US-SportDas Milliardengeschäft mit den College-Sportlern

Die USA fiebern dem College-Basketballfinale entgegen. Was als Sportideal begann, wurde zu einem Riesengeschäft. Die Athleten aber sehen keinen Cent. von 

Jeff Withey von der University of Kansas

Jeff Withey von der University of Kansas  |  © Andy Lyons/Getty Images

Jedes Jahr im März verfällt die USA in kollektiven Wahnsinn. Die Diagnose: March Madness. Die 68 besten College-Basketballteams des Landes spielen den Sieger des Turniers der National Collegiate Athletic Association (NCAA) aus. Das Finale am Montag zwischen der University of Kentucky und der University of Kansas ist nur der abschließende Höhepunkt der Wochen, die den Anschein erwecken, als beschäftigten sich die US-Amerikaner nur mit einer Sache: College-Basketball.

Ademola Okulaja , ehemaliger Profi von Alba Berlin , hat die March Madness miterlebt. Von 1995 bis 1999 spielte er für die University of North Carolina. "Es war eine unglaubliche Kulisse. Wir haben in Footballstadien gespielt und jeder Platz war ausverkauft", sagt er. Seitdem hat die Euphorie keineswegs nachgelassen. Millionen von Sportfans verfolgen die Spiele an ihren Fernsehern, Computern, iPads und Smartphones. Im vergangenen Jahr wurde der "Boss-Button" aus dem Netz zu einer beliebten App. Betrat der Chef das Büro, konnte man per Mausklick auf dem Bildschirm das laufende Basketballspiel wegklicken und den Anschein erwecken, man sei konzentriert bei der Arbeit.

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Amateurstatus der Spieler aufheben?

Hierzulande ist uns außerhalb von Fußballwelt- und Europameisterschaften eine solche Sportbegeisterung eher fremd. Genau wie das Konzept des College- oder Universitätssports. Was bei uns eher mit Breitensport zu tun hat, entwickelte sich in den USA zur Leistungsschau. Es geht nicht mehr nur um die Idee, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist ruht. Die Universitäten beziehen aus der Identifikation mit ihren Sportteams einen Großteil der Anziehungskraft, die sie für Studienanfänger interessant macht und ihre Absolventen nach deren Abschluss an die Schulen bindet.

Der Sport soll den Gemeinschaftsgeist an den Colleges fördern. Er soll jungen Menschen helfen, ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln, soll Teamgeist, Fairness und Verantwortungsbewusstsein vermitteln. Der wichtigste Aspekt des US-amerikanischen Modells: Talentierte Sportler sollen nach der High School die Möglichkeit haben, zu studieren. Auch wenn deren Familien sich einen Collegeaufenthalt der Kinder eigentlich nicht leisten könnten.

Dennoch steht der Collegesport seit Jahrzehnten in der Kritik. Gerade in den populären US-Sportarten Football und Basketball ist aus der ursprünglichen Idee vom Studenten, der seine sportlichen Fähigkeiten im fairen Wettstreit mit anderen misst, ein Riesengeschäft geworden. Mit den Amateuren werden Milliardenumsätze erzielt. Das US-Magazin Newsweek hat errechnet , dass 2011 während der March Madness 12,2 Milliarden Dollar umgesetzt wurden. 770 Millionen Dollar bezieht die NCAA aus ihrem 14-Jahres Vertrag mit dem TV-Sender CBS. 185 Millionen zahlten die Sponsoren. Allein ein 30-sekündiger Sekunden Werbespot, der während der Finalspieltage lief, kostete im Durchschnitt 1,2 Millionen Dollar. Auch im Football kann eine Universität durch die Teilnahme an einem der Finalspiele rund 22 Millionen Dollar verdienen, berichtet das Wall Street Journal .

Doch während die Universitäten und der Dachverband NCAA Milliarden verdienen, gehen diejenigen, um die es eigentlich gehen sollte, leer aus. Die Spieler bekommen keinen Cent. Ademola Okulaja hat miterlebt, wie sich die Trikots seines damaligen Teamkollegen und späteren NBA-Stars Vince Carter bereits gut verkauften, als der noch am College war. "Aber der Spieler", sagt Okulaja, "hat nie etwas davon abbekommen, auch nicht von den TV- oder Merchandising-Rechten. Es gab nur ein Stipendium". Dass die gefragten College-Amateure Geld mit ihrem Sport verdienen, widerspricht den Werten, die sich die NCAA auf die Fahnen geschrieben hat. "Um etwas zu ändern, müsste man ein gigantisches Fass öffnen und das wird keiner machen", sagt Okulaja.

Mittlerweile gibt es in den USA Stimmen, den Amateurstatus der Sportler aufzuheben und sie zu Angestellten ihrer Universitäten zu machen. Das aber würde dem US-amerikanischen Collegesportkonzept, in dem die Athleten in erster Linie studieren sollen, grundlegend widersprechen, so die NCAA. Der Sport soll für die Athleten eine Nebenbeschäftigung sein, sie sollen höchstes Niveau im Studium und im Sport abliefern.

