Borussia DortmundKlopp kauft keine Ferraris, er baut sie sich

Der Grund für den Dortmunder Aufschwung heißt Jürgen Klopp. Seit vier Jahren feilt er an einer Spielidee. Die Bayern rätseln, wie sie reagieren sollen. Ein Kommentar von 

Akribischer Entwickler: Jürgen Klopp

Akribischer Entwickler: Jürgen Klopp  |  © Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images

Es war knapp, am Ende half Glück, und die Meisterschaft ist noch nicht entschieden. Doch wer die beste Mannschaft der Bundesliga ist, hat Borussia Dortmund beim 1:0 gegen Bayern München bewiesen.

Der Grund für den anhaltenden Aufschwung heißt Jürgen Klopp. In Dortmund prägt der Trainer seit vier Jahren Mannschaft und Verein. Mit seinem hochqualifizierten Team feilt er an seiner Spielidee und Verteidigungsstrategie, entwickelt seine Mannen taktisch und macht sie durch spezielles Training gedanklich schneller. Er kauft keine Ferraris, er baut sie sich.

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Um den Erfolg zu ermessen, muss man sich vor Augen führen, dass ihm drei Protagonisten des Meisterjahrgangs 2011 in diesem Jahr nicht oder nur bedingt zur Verfügung stehen: Nuri Sahin wurde verkauft, Mario Götze fiel rund die Hälfte der Saison aus, Lucas Barrios fehlte anfangs verletzt und wurde dann wegen einer Sinnkrise ersetzt. Macht nichts, Dortmunds Abhängigkeit von Einzelspielern ist gering, weil im System des Trainers Klopp jeder Spieler besser werden soll.

Drei Beispiele: Robert Lewandowski galt im Vorjahr als Chancentod. In dieser Saison schoss er zwanzig Tore, gestern war er nicht nur Schütze des Tages, sondern auch spielerisch seinem Gegenüber Mario Gomez überlegen. Ilkay Gündogan bezeichneten selbst BVB-Fans vor acht Wochen als Fremdkörper, nicht erst seit gestern schneidet er mit seinen Pässen die gegnerische Abwehrreihen auf, zudem verteidigt er sehr geschickt. Jakub Blaszczykowski wirkte lange wie Mittelmaß. Ein Irrtum, wie in der Rückrunde und gestern zu sehen war. 

Der Konkurrent aus München legt ein anderes Verständnis an den Tag. Dort ist der ehemalige Manager Uli Hoeneß das Gravitationszentrum. Seine Prioritäten sind wirtschaftliche Potenz, familiäre Atmosphäre, großes Selbstbewusstsein. Damit hat er dem FCB über Jahrzehnte Erfolge beschert. Doch seine sportlichen Leitbilder wechseln mit den Trainern, und das recht häufig.

Ob unter seiner Führung der FC Bayern sein Konzept je ändern wird, ist fraglich. Doch spätestens jetzt, nach der vierten Niederlage in Serie gegen Dortmund, dürfte Hoeneß ins Grübeln kommen. Er sollte wissen, dass es einer Menge geduldiger Detailarbeit bedarf, um den sportlichen Rückstand aufzuholen. Er braucht einen starken Trainer, der es mit dem Geist und dem Entwicklungsdrang von Klopp auf Dauer aufnehmen kann. Ob der bald 67-jährige Jupp Heynckes , der seine Elf immerhin ins Champions-League-Halbfinale geführt hat, ihm diese langfristige Perspektive bietet? Und wenn nicht er, wer dann?

Bayern muss fürchten, dass Klopp über Jahre in Dortmund bleiben wird, zumal er in der Champions League noch liefern muss. Unter ihm wird das junge Team um Borussia Dortmund sehr wahrscheinlich noch besser. Über Ivan Perisic hörte man diese Saison oft, er sei ein Ersatzmann. Intern gehen sie in Dortmund davon aus, dass er in der neuen Saison regelmäßig Tore schießen wird.

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Leserkommentare
  1. Das fantastische Publikum in Dortmund, die endlich seriöse Vereinsführung und der begeisterungsfähige und visionäre Trainer ermöglichen ein Umfeld in dem Spieler wachsen und Freude am Spiel haben. - Es ist wirklich fazinierend, wie leicht Ausfälle kompensiert werden. Hut ab, Dortmund.

