Berti Vogts : "Es gab schon berühmtere Namen als Reus"

Das erfrischende Spiel von Borussia Mönchengladbach erinnert Berti Vogts an die erfolgreichen siebziger Jahre. Im Interview rät er Lucien Favre, in Gladbach zu bleiben.
Die Gladbacher Marco Reus und Mike Hanke © Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE:  Herr Vogts, wenn es so weiter geht, stürmt Borussia Mönchengladbach in die Champions League.

Berti Vogts: Was mich wahnsinnig freuen würde. Die Borussia wird immer mein Verein bleiben. Bei mir Zuhause liegen zwei Jahreskarten. Wann immer es geht, bin ich dort und genieße den nach vorne gerichteten Fußball.

ZEIT ONLINE: Früher klangen Sie weniger euphorisch, sondern gehörten zu den schärfsten Kritikern.

Berti Vogts

Berti Vogts machte 419 Spiele für Borussia Mönchengladbach und wurde in den siebziger Jahren mit seinem Verein fünfmal Deutscher Meister. Zudem machte er 96 Länderspiele für Deutschland, wurde 1974 Weltmeister. Als Bundestrainer gewann er 1996 mit der EM den bisher letzten Titel der DFB-Auswahl. Seit 2008 ist Vogts Nationaltrainer in Aserbaidschan.

Vogts: Es gab Zeiten, da gab es Grund zu kritisieren. Allerdings wurden mir am Ende alle Dinge, die irgendwo negativ gesagt wurden, angelastet, obwohl sie gar nicht von mir stammten.

ZEIT ONLINE: Und heute?

Vogts: Gibt es viel Grund zur Freude. Ich hoffe sehr, dass es der Mannschaft gelingt, die Champions League zu erreichen. Das Geld wäre wichtig, um wieder in neue Spieler investieren zu können. Da wächst etwas heran, das mich an die siebziger Jahre erinnert.

ZEIT ONLINE: Als die Erzrivalen Mönchengladbach und Bayern München quasi im Privatduell die Liga bestimmten.

Vogts: Mir geht es eher um die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt. Sie harmoniert und jeder Spieler weiß genau, was er zu tun hat. Es steckt Leidenschaft und Fußballlust dahinter.

ZEIT ONLINE: Wer steht für Sie in erster Linie hinter dem Wandel?

Vogts: Eindeutig der Trainer. Lucien Favre hat eine echte Mannschaft geformt, die einer Idee folgt und eine Ordnung hat .

ZEIT ONLINE: Nun ist der Pokal-Halbfinal-Gegner vom Mittwoch derzeit in bester Torlaune, eine Gefahr für die Borussia?

Vogts: Bayern München ist in der Form für jede Mannschaft in Europa eine Gefahr. Aber wir haben mit dem Sieg gegen Leverkusen gezeigt, wie groß das neue Selbstvertrauen ist. Es wird ein packendes Spiel am Mittwoch. Wie früher.

ZEIT ONLINE: Früher war die Rivalität zu den Bayern extrem?

Vogts: Manche haben das als Krieg beschrieben, was natürlich übertrieben ist, aber es waren sehr erbitterte Duelle. Und es wurde erwartet, dass wir gewinnen, sonst hatten wir ein paar Tage ein Problem mit den Fans.

ZEIT ONLINE: Heute ist das Verhältnis entspannter?

Vogts: Sportlich ist die Borussia in ihrer Entwicklung auf dem Weg, um auf Augenhöhe zu sein. Wirtschaftlich werden wir das nie sein. Es gehört zu den Gesetzen Mönchengladbachs, dass gute Spieler immer wieder verkauft werden müssen, um die Mannschaft zu halten und selbst wieder welche zu kaufen.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Schönes Interview,

Kompliment! Und ich kann Herrn Vogts versichern: Unter den Bayern-Fans, die die siebziger Jahre erlebt haben, gibt es nicht wenige, die wie ich den VfL bei aller Rivalität immer mit großer Sympathie gesehen haben (bis heute). Ich kenne auch BMG-Fans, bei denen das vice versa genauso ist. Freuen wir uns auf ein gutes Spiel heute Abend und drücken wir unseren jeweiligen Teams die Daumen!

Berühmtere

"Und vergessen wir nicht, es gab berühmtere Namen in Mönchengladbach als Reus." Aber vergessen wir nicht: Reus ist erst 22 Jahre alt. Zum Beispiel Netzers große Zeit begann erst mit 26, und mit 28 war er Fußballer des Jahres, Vogts – meint er den vielleicht mit "berühmtere Namen"? ;-) – mit 25.

jaja, die alten haudegen ...

"Es gab schon berühmtere Namen als Reus"

man darf nicht vergessen, dass die heutige Mannschaft die damalige Truppe aus dem Stadion prügeln würde. Da wird jetzt ein ganz anderer Fußball gespielt. Damals war die Hälfte aller Spieler Raucher, Taktik war bis auf Manndeckung unbekannt und der Ball blieb eine gefühlte halbe Stunde am Fuß. Stürmer hatten mit Verteidigen gar nichts am Hut und standen immer vorne rum. Bei dem modernen Pressing würden die gar nicht mehr aus dem eigenen Strafraum rauskommen.

Vogts...

...war der letzte Trainer, der mit der deutschen Nationalelf einen Titel geholt hat. Inzwischen unfaßbare anderthalb Jahrzehnte (!) her.

Ich fürchte, Herr Löw wird das nie von sich behaupten können. Aus einer ganzen Reihe von Gründen. Zwei der weniger gravierenden: Mangel an Stil, Mangel an Format.

Seinem verletzten "Capitano" monatelang signalisieren, daß selbstverständlich weiter mit ihm geplant wird - und ihn dann kaltlächelnd abservieren, weil ein Zwerg aus München "Ansprüche anmeldet": ein Witz!

Aber schlußendlich egal. Hauptsache, die Frisur sitzt. Dann wäre vielleicht doch noch ein Titel drin: als "Model" bei einem Wettbewerb der Friseursinnung.