Hat gut verhandelt: DFL-Chef Christian Seifert. © Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Der Deutschen Fußball Liga ( DFL ) darf man gratulieren. Sie knöpft Rupert Murdoch jährlich fast eine halbe Milliarde Euro ab und steigert ihre Fernseheinnahmen um mehr als das Anderthalbfache. Wenn Murdochs Bezahlsender Sky das vier Jahre lang leisten kann, werden die Bundesligavereine im Europapokal besser abschneiden, auch Zweitligavereine werden profitieren. Zudem müssen Millionen Fußballfans ihre Gewohnheiten nicht umstellen, Sportschau und Sportstudio bleiben erhalten.

So weit, so gut. Was ein Privatunternehmen mit seinem Geld macht, kann der Allgemeinheit prinzipiell egal sein. Doch bedenklich ist, wer außer Sky noch hohe Millionenbeträge zahlt. Wenn man die DFL richtig versteht , werden ARD und ZDF ein wenig drauflegen müssen, obwohl sie bereits jetzt 120 Millionen Euro pro Jahr für die Zweitverwertung entrichten. Die Ausgaben für eine Sportschau an einem Bundesliga-Wochenende betragen rund drei Millionen Euro nur wegen der TV-Rechte. Sie ist teurer als ein Tatort.

Zu den hohen Kosten kommen für die ARD zunehmend Einschränkungen: In der Sportschau am Samstag kann sie nur fünf aktuelle Spiele zusammenfassen, das Freitagsspiel ist bereits zwanzig Stunden abgestanden. Seit drei Jahren muss sie außerdem gegen das Top-Spiel um 18.30 Uhr antreten. Ab der übernächsten Saison macht ihr zusätzlich das Online-Angebot des Axel-Springer-Verlags Konkurrenz. Schwer abzuschätzen, was sie das an Zuschauern kosten wird.

Nun muss man bedenken, dass die Öffentlich-rechtlichen im Auftrag aller mit Gebühren verhandeln, also mit Quasi-Steuern. Fußball mag ein beliebtes und wertvolles Produkt sein, doch die ARD muss auch Minderheiten bedienen. Von Programmvielfalt im Ersten kann aber im Sport schon lange keine Rede mehr sein.

Zu Lasten des Gebührenzahlers geht auch, dass viele Verantwortliche des Fernsehens angesichts des offenbar mit Gerüchten angeheizten Bietwettbewerbs etwas Wichtiges anscheinend vergessen: Das Bundesverfassungsgericht hat einen Teil des Fußballs dem Markt und dessen ökonomischen Diktat entzogen. Seit 1998 gibt es das Recht auf Kurzberichterstattung . Jeder TV-Sender darf Bundesliga-Spiele in neunzig Sekunden Länge nahezu gratis zusammenfassen, damit will Karlsruhe die Informationsfreiheit des Grundgesetzes sichern.

Ein Sender, der von diesem Recht Gebrauch machte, unterliefe zwar den Standard einer Sportschau . Doch immerhin könnte er alle entscheidenden Szenen zeigen, also Tore, Platzverweise, Rote Karten, Fouls, Schwalben – und das zum Spottpreis. Eine Sportschau light wäre ohne neunstelligen Aufpreis erlaubt.