Dortmund gegen BayernDas Duell Kollektiv gegen Individuum, Wissen gegen Ressource

Jürgen Klopp entwickelt, Uli Hoeneß kauft. Im Spitzenspiel treffen heute zwei Fußball-Ideen aufeinander. Eine monothematische Bundesliga-Vorschau

Jupp Heynckes und Jürgen Klopp vertreten zwei Vereine und zwei Konzepte.

Jupp Heynckes und Jürgen Klopp vertreten zwei Vereine und zwei Konzepte.

Wer spielt heute gegen wen?

Borussia Dortmund – Bayern München
Hannover 96 – VfL Wolfsburg
1. FC Nürnberg – Schalke 04
Bayer Leverkusen – 1. FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim – Hamburger SV (alle heute, 20 Uhr)

Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach 2:2
FSV Mainz – 1. FC Köln 4:0
Hertha BSC – SC Freiburg 1:2
FC Augsburg – VfB Stuttgart 1:3

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Das kann heute nur eine rhetorische Frage sein. Erster gegen Zweiter, Meister gegen Ex-Meister (ab 19.30 Uhr im Live-Blog und via Potthopper auf Twitter). Eine solche Aufmerksamkeit bindet ein einziges Bundesligaspiel nur alle Schaltjahre, zuletzt im Dezember 2008 Bayern gegen Hoffenheim, zuvor Bayern gegen Bremen 2004. Deswegen heute eine monothematische Vorschau.

Schon die Formkurven versprechen Unterhaltung. Seit der Niederlage in Leverkusen Anfang März, durch die der Rückstand auf den BVB auf sieben Punkte gewachsen war, haben die Bayern unter dem souveränen Jupp Heynckes nur noch gewonnen. Man könnte auch sagen, seit Philipp Lahm seine Abwehrseite nach rechts gewechselt hat und David Alaba auf links verteidigt. Eine kleine taktische Änderung mit großer Wirkung auf die Statik des Teams. Borussia Dortmund ist nach durchwachsenem Saisonstart seit dreiundzwanzig Spielen ungeschlagen, hat in der Rückrunde von elf Spielen nur zwei nicht gewonnen.

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Es ist das Duell System gegen Technik, Kollektiv gegen Individuum, Wissen gegen Ressource. Oder noch zugespitzter: Jürgen Klopp entwickelt, Uli Hoeneß kauft. "Wir haben die besseren Spieler", beschwören die Bayern, für die die halbe deutsche Nationalmannschaft aufläuft, ergänzt durch die Stars Arjen Robben und Franck Ribéry. Der Kader der Bayern ist (noch) zwei bis drei Mal so teuer wie der der Borussia. Doch genügt es, die besseren Spieler zu haben? Für die Dortmunder spricht, dass sie ihr System seit fast vier Jahren unter dem Trainerteam um Klopp einstudiert und verinnerlicht haben. Dortmund hat gegenüber Bayern einen zeitlichen und taktischen Vorsprung. Weil Klopp zuerst defensiv denkt, beteiligen sich alle Spieler stets und aggressiv an der Balleroberung, um sodann schnell und steil auf Angriff umzuschalten. Stürmer, die bei der Verteidigung nicht mitziehen, schickt er nach Hamburg. Ein solch stetes und koordiniertes Pressing können die Münchner nicht spielen, auch weil sie weniger laufen. Sie punkten dagegen mit breitangelegtem, offensivem, selbstbewusstem Ballbesitzfußball, dessen Spur bis Louis van Gaal zurückführt. Auf allen Positionen sind sie technisch auf hohem bis höchstem internationalen Niveau besetzt. Dennoch geht der BVB erstmals seit den Neunzigern favorisiert in die Begegnung, wenn auch nur leicht. Beste Vorzeichen für einen aufregenden Abend:

Welche Spiele können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Alle anderen. So spannend und morbide der Abstiegskampf in Nürnberg und Hamburg sein mag, so sehr wir uns fragen, ob Hannover seine Position als Nummer Eins Niedersachsens im Derby gegen Wolfsburg festigen wird und so gerne wir Michael Ballack, den Günter Grass des Fußballs, bei einem seiner letzten Spiele in der Bundesliga begleiten würden – heute müssen sie alle zurückstecken.

