VerfassungsschutzNeonazis als Kickboxer

Der Brandenburger Geheimdienst warnt: Neben Fußballvereinen und Feuerwehren engagieren sich Neonazis nun auch in der Kampfsportszene. Von Thorsten Metzner von Thorsten Metzner

Kampfzone ist eine rechtsextreme Band aus Sachsen-Anhalt.

Kampfzone ist eine rechtsextreme Band aus Sachsen-Anhalt.  |  © Rene Tillmann/dpa

Neonazis in Brandenburg unterwandern Kampfsportvereine. Vor diesem neuen Trend warnt der aktuelle Verfassungsschutzbericht für das Land , den Innenminister Dietmar Woidke ( SPD ) am Donnerstag in Potsdam vorstellte. "Es wird versucht, Kampfsport als Plattform für rechtsextreme Agitation zu nutzen", sagte Verfassungsschutzchefin Winfriede Schreiber. "Es geht ihnen darum, sich selbst zur Waffe zu formen und diese auch einzusetzen."

In Brandenburg , so der Befund, habe sich bereits ein "rechtsextremistisches Kampfsportmilieu herausgebildet". Die Behörde sei die erste bundesweit, die mit einem eigenen, zehn Seiten starken Kapitel im Jahresbericht auf die "außerordentlich gefährliche Entwicklung" aufmerksam mache. Es gebe zudem Verbindungen vom Kampfsport zur Türsteherszene und "punktuell" auch zum Wachgewerbe.

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Der Kampfsport-Run fügt sich in das weitere Erstarken der militant-radikalen Neonazi-Szene ein, die mittlerweile 416 Aktivisten umfasst, 30 mehr als im Vorjahr. Die Sicherheitsbehörden beobachten das aus aktuellem Anlass sehr genau. "Wir können nicht ausschließen, dass Militanz in Terror umkippt", sagte Schreiber. Bislang habe man aber keine Erkenntnisse, dass es für die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund ( NSU ) im Land ein Unterstützernetzwerk gegeben hat. Dem Zulauf der Neonazi -Szene steht der anhaltende Niedergang der NPD gegenüber, die "auf verlorenem Posten" kämpft, sagte Schreiber. Die einzige rechtsextreme Partei Brandenburgs sei auf 350 Mitglieder geschrumpft, habe vom Ende der DVU nicht profitieren können. Allerdings sei die "Nazifizierung der NPD unverkennbar", so Woidke. Von "inneren Verschiebungen" abgesehen ist das rechtsextreme Potenzial in Brandenburg laut Verfassungsschutz mit 1.150 Personen "nahezu unverändert".

Dass Neonazis nach Hassmusik, Fußball , Online-Netzwerken und neuen Aktionsformen wie Fackelzügen nun die Kampfsportszene entdecken, ist kein Zufall. Sie hat sich auch hier erst in den vergangenen Jahren stärker entwickelt, meist in Initiativen, unterhalb klassischer Vereine. Kickboxen-Schaukämpfe, sogenannte Fight-Nights , sind gut besucht, mit einigen Hundert, manchmal bis tausend Gästen. Dabei knüpfe man daran an, sagte Schreiber, dass es in der Neonazi-Szene "eine hohe Affinität zum Körperkult" gebe, man lehne sich zudem bewusst an die Ästhetik des Nationalsozialismus an.

Als ein konkretes Beispiel nennt der Bericht den "semiprofessionellen" Cottbuser Kickboxer Markus Walzuck, einen bekannten Hooligan und Rechtsextremisten , der bei Turnieren mit Musik der rechtsextremistischen Band Blitzkrieg als "nationalrevolutionärer Krieger" aufläuft. Und das neonationalsozialistische Netzwerk Widerstand Südbrandenburg in der Lausitz , einem Schwerpunkt von Szene-Aktivitäten im Land, organisiert danach regelmäßig wie konspirativ "nationale Kampfsporttage": Für die werde über das einschlägige Internet-Szeneportal Spreelichter Werbung gemacht, mit eingeblendeten klaren ideologischen Botschaften: "Ein Kampf als körperliches Kräftemessen repräsentiert mehr als lediglich einen sportlichen Wettstreit junger Männer. Er ist Ausdruck eines inneren Dranges, eines Empfindens, welches uns zu anderen macht."

