US-Sport : Das Milliardengeschäft mit den College-Sportlern
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Stars auf dem Parkett, im Hörsaal aber nicht

Doch gerade das darf bezweifelt werden. Wenn viel Geld im Spiel ist, entsteht für die Universitäten auch eine Art Erfolgszwang, vor allem in den populären Sportarten. Gesunder Körper? Ja bitte! Beim Geist wird ab und an auch mal ein Auge zugedrückt.

Bessere Noten für Basketballer

Erst vor wenigen Tagen wurde Butch Davis, der Cheftrainer des Footballteams der University of North Carolina , entlassen, weil Spielern unter seiner Führung illegale Zahlungen, Gratisflüge und Hotelaufenthalte gewährt wurden. Er wollte sich im Werben um talentierte High-School-Spieler Vorteile verschaffen. Der sportliche Erfolg des 2007 engagierten Trainers kam zustande, weil die Athleten dazu angehalten wurden, sich mehr mit Football zu beschäftigen als mit dem Curriculum der Universität.

Die Website docsport.com listet nur einige der College-Basketball-Skandale der vergangenen Jahre auf: Da wurden Hausarbeiten für Spieler geschrieben, Basketballer erhielten bessere Noten, weil der Dozent der Sohn des Trainers war, Trainer zahlten die Universitätsgebühren ihrer Spieler, weil die eigentlich aufgrund ihrer Noten längst keine Berechtigung für ihre Sportlerstipendien mehr hatten. Auch von sexuellem Missbrauch wurde berichtet.

Das Problem schwacher akademischer Leistungen von College-Sportlern und niedriger Abschlussraten ist seit Langem bekannt. Die NCAA versucht dem entgegenzuwirken, indem sie als Bedingung für die Teilnahme an den Finalspielen einen Mindeststandard für die Abschlussraten der Spieler einer Universität festgelegt hat. 50 Prozent der Basketballer eines Teams müssen, gemessen über einen Zeitraum von vier Jahren, ihren Universitätsabschluss machen.

Kürzlich stellte der Bildungsminister Arne Duncan eine Studie vor , die sich mit den Abschlussraten unter College-Sportlern befasst. 13 der insgesamt 68 March-Madness-Teams ist in diesem Jahr nicht gelungen, die Standards der NCAA zu erfüllen. Ab 2015 dürften sie nicht mehr am Finalturnier teilnehmen. Auch wenn in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt wurden, räumt Duncan ein, dass gerade die Abschlussraten der großen Basketball-Colleges wie Vorjahressieger Connecticut oder Syracuse, Florida State und Indiana allesamt unter 50 Prozent liegen. Viele Athleten sind zwar auf dem Basketballparkett oder Footballfeld Stars, im Hörsaal aber nicht.


 

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Man muss einfach bedenken:

Universitäre Abschlüsse brauchen Zeit, Lernen braucht Zeit. Sport braucht auch Zeit.

Will man in einem Wettbewerb Spitze sein, MUSS man - außer man ist ein Genie - beim anderen Abstriche machen.

Die Abstriche werden nicht kleiner, wenn viel Geld im Spiel ist. Das ist eigentlich auch klar.

Lasst Sie studieren!

Und ködert sie nicht mit Geld. Ob aus den vielen Talenten jemals große Profi-Sportler werden, ist fraglich. Der Wettbewerb ist brutal hart und nur die wenigsten schaffen es ganz nach oben und können ihren Lebensunterhalt mit Sport verdienen.

Ich finde es allerdings in der Tat irre, welchen Stellenwert College-Sport in den USA genießt. Da sind schnell mal ganze Straßen leergefegt, wenn Notre Dame oder wer auch immer spielt.

Ist doch in Ordnung

Ich habe kein Problem damit, wenn der Hochschulsport dem Profisport ein paar Werbemillionen (oder Milliarden) wegnimmt, wie dies in den USA sicher der Fall ist.
Wenn man dann beklagt, dass die Athleten ausgebeutet werden, weil sie von den ganzen Einnahmen nichts sehen, übersieht man, welchen Wert so ein Stipendium in den USA hat- gerade den College-Sportlern fehlt es dort an nichts.