Wer steht im Blickpunkt?

a) bei den Bayern

Auf Manuel Neuer kommt es bei den Bayern selten an, zu gut ist die Abwehr, zu wenige Schüsse gelangen auf sein Tor. Gegen Dortmund steht aber meist der Tormann des Gegners im Blickpunkt. Neuer ist einer der Weltbesten, auch wenn er immer wieder mal einen Patzer einstreut, wie im Januar gegen Gladbach oder vor zwei Wochen in Nürnberg, als die Bayern mit dem Schrecken eines Pfostenschusses davon kamen. Heute könnte Neuers Stunde schlagen, an guten Tagen wachsen diesem Mann acht Arme, besonders gerne im Westfalenstadion. Sollte Neuer den Dortmundern um Kevin Großkreutz die Schale wegnehmen, könnten ihm vielleicht sogar einige Schalke-Fans verzeihen.

b) bei den Dortmundern

Bei den Dortmundern darf man auf den Auftritt von Ilkay Gündogan gespannt sein. Er ist das beste Beispiel dafür, dass Klopp seine Spieler besser macht. Natürlich nicht von heute auf morgen. Bis vor kurzem galt Gündogan fast als Fehleinkauf, in den vergangenen Spielen war er Dortmunds auffälligster Spieler. Er ist technisch stark, ein guter Dribbler und Passspieler, wendig und für einen defensiven Mittelfeldspieler extrem schnell. Zuletzt trat er regelmäßig als Vorbereiter und Torschütze in Erscheinung. Die Frage ist allerdings: Darf er heute überhaupt von Anfang an ran? Oder entscheidet sich Jürgen Klopp für die defensive Doppel-6-Variante Sven Bender und Sebastian Kehl? Für die Taktikexperten von Spielverlagerung ist die Gündoganfrage die Gretchenfrage. Vielleicht denkt der Meistertrainer bei dieser Entscheidung an das Spiel vor zwei Wochen gegen Stuttgart, als er den überragenden Gündogan bei einer 2:0-Führung auswechselte. Gut zehn Minuten später führte der Gegner.

Worüber werden nach dem Spiel alle reden?

Vor dem Hinspiel träumten die Bayern laut von einem 3:0, inzwischen geben sie sich wider ihre Natur zurückhaltend. Kampfansagen bleiben nahezu aus, so dass man sich fast Sorgen um Uli Hoeneß machen muss. Die Dortmunder protzen unter Klopp und dem Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ohnehin mit Bescheidenheit. Die Ruhe kann uns nicht täuschen, zwischen beiden Vereinen herrscht ob beidseitig hohem Rechthaberpotenzial eine enorme Rivalität. Daher gilt die Wette: Wenn die Bayern nicht verlieren, werden sie auf ihre größte Stärke, die psychologische Kriegsführung, setzen. Dann ist die Zeit des Oberhäuptlings Hoeneß gekommen.

Was ist sonst noch wichtig?

Um ehrlich zu sein, nichts. Heute schaut ganz Fußballdeutschland nach Dortmund. Wenn nicht alles täuscht, wird das auch künftig so sein. Es soll ja Leute geben, denen es egal ist, wer Meister wird, Hauptsache nicht die Bayern. Die werden heute mit dem BVB fiebern. Sie sind es gewohnt, dass die Chance, die Bayern zu überflügeln, nicht jedes Jahr kommt. Doch mit Dortmund wird auch künftig zu rechnen sein. Anders als die Zufallsmeister Wolfsburg (2009), Stuttgart (2007) und Dortmund selbst (2002), ist die Borussia unter Klopp nicht auf einen Durchhänger der Bayern angewiesen. Denn die Bayern spielen ein starkes Jahr. "Dass in einer Saison zwei Teams die 70-Punkte-Marke deutlich überschreiten werden, spricht für die Stärke beider Teams", sagt Watzke. Hoeneß begrüßt es sogar, dass es nach langer Zeit mal wieder einen Konkurrenten gibt, der es ihm auf Dauer schwer machen wird. Er weiß, die Konkurrenz aus dem Westen hebt nicht nur das sportliche und finanzielle Niveau der Liga, sondern auch das der Bayern.