Trotz der unverminderten rechtsextremen Gefahr hält Woidke am Personalabbau beim Verfassungsschutz fest, der von derzeit 107 bis zum Jahr 2014 auf 90 Mitarbeiter verkleinert werden soll. Diese Sparpläne, die noch auf seinen Vorgänger Rainer Speer (SPD) zurückgehen, stoßen weiter auf heftige Kritik – insbesondere bei der CDU- und FDP-Opposition im Landtag.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • DeBer
    • 30. März 2012 18:06 Uhr

    in 'besseren Kreisen' braucht man gar nicht erst zu suchen, dort schließt sich rechtes Gedankengut von selbst aus.

    Sarazzin schwätzt doch nur das nach was er sein lebenlang Zutritt in die Ämter verschafft hat. Zu behaupten NAZIS gibt es nur in subkulturen und auf der Straße ist doch der größte Unfug.

    Machen Sie zur Erinnerung doch mal wieder einen Bericht darüber wo Adolf Hitler sein Geld herbekam. Und sagen Sie jetzt nicht von Kick-Boxern.

  1. da man es erfahrungsgemäß bei straßenschlägern nicht mit sportlern und trainierten kämpfern zu tun hatt,
    da es ja unsportlich ist auf schwächere und solche die nicht ebenfals den kampf suchen loszugehen, sowie jeder denkbaren (kämpfer)ehre wiedersprechend.
    wenn sie sich hingegen in den ring stellen ist es doch eine positive entwicklung

    • MichiH
    • 30. März 2012 18:54 Uhr

    für die 1a Analyse...nicht. Vielleicht sollten Sie mal einen Kampfsportverein aufsuchen. Also hier in München hat´s dort in der Regel einen "Ausländeranteil" (Migrationshintergrund?) der deutlich über dem der Landeshauptstadt von 25 % liegt meiner Erfahrung nach dürfte das auch auf andere Gegenden zutreffen. Ich denke nicht das ein Nazi bei uns seine Freude hätte!

    Tendenziell ist "der Nazi" doch - auch bei höherem Bildungsabschluss - eher einfach gestrickterer Natur. Trinkt ganz gerne mal ein paar Bierchen und schaut sich Sportevents mit seiner Gang an und genau das ist es auch was diese Gruppierung gerne zu Kampfsportveranstaltungen treibt. Aus eigener Erfahrung und auch den gängigen Kampfsportforen lässt sich entnehmen, dass sich besonders im Osten der Republik bei solchen Events ein großer Anteil an nicht fachkundigem und der rechten Szene zurechenbarem Publikum ausmachen lässt. Das finden wir Kampfsportler ebenso wenig gut, wie die Versuche der Presse aus ein paar gröllenden und saufenden Zuschauern "Kampfsportler" machen zu wollen.

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    • Hoplon
    • 31. März 2012 10:52 Uhr

    Ich war einmal auf einer Veranstaltung in Chemnitz, vor ein paar Jahren. Wir hätten den Nazianteil der Zuschauer anhand von Kleidung und Parolen auf etwa 90% geschätzt. Beim Anteil der Nazikämpfer etwa bei 50% (einer hatte sogar ein Tatu mit einem Lanzer mit Hakenkreuz auf der Wade).
    Das interessanteste an der Geschichte ist, das es später Videos gab die vom Veranstalter kommerziell vertrieben wurden. Als ein Bekannter ein Vid dieser Veranstalter erwerben wollte, kam als Reaktion nur eine Mail in der der Verkauf dieses Videos aus persönlichen Gründen abgelehnt wurde. Der Verdacht drängt sich auf das hier potentielle Gegner ausspioniert wurden und man von den eigenen Leuten kein Bildmaterial rausgeben wollte.

    Das es in Städten mit höherem Ausländeranteil ganz anders aussehen kann, will ich gar nicht abstreiten. Aber aus den eigenen Erfahrungen in München darauf zu schließen, das es diesen Trend nicht gibt ist fast schon fahrlässig. Besonders beliebt bei Nazis scheinen die Kampfsportarten Boxen, KickBoxen, Muay Thai und MMA zu sein.
    Alles Dinge die auch straßenkampftauglich sein können.
    Straßenkampf widerum benötigt man wenn man national befreite
    Zonen einrichten will.
    Die Szene scheint sich zunehmend zu radikalisieren, auf beiden Seiten. Kampfsport ist nur die Spitze des Eisbergs.