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    Endlich ein Gegenpol zur Bayern Dominanz. Die Vereinsführung des BVBs sind nach aussen hin wirklich seriös und vermitteln eine vernuftsbegabte und rationelle Führung. Ein Toptransfer steht schon seit der Winterpause fest, Reus, der aber immernoch 100% für seinen aktuellen Verein macht. Das zeigt, dass Spieler geholt werden, die mit vollem Herzen dabei sind. Falls Kagawa nächste Saison wechseln sollte, ist die Mannschaft von Dortmund aber immer noch so breit aufgestellt, dass es weiterhin möglich sein wird, ganz oben mitzuspielen. Spieler wie Gündogan werden nicht hängen gelassen, Kuba kriegt seine Chance und nutzt sie und auch ein Perisic ist ein Spieler, der in letzter Zeit wieder in's Rampenlicht gerückt ist. Für mich persönlich ist das ein modernes Führungssystem, wo der Spieler im Mittelpunkt steht und die Früchte werden jetzt abgepflückt.
    Dortmund, mach weiter so, endlich ist die Meisterschaft wieder spannend.
    Andere Mannschaften scheinen der Idiologie eines Klopps zu folgen. Hannover ist auch ein Beweis dafür, dass die Liga spannend ist, ein sonst abstiegsbedrohter Verein schafft es ins Virtelfinale der Euro Leauge.

  2. Endlich ein Gegenpol zur Bayern Dominanz. Die Vereinsführung des BVBs sind nach aussen hin wirklich seriös und vermitteln eine vernuftsbegabte und rationelle Führung. Ein Toptransfer steht schon seit der Winterpause fest, Reus, der aber immernoch 100% für seinen aktuellen Verein macht. Das zeigt, dass Spieler geholt werden, die mit vollem Herzen dabei sind. Falls Kagawa nächste Saison wechseln sollte, ist die Mannschaft von Dortmund aber immer noch so breit aufgestellt, dass es weiterhin möglich sein wird, ganz oben mitzuspielen. Spieler wie Gündogan werden nicht hängen gelassen, Kuba kriegt seine Chance und nutzt sie und auch ein Perisic ist ein Spieler, der in letzter Zeit wieder in's Rampenlicht gerückt ist. Für mich persönlich ist das ein modernes Führungssystem, wo der Spieler im Mittelpunkt steht und die Früchte werden jetzt abgepflückt.
    Dortmund, mach weiter so, endlich ist die Meisterschaft wieder spannend.
    Andere Mannschaften scheinen der Idiologie eines Klopps zu folgen. Hannover ist auch ein Beweis dafür, dass die Liga spannend ist, ein sonst abstiegsbedrohter Verein schafft es ins Virtelfinale der Euro Leauge.

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    • Dirac
    • 12. April 2012 16:35 Uhr

    1./3./2./3./2.
    Bremer Platzierungen zwischen 2003 und 2008.
    Damals hieß es, nur die Bremer können die Bayern schlagen.
    Außerdem war das die einzige andere Mannschaft, die 4 mal in Folge gegen die Bayern gewinnen konnte.
    Schaaf galt es Wundertrainer, der aus damals unbekannten Spielern wie Micoud, Ailton, Klose, Pizarro, Diego Weltklasse-Spieler formte und immer, wenn einer verkauft wurde, rückte ein anderer in das System-Schaaf und lieferte Topleistungen ab.
    Davor galt das gleiche für die Hitzfeld-Dortmunder.
    Langfristig gesehen halten das die Konkurrenzvereine zum FCB nicht durch.

    Ich wünsche mir, dass der BVB es anders machen kann.
    Doch in 3 Jahren sehe ich Kagawa, Götze und Bender in England;
    Reus, Gündogan und Lewandowski in Spanien;
    und Hummels wird wieder bei den Bayern landen.

    Denn Dortmund hat ein großartiges Stadion, Super-Fans und den besten Trainer der Bundesliga. Doch so schnell lässt sich kein Name, keine Tradition, Größe oder Strahlkraft aufbauen, wie sie in Manchester, London, Liverpool, Madrid oder Barcelona vorzufinden ist.
    Unabhängig vom momentanen Erfolg ist es immer noch ein Unterschied, für Borussia Dortmund oder Manchester United bzw. Real Madrid zu spielen.