Was ist das Zitat vor Anpfiff?

"Es ist ein Duell zwischen Mia san Mia und wir sind Fußball."

Jürgen Klopp

 
Leserkommentare
  1. Ehrlich gesagt ist mir das Getöse um die Meisterschaft und das damit verbundene Duell zwischen Dortmund und München herzlich egal - zumindest verglichen mit dem katastrophalen Auftritt meines Vereins (ich denke nicht, dass man den Namen noch nennen muss). Zudem glaube ich, dass auch den Fans der meisten übrigen Vereine das Spiel ihres Teams wichtiger ist, als das "Spitzenspiel".

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    FCK.

    Damit liegt man so oder so nicht falsch.

    Herzliches Beileid.

    FCK.

    Damit liegt man so oder so nicht falsch.

    Herzliches Beileid.

  2. 3. :)...

    Dann sind wir wohl für den Dortmunder Höhenflug verantwortlich: Ich habe Kagawa verkauft ;)

  3. FCK.

    Damit liegt man so oder so nicht falsch.

    Herzliches Beileid.

  4. Bayern gewinnt. Dann brechen beide Vereine ein und der S04 wird Meister 8).
    Habe nie verstanden, warum einige meiner Fan-Kollegen sich so über Neuers Wechsel aufregen. Einem duetschen Spieler sollte man zu gestehen, das er in der B-Liga wechselt. Und wo soll er dahin, wenn nicht zu den Bayern? BVB geht nun gar nicht und Freiburg, Leverkusen, Hannover .. da hätte man ja eine seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln müssen.

    Abstieg: Schön, dass es in dieser Saison 2 Vereine erwischt, die für ihr Missmanagement bestraft werden. Beim FCK ist sportlich kaum mehr drin, aber der andere FCK und der Haupstadtverein sind an der Unfähigkeit des Managements gescheitert.

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    "Schön, dass es in dieser Saison 2 Vereine erwischt, die für ihr Missmanagement bestraft werden. Beim FCK ist sportlich kaum mehr drin, aber der andere FCK und der Haupstadtverein sind an der Unfähigkeit des Managements gescheitert."
    Es gibt nicht 2 FCK. Es gibt einen FCK und einen FC.
    Letzterer ist eigentlich der wesentlich grlorreichere Verein - umso bitterer, dass er sich zur Zeit gnadenlos in alle erdenklichen Einzelteile zerlegt.

    "Schön, dass es in dieser Saison 2 Vereine erwischt, die für ihr Missmanagement bestraft werden. Beim FCK ist sportlich kaum mehr drin, aber der andere FCK und der Haupstadtverein sind an der Unfähigkeit des Managements gescheitert."
    Es gibt nicht 2 FCK. Es gibt einen FCK und einen FC.
    Letzterer ist eigentlich der wesentlich grlorreichere Verein - umso bitterer, dass er sich zur Zeit gnadenlos in alle erdenklichen Einzelteile zerlegt.

    • socap
    • 11.04.2012 um 14:20 Uhr

    Schweinsteiger, Lahm, Müller, Alaba, Badstuber, knapp die Hälfte der Bayern Elf ist nicht gekauft sondern entstammt der eigenen Jugend. Der Vorwurf, Bayern kaufe nur, hält sich schon lange nicht mehr. Dass eine Spitzenmannschaft Tospieler dazu kauft ist normal, und bei Dortmund nicht anders (Lewandowski, Kagawa, Reuss etc.).

    7 Leserempfehlungen
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    Der Punkte ist eher, dass man bei Bayern am meisten Respekt vor der Offensive hat. Und die besteht nun mal aus Ribery, Robben und Gomez.

