Verfügung gestellt. Jupp Heynckes sah bis zum Ende wie alle Sorgenkinder einige ihrer Beklemmungen loswurden. Mario Gomez traf gleich dreimal, Arjen Robben doppelt. Und selbst Toni Kroos, stets voller Weltschmerz in seinem Spiel, machte ein Tor und eine gute Partie. Als dann auch noch der lang verletzte Bastian Schweinsteiger mit seiner Kurzhaarfrisur, die schon mal den Frühling vorwegnahm, wieder mitspielen durfte, hatten sich alle wieder lieb. Doch nach den Ergebnissen der letzten Wochen, 0:1, 2:0, 0:2 und 7:1 steht nur eines fest: Der FC Bayern spielt derzeit zickiger als jeder Teenager.

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Wer stand im Blickpunkt?

330 Bundesliga-Spiele hat der Georgier Lewan Kobiashwili schon bestritten. Sechs Spiele noch, dann darf er sich den seltsam klingenden Titel "Rekord-Ausländer der Bundesliga" auf die Visitenkarte schreiben. Nur wenige seiner etwa 29.000 Bundesliga-Minuten aber waren so aufregend wie jene an diesem Wochenende in Köln . Kobiashwili hat verloren, aber das ist er gewohnt, er trägt seit einer Weile das Trikot der Hertha. In der 66. Minute drückte ihm Mato Jajalo seine Schraubstollen in den Unterschenkel, wofür der Kölner zu Recht vom Platz flog. Nur das Kölner Publikum wollte das nicht wahrhaben, schließlich sieht es für den FC derzeit nicht gut aus, das Tabellenende ist nah. So pfiffen die Kölner Kobiashwili bei jedem Ballkontakt aus, als hätte er das Emblem von Fortuna Düsseldorf auf den Dom gesprüht. Irgendwann foulte Kobiashwili dann selbst einmal. Ein normales Foul, aber ganz Köln schrie. Wenn sich schon die ganze Stadt mit ihm anlegen will, dann soll sie nur kommen, dachte er. Mit Wut in den Augen, verwurschtelten Haaren und halb zerrissenem Hemd marschierte Kobiashwili durch die Kölner Reihen, wie Michael Douglas in Falling Down . Sascha Riether, Lukas Podolski (der dafür unberechtigterweise selber Rot sah), Pedro Geromel und Henrique Sereno pflasterten seinen Weg. Am Ende wurde der "Renegade" mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Sein erster Platzverweis seit 13 Jahren.

Leserkommentare
  1. ...war im Übrigen auch 1. FCK gegen den VfB.

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  2. Der Text ist ne Wucht :)
    "Gäbe es den 1.FC Köln nicht, man müsste ihn erfinden", wie wahr, wie wahr

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  3. Irgendwie beruhigend, dass auch Prinz Poldi nicht sakrosankt ist.

    • Flyke
    • 12. März 2012 20:38 Uhr
    4. Irrtum

    "In der 66. Minute drückte ihm Mato Jajalo seine Schraubstollen in den Unterschenkel, wofür der Kölner zu Recht vom Platz flog."

    Das kann auch nur ein Gladbacher sagen. Das Foul war ne lupenreine GELBE Karte. Das Publikum hatte allen Grund frustriert zu sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das sagt jeder, der kein Kölner ist. Im Prinzip war das versuchte Körperverletzung, und dafür wäre alles andere als ROT viel zu wenig.

    Würde ich übrigens auch so sehen, wenn ein Spieler meines Vereins so auf den Gegner draufgehen würde. Wenn ich mir überlege, wie gegen Augsburg der Kagawa aus Frust den Hosogai abräumt und dafür nicht mal eine gelbe Karte sieht, dann halte ich das für das völlig falsche Signal, speziell wenn man als F-Jugendtrainer seinen Schützlingen beizubringen versucht, das Blutgrätschen im Fussball nichts zu suchen haben.

  4. 5. na ja

    poldi hat mit der falschen begründung rot bekommen, aber ansonsten verdient.
    er hat dort nicht hinzulatschen (rudelbildung) zu motzen und einen gegenspieler zu stoßen(tätlichkeit).
    so gings nämlich los ...

  5. das sagt jeder, der kein Kölner ist. Im Prinzip war das versuchte Körperverletzung, und dafür wäre alles andere als ROT viel zu wenig.

    Würde ich übrigens auch so sehen, wenn ein Spieler meines Vereins so auf den Gegner draufgehen würde. Wenn ich mir überlege, wie gegen Augsburg der Kagawa aus Frust den Hosogai abräumt und dafür nicht mal eine gelbe Karte sieht, dann halte ich das für das völlig falsche Signal, speziell wenn man als F-Jugendtrainer seinen Schützlingen beizubringen versucht, das Blutgrätschen im Fussball nichts zu suchen haben.

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    Antwort auf "Irrtum"

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