Die Gladbacher Marco Reus und Mike Hanke © Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE:  Herr Vogts, wenn es so weiter geht, stürmt Borussia Mönchengladbach in die Champions League.

Berti Vogts: Was mich wahnsinnig freuen würde. Die Borussia wird immer mein Verein bleiben. Bei mir Zuhause liegen zwei Jahreskarten. Wann immer es geht, bin ich dort und genieße den nach vorne gerichteten Fußball.

ZEIT ONLINE: Früher klangen Sie weniger euphorisch, sondern gehörten zu den schärfsten Kritikern.

Vogts: Es gab Zeiten, da gab es Grund zu kritisieren. Allerdings wurden mir am Ende alle Dinge, die irgendwo negativ gesagt wurden, angelastet, obwohl sie gar nicht von mir stammten.

ZEIT ONLINE: Und heute?

Vogts: Gibt es viel Grund zur Freude. Ich hoffe sehr, dass es der Mannschaft gelingt, die Champions League zu erreichen. Das Geld wäre wichtig, um wieder in neue Spieler investieren zu können. Da wächst etwas heran, das mich an die siebziger Jahre erinnert.

ZEIT ONLINE: Als die Erzrivalen Mönchengladbach und Bayern München quasi im Privatduell die Liga bestimmten.

Vogts: Mir geht es eher um die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt. Sie harmoniert und jeder Spieler weiß genau, was er zu tun hat. Es steckt Leidenschaft und Fußballlust dahinter.

ZEIT ONLINE: Wer steht für Sie in erster Linie hinter dem Wandel?

Vogts: Eindeutig der Trainer. Lucien Favre hat eine echte Mannschaft geformt, die einer Idee folgt und eine Ordnung hat .

ZEIT ONLINE: Nun ist der Pokal-Halbfinal-Gegner vom Mittwoch derzeit in bester Torlaune, eine Gefahr für die Borussia?

Vogts: Bayern München ist in der Form für jede Mannschaft in Europa eine Gefahr. Aber wir haben mit dem Sieg gegen Leverkusen gezeigt, wie groß das neue Selbstvertrauen ist. Es wird ein packendes Spiel am Mittwoch. Wie früher.

ZEIT ONLINE: Früher war die Rivalität zu den Bayern extrem?

Vogts: Manche haben das als Krieg beschrieben, was natürlich übertrieben ist, aber es waren sehr erbitterte Duelle. Und es wurde erwartet, dass wir gewinnen, sonst hatten wir ein paar Tage ein Problem mit den Fans.

ZEIT ONLINE: Heute ist das Verhältnis entspannter?

Vogts: Sportlich ist die Borussia in ihrer Entwicklung auf dem Weg, um auf Augenhöhe zu sein. Wirtschaftlich werden wir das nie sein. Es gehört zu den Gesetzen Mönchengladbachs, dass gute Spieler immer wieder verkauft werden müssen, um die Mannschaft zu halten und selbst wieder welche zu kaufen.