    Diese drei schießen bei Bayern die Tore und sind es, die den Gegnern Respekt einflößen. Einen ähnlich hohen Ruf wie diese drei teuer bis sehr teuer eingekauften Spieler hat bei Bayern sonst nur noch Schweinsteiger und Lahm. Und möglicherweise Neuer, aber der wurde ja auch teuer eingekauft.

    Der Punkte ist eher, dass man bei Bayern am meisten Respekt vor der Offensive hat. Und die besteht nun mal aus Ribery, Robben und Gomez.

    Diese drei schießen bei Bayern die Tore und sind es, die den Gegnern Respekt einflößen. Einen ähnlich hohen Ruf wie diese drei teuer bis sehr teuer eingekauften Spieler hat bei Bayern sonst nur noch Schweinsteiger und Lahm. Und möglicherweise Neuer, aber der wurde ja auch teuer eingekauft.

    • E.Wald
    • 11.04.2012 um 14:23 Uhr

    Da freut man sich auf einen Preview und dann das:
    "Es ist das Duell System gegen Technik, Kollektiv gegen Individuum, Wissen gegen Ressource. Oder noch zugespitzter: Jürgen Klopp entwickelt, Uli Hoeneß kauft."

    Ehrlich, glaubt das jemand, also wirklich ernsthaft? Auch, nachdem man ein wenig darüber nachgedacht hat?
    Von jemandem, der das glaubt, möchte ich gerne die Antwort, wie Bayern es schaffen konnte, in 3 Jahren zweimal das CL-Halbfinale zu erreichen, teilweise gegen Mannschaften, die wesentlich mehr Geld für ihre Spieler ausgeben und individuell besser besetzt sind als Bayern; von der gerade in letzten Zeit extrem erfolgreichen Jugendarbeit abgesehen (siehe: Nationalspieler aus der Bayernjugend). Alles Dusel und Bayernbonus, nä.

    Ist es wirklich so schwer zu sehen, dass es verschiedene Systeme gibt, auch wenn das Modell Dortmund gerade en vogue ist? Ich finde es schade, dass die Diskussion in Deutschland nicht über das Wiederholen von Stereotypen hinauskommt, das ist so öde. Als wäre Fussballtaktik nicht auch ein weites Feld mit vielen Optionen und interessanten Konstellationen.
    Ich habe bei dem obigen Zitat aufgehört zu lesen. Lieber investiere ich die Zeit, im Internet nach Previews zu suchen, die umfassend informieren und die sich bewusst sind, dass Fussball mehr Möglichkeiten bietet als das eine einzige Spielsystem Dortmunds.

    3 Leserempfehlungen
    • Papera
    • 11.04.2012 um 14:25 Uhr

    "Es ist das Duell System gegen Technik, Kollektiv gegen Individuum, Wissen gegen Ressource. Oder noch zugespitzter: Jürgen Klopp entwickelt, Uli Hoeneß kauft."
    Bei allem Lob für Jürgen Klopps Händchen beim Kauf und bei der Entwicklung junger und talentierter Spieler, aber es sollte mittlerweile an der Zeit sein, das Klischee über den Krösus aus München, der der Konkurrenz die Klassespieler wegkauft, fallen zu lassen.
    So werden heute Abend bei den Bayern (und auch bei Dortmund mit Mats Hummels) sicherlich bei weitem mehr Spieler aus der Münchner Fußballschule auflaufen als aus der Dortmunder... Und dass Dortmund nur auf billige und unbekannte Spieler setzt, kann seit dem Reus-Transfer auch nicht mehr behauptet werden.

    Aber wer auch immer spielt... Hoffen wir auf ein schönes und spannendes Fußballspiel...

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    Redaktion

    @Papera: Ein Kommentar ist die dramatische Zuspitzung einer nicht haltbaren These.

    @E.Wald: Ich hab nach Ihrer ersten Zeile aufgehört, weiterzulesen.

    Redaktion

    @Papera: Ein Kommentar ist die dramatische Zuspitzung einer nicht haltbaren These.

    @E.Wald: Ich hab nach Ihrer ersten Zeile aufgehört, weiterzulesen.

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