Roman Harper von den Saints tackelt Steven Jackson von den St. Louis Rams

Wenn es einer geahnt hat, dann er. Und so lässt Brett Favre dieser Tage kaum eine Gelegenheit aus, Fans und Fachwelt des American Football über seinen frühzeitigen Verdacht zu informieren. Im Januar 2010 spielte Favre im Trikot der Minnesota Vikings um den Einzug in den Super Bowl. Gegner waren die New Orleans Saints, deren Verteidiger Darren Sharper zählt bis heute zu Favres engeren Freunden.

Immer wieder ging die Saints-Abwehr überhart auf den gegnerischen Quarterback los, auch Sharper machte vor grenzwertigen Attacken keinen Halt. "Was tust du da, Sharp?", fuhr Favre seinen Kumpel an. Als Sharper ihm keine Antwort gab, sei ihm klar gewesen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehe.

Imagedesaster für die Liga

Wie sich nun herausstellte, hatte Favre Recht. Eine Untersuchung der National Football League (NFL) ergab, dass hinter den Angriffen der Saints ein selbst organisiertes Modell steckte. Im Zuge des "Bounty-System" erhielten die Verteidiger aus New Orleans Geld für Aktionen, die zu Verletzungen, Beeinträchtigungen oder dem Ausscheiden von Gegenspielern führten. Das Geld stammte aus einem Topf, in den die Spieler zuvor eingezahlt hatten. Keine hohen Summen, bei den "Belohnungen" soll es sich um Beträge im niedrigen vierstelligen Dollarbereich gehandelt haben. Für die meisten Footballprofis mit ihren millionenschweren Verträgen höchstens ein lausiges Taschengeld.

Trotzdem ist die Empörung in den USA groß. Das ganze Land freute sich vor zwei Jahren mit New Orleans, als die Saints den Super Bowl gewannen. Nach der Katastrophe, verursacht durch Hurrikan Katrina, standen sie für die Wiederauferstehung der Stadt. Die Saints, so empfanden viele Amerikaner, waren so etwas wie die fleischgewordene Gerechtigkeit. Und nun das.

Schuld an Imageverlust und Bounty-System ist Gregg Williams, der damalige Defensive-Coordinator. Auf seine Initiative hin soll das "Kopfgeld" ausgesetzt worden sein. In den vergangenen Tagen hatten sich immer wieder ehemalige Spieler, die in diversen Klubs unter Williams aktiv waren, gemeldet und von ähnlichen Praktiken berichtet.

Williams ist inzwischen zu den Rams nach St. Louis gewechselt, um eine Strafe wird er aber kaum herumkommen. Das Gleiche gilt für New Orleans. Der so beliebte Cheftrainer Sean Payton soll genau wie Klubbesitzer Tom Benson über Williams' Machenschaften informiert gewesen sein, beide haben sich bereits öffentlich entschuldigt. Wahrscheinlich wird die NFL New Orleans mit dem Verlust von Draft-Picks, also der Auswahl von Nachwuchsspielern und einer Geldstrafe belegen. Trotzdem ist die Geschichte für die Liga ein mittelschweres Imagedesaster.

Immer wieder produzierten Vereine und Spieler in den zurückliegenden Jahren Negativschlagzeilen zwischen den Spielzeiten. Schießereien, Drogenmissbrauch, Streik – all das warf zuletzt ein negatives Licht auf die Lieblingssportart der Amerikaner.