Leserkommentare
    • kinnas
    • 02. April 2012 15:53 Uhr

    Universitäre Abschlüsse brauchen Zeit, Lernen braucht Zeit. Sport braucht auch Zeit.

    Will man in einem Wettbewerb Spitze sein, MUSS man - außer man ist ein Genie - beim anderen Abstriche machen.

    Die Abstriche werden nicht kleiner, wenn viel Geld im Spiel ist. Das ist eigentlich auch klar.

    • oh.stv
    • 02. April 2012 16:00 Uhr

    Mal wieder was "neues" aus dem Westen. Wenn es ums heucheln geht macht man den Amerikanern halt auch nicht so schnell was vor. Kann zu dem Thema auch diese Southpark Folge schwer empfehlen: "Crack Baby Athletic Association"

  1. Und ködert sie nicht mit Geld. Ob aus den vielen Talenten jemals große Profi-Sportler werden, ist fraglich. Der Wettbewerb ist brutal hart und nur die wenigsten schaffen es ganz nach oben und können ihren Lebensunterhalt mit Sport verdienen.

    Ich finde es allerdings in der Tat irre, welchen Stellenwert College-Sport in den USA genießt. Da sind schnell mal ganze Straßen leergefegt, wenn Notre Dame oder wer auch immer spielt.

    • dk9011
    • 02. April 2012 18:39 Uhr

    Ich habe kein Problem damit, wenn der Hochschulsport dem Profisport ein paar Werbemillionen (oder Milliarden) wegnimmt, wie dies in den USA sicher der Fall ist.
    Wenn man dann beklagt, dass die Athleten ausgebeutet werden, weil sie von den ganzen Einnahmen nichts sehen, übersieht man, welchen Wert so ein Stipendium in den USA hat- gerade den College-Sportlern fehlt es dort an nichts.

  2. sind doch wirklich zu bedauern, für wie naiv hält der Schreiber dieses Artikels diese Spitzen Sportler. Habe den
    College Basketball Sport vier Jahre lang erlebt und die
    armen Studenten gesehen, welche sich abplagen mußten für ein
    Butterbrot (:>))))) die dann mit ihrem Hummer oder Ferrari
    durch die Gegend fuhren in ihren ärmlichen Designer Klamotten führender Hersteller, alles von ihren Eltern und Verwandten gesponsert. Bei James Le Brown war dann mal eine kurze Aufregung über seinen von seiner armen Mutter finanzierten Lebensstil, da er ja nicht lange in der NCAA spielen wollte und gleich in die NBA kam. Jedenfalls sieht man in der NCAA meistens spannendere Spiele als in der NBA,
    da diese Jungs noch mit Eifer und fast unverdorben, bei der
    Sache sind. Habe die Finalrunde 2001 live erlebt, ein
    Genuss von Anfang bis Ende und trage Heute noch meine
    Base Ball Cap dieser Final Serie, hatte 3 Stück von den
    Spielern erhalten, die beiden anderen werden gehütet als
    unverbrauchtes Andenken.

  3. "I Am Charlotte Simmons" ("Ich bin Charlotte Simmons") von Tom Wolfe.

    Wolfes Roman ist zwar Fiktion, aber der Author hat offensichtlich extensive Recherchen zu dem Thema Collegesport durchgefuehrt, bevor er das Buch verfasst hat.

    Er stellt dar, wie schamlos der Collegesport auf dem Ruecken der Sportler kommerzialisiert wird und welche Akteuere welche Interessen verfolgen.

    Auch beschreibt Wolfe dass die Sportler zwar kein Gehalt erhalten, dafuer aber in der Regel mit Vollstipendien ausgestattet sind und diverse Sachleistungen seitens der Uni und Dritter erhalten, z.B. bessere Wohnraueme als die restlichen Studieren oder schicke Autos, die von talent scouts der Profivereine gezahlt werden.

    Zudem, und dieser Punkt wird oft vergessen, wird in dem Roman erlauetert, wie schnell es mit den ganzen Privilegien vorbei sein kann, wenn ein Collgesportler eben nicht den Sprung in die Profiteams schafft oder eine groessere Verletzung erleidet.

    Auch im wirklichen Leben schafffen es nicht alle von den Collegeteams in die Profiligen.
    Falls es dann fuer diese Athleten ganz bloed kommen sollte, haben sie dann keinen Profivertrag und keinen Collegeabschluss, da die akademischen Leistungen unter dem Sport gelitten haben.

    Hier sollten die Colleges Solidaritaet mit den Sportlern zeigen, die zwar keine Profis geworden sind, aber dem College trotzdem viel Geld eingebracht haben und z.B. ihnen dann trotzdem noch die Moeglichkeit geben, einen Collegeabschluss zu machen.

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  • Schlagworte Arne Duncan | Alba Berlin | College | Trainer | USA | MIT
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