  3. zum ersten mal könnte den bayern tatsächlich ein langfristiger konkurrent erwachsen - eine situation, die der münchner führungsetage deutlich sichtbar den schweiss auf die stirn treibt. die altbewährte taktik des wegkaufens von talenten funktioniert nicht mehr, da der dynamische BVB derzeit für junge spieler mehr sexappeal hat als der steife fc hollywood und auch finanziell nicht auf den verkauf von leistungsträgern angewiesen ist. im gegenteil - bei den letzten transfercoups hat der BVB die bayern ausgeknockt. wenn dortmund jetzt auch international wieder mehr überzeugen kann und bescheiden bleibt, entsteht dort der nächste weltklasseverein.
    wenn uli hoeness erstmals einen club auf augenhöhe mit dem fc bayern sieht, dann muss er die lage tatsächlich als sehr ernst betrachten.

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  4. ...international nur die Bayern in der Lage sind, auf Augenhöhe mitzuspielen, können die Dortmunder national noch so toll spielen.
    Bayern bleibt für mich die Nummer 1 in Deutschland.

    Und das sage ich inbrünstig als Kölnfan :)

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  5. >> Ilkay Gündogan bezeichneten selbst BVB-Fans vor acht Wochen als Fremdkörper ... <<

    ... letzte-Sekunde-Tor im Pokal war für Gündogan wohl das Erweckungserlebnis im BVB-Trikot. Freut einen Vollzeit-Club- und Teilzeit-BVB-Fan natürlich doppelt: Fürth aus dem Pokal und Dortmund ins Finale gegen die Bayern gekickt. Dann war es doch noch für was gut, dass der Club ihn abgeben musste.

    Und Klopp? Der wird sich bald einen neuen Verein suchen müssen. Bei der Chancenverwertung altert man als Trainer doch bei jedem Spiel um Jahre ;-)

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  6. Bayern muss auf Platz 1 stehen. Das ist ihre Philosophie.
    Und ein Jahr ohne Meistertitel ist ärgerlich.

    Nun steht Bayern auf Platz 2. Das nagt am Selbstverständniss.

    Es gab immer mal wieder Uberaschungsmeister. Im nächsten Jahr holt wieder Bayern den Titel.

    Es ist jetzt aber seit langem das erstmal, dass ein Verein zweimal hintereinander den Bayern den Titel streitig machen will.

    Das ist für die Bayern wohl noch schlimmer.

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    > Im nächsten Jahr holt wieder Bayern den Titel. <

    ... oder ist das jetzt eine Prophezeiung gemäß Maya?

    Macht ja nichts. Ich bin Franke und sehe dem gelassen entgegen.

  7. Übrigens könnte sich auch mal die Presse von der nicht mehr zeitgemäßen Fixierung auf Einzelspieler (Robben, Ribery und Robery) verabschieden und dabei gleichzeitig auch die sinnlose Unterscheidung von Stamm- und Ersatzspieler (s. Perisic) aufgeben.
    Fußball ist ein Mannschaftssport, wenn die Mannschaft gut zusammenarbeitet und die Anweisungen, Taktik und Idee stimmen, dann glänzen (alle) ihre Bestandteile. Aber in der deutschen Berichterstattung fühle ich mich leider zumeist an Klatschblätter und ihre Berichterstattung zu Promis und Halbpromis erinnert. Nicht die Spieler entscheiden Meisterschaften, sondern ihr Zusammenwirken. – Klopp steht aus meiner Sicht vor allem für die bedingungslose Unterordnung unter das eigene Spielverständnis. Ob dabei "Stars" entstehen, ist höchstens für die dramasüchtige Presse maßgeblich.

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    Redaktion

    "Auch die Presse könnte die sinnlose Unterscheidung von Stamm- und Ersatzspieler (s. Perisic) aufgeben. Fußball ist ein Mannschaftssport, wenn die Mannschaft gut zusammenarbeitet und die Anweisungen, Taktik und Idee stimmen, dann glänzen (alle) ihre Bestandteile.

    Was, glauben Sie, würde Ihnen Barrios darauf entgegnen? Oder Gündogan, der in Dortmund ein halbes Jahr litt? Haben Sie mitbekommen, wie beleidigt Robben noch Wochen später war, dass Heynckes ihn 3 Mal auf die Bank setzte?

  8. was Herr Klopp eindrucksvoll beweist. Trainer werden in der Regel nur nach erreichten Punkten, d.h. streng nach erreichter Leistung bezahlt. Nur zu oft ist er derjenige, der weit weniger verdient, als so manch ein zickiger Star.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Jürgen Klopp | Mario Gomez | Uli Hoeneß | Borussia Dortmund | Ferrari | Bundesliga
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