Fifa-Regelboard: Die Herrscher des Fußballs
Sie tagen hinter verschlossenen Türen und sehen sich als Gralshüter des Fußballs. Seit 126 Jahren bestimmen acht Männer die Geschicke des Weltfußballs.
© Cameron Spencer/Getty Images

Mit Torlinientechnik wäre das nicht passiert: Nicht anerkanntes Tor der Engländer gegen Deutschland bei der WM 2010
Am Anfang ging es um grundsätzliche Dinge: Was ist ein Foul? Wie groß ist das Spielfeld? Wie erzielt man ein Tor? Seit sich das International Football Association Board (Ifab) 1886 zum ersten Mal traf, hat sich das Spiel allerdings verändert. Als die obersten Regelhüter des Weltfußballs am Freitag im Pennyhill Park Hotel im englischen Surrey zu ihrer 126. Jahrestagung zusammentraten, werden sie sich mit Torkameras, Klettverschlüssen von Kopftüchern und Ausmaßen von Werbebanden beschäftigen. Eines ist jedoch in all den Jahrzehnten gleich geblieben: Acht Stimmen entscheiden darüber, nach welchen Regeln Milliarden Menschen auf der ganzen Welt Fußball spielen.
Das Ifab ist ein Relikt aus einer Zeit, als Fußball vor allen Dingen auf den britischen Inseln gespielt wurde. 1886 gründen die noch jungen Verbände von England, Wales, Schottland und Irland ein Gremium, um sich auf ein gemeinsames Regelfundament zu einigen und Jahr für Jahr über Änderungen desselben zu befinden. 1891 führt das Ifab unter dem später in Vergessenheit geratenen Namen "kick of death" den Elfmeter ein. Im selben Jahr wird beschlossen, dass der Schiedsrichter das Spielfeld betreten darf und sich nicht wie zuvor an der Seitenlinie aufhält. 1913 erhält auch der Weltverband Fifa vier Stimmen, für Regeländerungen ist seitdem eine Zweidrittelmehrheit nötig: Würden sechs der acht Delegierten befürworten, die Zahl der Spieler pro Mannschaft auf zwölf zu erhöhen oder die Tore zu verbreitern – der Fußball auf der ganzen Welt würde sich radikal verändern.
Wales hat mehr Einfluss als Deutschland
Allerdings muss man keine Angst vor derartigen Revolutionen haben: Das Ifab ist ein höchst konservatives Gremium. Die Mitgliedsverbände verstehen sich als Gralshüter des wahren Spiels – und man muss ihnen zugutehalten, dass sich der Fußball zwar stets weiterentwickelt, aber bisher nie seinen grundlegenden Charakter verloren hat.
Man kann das vorsichtige Vorgehen des Ifab verschnarcht und zögerlich finden. Oder als besonders behutsam loben. Die meisten Entscheidungen der Regelhüter haben das Spiel tatsächlich zum Guten verändert. Brutale Fouls und andere grobe Regelübertretungen werden seit 1970 mit Gelben und Roten Karten bestraft, seit 1993 dürfen Torhüter Rückpässe nicht mehr mit der Hand aufnehmen. Das Spiel ist im Laufe der Jahrzehnte fairer und schneller geworden.
Natürlich hat das Ifab auch Fehler gemacht und Irrwege eingeschlagen, wie bei der Einführung des Golden Goals und des Silver Goals. Immerhin waren die hohen Herren aber weise genug, ihre Entscheidung 2004 zu revidieren und zurückzukehren zum alten Format mit zweimal 15 Minuten Verlängerung und Elfmeterschießen. "Wir mussten diese Sache vereinfachen", sagte der schottische Verbandsvertreter David Taylor damals. "Manche Spiele werden per Golden Goal entschieden, manche per Silver Goal. Warum führen wir nicht gleich auch noch ein Bronze Goal ein, wenn wir schon mal dabei sind?"
Im selben Jahr schmetterte das Ifab auch den Vorschlag ab, die Halbzeitpause von 15 auf 20 Minuten zu verlängern – eine Änderung, die nicht im Sinne der Spieler gewesen wäre, sondern vielmehr Fernsehsender und Vermarkter begünstigt hätte.
Allerdings ist das Gremium alles andere als transparent: Jahr für Jahr trifft man sich in edlen Hotels im walisischen Llandudno oder im schottischen Gleneagles, in Zermatt, Rio de Janeiro, Nizza oder Venedig. Die Sitzungen finden hinter verschlossenen Türen statt, die Ifab-Entscheidungen werden der Weltöffentlichkeit nach dem Ende des Treffens kurz und bündig mitgeteilt.
Ein derart elitärer und anachronistischer Kreis macht sich angreifbar. Wieso sollte Wales – knapp drei Millionen Einwohner, Platz 42 in der Fifa-Weltrangliste – auch so viel mehr Einfluss auf die Geschicke des Spiels haben als die 195-Millionen-Einwohner-Fußballnation Brasilien? Oder als der Deutsche Fußball-Bund, der doppelt so viele Mitglieder hat, wie es überhaupt Waliser gibt?






