Champions League : Bayern hat, was Dortmund fehlt

Der Triumph von Madrid zeigt, dass der FC Bayern alles mitbringt, was man in Europa braucht: Nehmerqualitäten, Reife und Potenz, kommentiert O. Fritsch.
Mannschaft mit Steherqualitäten: Bayern München beim Elfmeterschießen © Christof Stache/Bongarts/Getty Images

Eine Szene zu Beginn des Spiels in Madrid beschreibt die Stärke des FC Bayern am besten: David Alaba hat gerade einen unberechtigten Elfmeter verursacht, der sein Team in Rückstand brachte und ihm eine Gelbe Karte einbrachte, die ihn in einem möglichen Finale nur zuschauen lassen würde. Ein paar Sekunden später nur schnappt sich der 19 Jahre junge Außenverteidiger den Ball, rennt nach vorne, vorbei an vier verstörten Madrilenen und bereitet die Chance zum Ausgleich vor. Arjen Robben nutzt sie zwar nicht, doch Alabas Lauf ist ein zweifaches Signal. Der eigenen Mannschaft macht es Mut, dem Gegner zeigt es Verwundbarkeit.

Kein Verzagen, sofort zurückschlagen – das ist der FC Bayern in dieser Champions League. Wie die Enttäuschung der verpassten Meisterschaft hat die Mannschaft den Rückstand in Madrid weggesteckt und eine der weltbesten Mannschaften, den wohl kommenden spanischen Meister, ausgeschaltet . Auch die internen Konflikte der vergangenen Monate haben der Heynckes-Elf in den entscheidenden Momenten nicht die Konzentration nehmen können, auch weil ihr erfahrener Trainer sie gut moderiert hat.

Überragt haben die Bayern in dieser Europapokalsaison eigentlich nur gegen Madrid. Doch auch in den Spielen zuvor waren sie stets souverän, nie am Rande des K. o. Man muss den Vergleich der beiden besten deutschen Vereine nicht überstrapazieren und auch die Unberechenbarkeit des Fußballs bedenken – doch für Borussia Dortmund war fast jedes Gegentor von Marseille , Piräus und Arsenal ein Wirkungstreffer, der das junge Team aus dem Konzept brachte.

Was in der Champions League gefragt ist, muss der Deutsche Meister noch lernen. Bayern, aber auch der Finalgegner Chelsea , haben es in zwei denkwürdigen Halbfinals vorgemacht. Weniger taktische Feinheiten haben mit ihnen gesiegt, sondern Nehmerqualitäten, Reife, im Fall der Bayern auch die Nerven am Elfmeterpunkt. Oder, um den völlig ausgelaugten Spielmacher und Siegtorschützen Bastian Schweinsteiger zu umschreiben, Potenz.

Das "Finale dahoam", ein Novum in der Champions League, belohnt die Bayern für eine Saison, in der sie trotz dünnem Kader in allen drei Wettbewerben den Ton mitangeben. Der 19. Mai wird ein emotionaler und historischer Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Es ist die zweite Endspielteilnahme in den vergangenen drei Spielzeiten, die vierte in den vergangenen vierzehn. Der FC Bayern München , die gefürchtete wie respektierte "Bestia Negra", bleibt ein Schwergewicht im internationalen Fußball. Als einziger deutscher Verein. Und als einer der wenigen in Europa ohne Schulden.

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Kommentare

197 Kommentare Seite 1 von 22 Kommentieren

Lernfähig

"Was in der Champions League gefragt ist, muss der Deutsche Meister noch lernen."

Danke - das ist, in Bezug auf den BVB, der wichtigste Satz im Kommentar. Sie müssen lernen. Richtig. Und das wollen sie auch. Sie wollen/müssen die Erfahrungen selber sammeln und nicht einkaufen.
Und das sollte sich in der nächsten Saison schon bemerkbar machen (hoffentlich).

Glückwunsch an den FCB! Tolles Spiel, nie aufgegeben und verdient im Finale!