    @Takewondo Meister
    Ich bin nicht der Meinung das sich alle Trainer und Meister dafür interessieren und auch nicht kontrollieren können was ihre Schüler in der "Freizeit" so treiben.

    • uweo
    • 30. März 2012 19:03 Uhr

    Müssen die Rechten mit Puppen spielen oder ist Steinewerfen die bessere Sportart?
    Fast alle derzeitigen deutschen Kampfsportweltmeister haben Migrationshintergrund. Sport verbindet.

  2. Ich kann lediglich nicht erkennen, dass das eine neue Entwicklung ist. Neo-Nazis die in "Wehrsportgruppen" gibt's schon ewig.

    Mich würde interessieren wo die trainieren. Denn tatsächlich sind die zentren der großen Städte keine guten Orte um sich offen als Nazi zu erkennen zu geben.

  3. Erstens einmal steht zwischen einer Kampfsport-Ausbildung und dem jeweiligen Menschen immer noch der Meister der dafür verantwortlich ist. Und spätestens bei uns fliegen Menschen die sich nur prügeln wollen oder Ähnliches sofort aus dem Verein raus oder sie kommen erst gar nicht rein - so etwas gab es auch schon.
    Ich kann überhaupt nicht verstehen warum ein Meister überhaupt derartig unverantwortlich handeln kann, denn letztlich schadet er nicht nur seiner Schule sondern auch dem Sport an sich.

    Zweitens ist, wie MichiH schon sagt der Migrationsanteil bei Kampfsportlern ziemlich hoch, was noch dazu kommt.

    Und noch eine dritte Sache: In Deutschland ist man als Kamfpsportler spätestens vor Gericht dran, da schon teilweise offensichtliche Selbstverteidigung als schwere Körperverletzung gewertet wird. Eine ausgesprochene körperliche Drohung ist eine schwere Nötigung.

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    mag das ja zutreffen. In den östlichen Bundländern ist die Situation jedoch ganz anders. Diesem rechts zuzuordnenden Klientel geht es auch nicht darum, sich sportlich und ehrenvoll zu betätigen bzw. zu verhalten. Man trainiert, wie man effektiv "Gegner" ausser Gefecht setzen und sich gegen andere Trainierte effizient wehren kann. Deswegen auch Kickboxen und nicht z.B. Taekwondo. Wing Tsun kommt wahrscheinlich als nächstes bei denen in's Programm um das Können abzurunden... Eines können Sie mir glauben, diese Art von "Kampfsportler" interessiert es nicht im geringsten, ob man als Kampfsportler vor Gericht eine höhere Strafe aufgebrummt bekommen könnte...

    ob es da nicht einen Unterschied zwischen "Trainer" und "Meister" gibt. Bei den asiatischen Kampfsportarten, z.B. Tae Kwon Do, liegt meiner Ansicht nach eine stärkere psychologisch-zwischenmenschliche Komponente vor, sodass der Meister durchaus über Einfluss auf das Wesen seines Schützlings verfügt. Aber gilt dies auch für westliche Boxsportarten? Ist hier der Instruktor nicht lediglich jemand, der Anweisungen hinsichtlich Kraft- und Techniktrainings gibt und als Sparring-Partner fungiert?

  4. 7. achso

    die tragen ihre glatze nicht als reminiszens an eine afrokaribische jungkrimionellenmode die gewaltbereischaft simbolisieren sollte, wie es all die unpolitischen skinnheads tun, von denen einige stilvoll genug sind nicht opfer sondern gegner zu suchen??
    sondern?????

    Antwort auf
    • keibe
    • 30. März 2012 21:52 Uhr

    "Es geht ihnen darum, sich selbst zur Waffe zu formen und diese auch einzusetzen."

    Ich finde, dass neben der Antifa ein bisschen körperliche Betätigung auch der Masse der Bevölkerung wohl täte. Nennt sich dann Volkssport, um den rechten Waffenformern ein gewisses, körperlich-demokratisches Element entgegen zu setzen.

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  • Schlagworte SPD | CDU | Dietmar Woidke | NPD | DVU | Hooligan
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