Man kann sich gegen jede Technik und unnötige Regelvergrößerungen wehren, aber diese Torliniengeschichte ist einfach notwendig.
Ein falsches Abseitstor, unrechtmäßige Foulbewertung etc. findet immer Verständnis in der Dramatik des Fußballspiels, aber wenn 10 Millionen Menschen den Ball im Tor gesehen haben und nur der Schiedrichter nicht, dann ist das einfache verrückt.
Entweder auf Technik oder Menschen setzen, die die Torlinie überwachen.
Wie wenig die Torlinienrichter taugen, sieht man doch seit geraumer Zeit im Praxistest. Selbst strittige Entscheidungen konnten diese nicht klären.
Torkamera wird auch ausscheiden, da dieses Verfahren dem Videobeweis Tür und Tor öffnen würde. Wäre ja noch schöner, wenn das käme.
Also wird man sich vermutlich in den Profiligen auf den Chip im Ball einigen, wenn überhaupt.
Gibt es übrigens eine schlüssige Begründung für das Verbot von Namen auf den Trikots während den (inter)kontinentalen Wettbewerben? Gerade der - mit Verlaub - geldgeilen FIFA gehen so doch sicher Millionen durch die Lappen.
Wie wenig die Torlinienrichter taugen, sieht man doch seit geraumer Zeit im Praxistest. Selbst strittige Entscheidungen konnten diese nicht klären.
Torkamera wird auch ausscheiden, da dieses Verfahren dem Videobeweis Tür und Tor öffnen würde. Wäre ja noch schöner, wenn das käme.
Also wird man sich vermutlich in den Profiligen auf den Chip im Ball einigen, wenn überhaupt.
Gibt es übrigens eine schlüssige Begründung für das Verbot von Namen auf den Trikots während den (inter)kontinentalen Wettbewerben? Gerade der - mit Verlaub - geldgeilen FIFA gehen so doch sicher Millionen durch die Lappen.
"Kein Wunder, dass die Statutenkommission der Fifa unter Vorsitz des scheidenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger anstrebt, dass Gremium auf eine zumindest zweistellige Mitgliederzahl zu vergrößern."
Wenn ich nicht noch richtig gute Argumente höre, bin ich gegen eine Änderung dieser altmodischen Einrichtung. Denn erstens hat sich diese Einrichtung im Wesentlichen bewährt. Warum also ändern? Zweitens befürchte ich bei einer Demokratisierung, dass das Gremium "politischer" wird, Macht- gegenüber Sachaspekten in den Vordergrund rücken. Was daraus werden kann, sieht man am Olympischen Kommitee.
Wie wenig die Torlinienrichter taugen, sieht man doch seit geraumer Zeit im Praxistest. Selbst strittige Entscheidungen konnten diese nicht klären.
Torkamera wird auch ausscheiden, da dieses Verfahren dem Videobeweis Tür und Tor öffnen würde. Wäre ja noch schöner, wenn das käme.
Also wird man sich vermutlich in den Profiligen auf den Chip im Ball einigen, wenn überhaupt.
Gibt es übrigens eine schlüssige Begründung für das Verbot von Namen auf den Trikots während den (inter)kontinentalen Wettbewerben? Gerade der - mit Verlaub - geldgeilen FIFA gehen so doch sicher Millionen durch die Lappen.
Vielen Dank für die ausgewogene Darstellung. Dass das IFAB nicht jedem technischen Schnickschnack und nicht jedem Wunsch des Fernsehens hinterherläuft, ist bei aller richtigen Kritik an der Institution IFAB auch ein wohltuendes Element. Man kann diskutieren, ob es nicht ein Rückzugsgefecht ist - aber auch, ob die nahezu manische Beschäftigung deutscher TV-Berichterstattung ein wahreres Verständnis von Fußball darstellt, bei der mit manchmal recht willkürlich auf den Rasen gezogenen Linien "das Wichtigste zuerst: Abseits oder nicht" "geklärt" wird, anstatt schöne Spielzüge zu loben.
Eine kleine Anmerkung: Der Satz "Brutale Fouls und andere grobe Regelübertretungen werden seit 1970 mit Gelben und Roten Karten bestraft" scheint nahezulegen, hier habe es sich um eine inhaltliche Vorgabe der IFAB zur Regelauslegung gehandelt. Tatsächlich wurde mit der Einführung von Gelben und Roten Karten lediglich neue (Kommunikations-) Formen für die bereits vorhandenen Verwarnungen / Hinausstellungen eingeführt. Inhaltliche Vorgaben für die Schiris bei der Anwendung des (an dieser Stelle manchmal dürren) Regelwerks werden meines Wissens von den Nationalverbänden vorgegeben, die das Schiedsrichterwesen betreuen. Beispiel, passend zur Formulierung: In den 70ern und 80ern gingen wüste Tacklings auf der Insel noch weitgehend straflos durch; erst seit Einführung der Premiere League hat man sich stärker an das kontinentaleuropäische Auslegungspraxis angenähert.
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