Europa League : Keine Überraschung für Hannover, kein Wunder für Schalke

Schalke und Hannover scheiden im Viertelfinale aus. Hannover hält gegen Madrid lange mit, scheitert jedoch knapp. Schalkes Rückstand aus dem Hinspiel ist zu groß.
Hannovers Mame Diouf kämpft mit Filipe Luis von Madrid um den Ball. © Joern Pollex/getty images

Hannover 96 – Atlético Madrid 1:2 (0:0)

Die Reise von Hannover 96 durch Europa ist beendet. Für den Bundesligisten war Atlético Madrid im Viertelfinale der Europa League am Ende ein zu starker Gegner. Das neunte Tor von Mame Diouf im dreizehnten Pflichtspiel (81. Minute) reichte nicht für einen Sieg. Für den starken Europa-League-Sieger von 2010 trafen Adrían (63.) und Falcao (87.) und sorgten für die erste Heimniederlage Hannovers in dieser Saison. Bereits das Hinspiel vor einer Woche in Madrid hatte der neunmalige spanische Meister um Ex-Bundesligaspieler Diego 2:1 gewonnen. Im Halbfinale trifft Atlético auf den FC Valencia.

Mit Glück und Geschick verteidigte Madrid zunächst den knappen Vorsprung aus dem Hinspiel. Die 96er waren zwar lange die engagiertere Mannschaft. Allerdings agierte die Elf von Trainer Mirko Slomka , für die bereits die erstmalige Viertelfinalteilnahme in einem Europacup der größte internationale Erfolg ist, gegen defensiv souveräne Spanier im Angriff glücklos.

Nach dem Wechsel wurde Atlético stärker, nicht Hannover

Vor allem die erste Halbzeit entwickelte sich zäh, keine einzige Torchance auf beiden Seiten. Die Leistung der Spieler wollte so gar nicht zum stimmungsvollen Rahmen passen, für den die Fans in der ausverkauften Arena sorgten. Die ersten Vorstöße der Heimelf blieben alle ohne Wirkung. Atlético stand auch ohne die drei gelbgesperrten Asse Juanfran, Arda Turan und Gabi sicher und kompakt. Die Niedersachsen entwickelten selbst bei einigen Ecken und Freistößen nicht den Hauch einer Gefahr.

Ohne den im Hinspiel starken Lars Stindl, der mit Adduktorenproblemen passen musste, kam wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld für die Stürmer Diouf und Didier Ya Konan. Allerdings ging Hannover gegen die zwar abwartendenden, aber offensiv kombinationssicheren Spanier in der ersten Hälfte auch noch nicht volles Risiko.

Nach dem Wechsel wurde Atlético statt Hannover mutiger. Beim Siegtreffer narrte Adrían gleich vier 96-Akteure inklusive Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler. Erst danach wagte Hannover mehr Risiko. Slomka wechselte einen weiteren Stürmer ein, Mohammed Abdellaoue, läutete eine Schlussoffensive ein. Diouf traf gleich bei der ersten echten 96-Torchance des Spiels.

Mit dem insgesamt fünften Angreifer auf dem Platz, dem Polen Artur Sobiech, versuchte Slomka noch einmal alles. Was folgte, war der bittere Volleytreffer von Torjäger Falcao.

Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Pogatetz, Eggimann, Pander (87. Sobiech) – Pinto, C. Schulz (73. Schmiedebach) – Schlaudraff, Rausch (71. Abdellaoue) – M. Diouf, Ya Konan

Atlético Madrid: Courtois – Godin, L. Perea, Miranda, Filipe – Tiago, Mario Suarez – Adrian, Diego, Koke (65. Salvio) – Falcao  

Tore: 0:1 Adrian Lopez (63.), 1:1 Diouf (81.), 1:2 Falcao (88.)

Beste Spieler: Pander, Pinto / Diego, Adrián López

Gelbe Karten: Pinto / Falcao, Diego, Koke, Miranda, Godin 

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)

Zuschauer: 44.000

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Und übrig bleiben wieder mal nur die Bayern

Fünf von acht Halbfinalteilnehmern der beiden europäischen Wettbewerbe kommen diesmal aus Spanien.

Auch wenn der Messi nicht in der spanischen Nationalelf spielt, fragt man sich da schon, ob wir nicht wie Günter Grass wieder mal an chronischer Selbstüberschätzung leiden, wenn wir die DFB-Elf zum Favoriten für die EM erklären.

Auch wenn

nach solchen Pleiten oft ein nationaler Pessimismusanfall den nächsten jagt, gebe ich zu bedenken, dass die vier großen Teams aus England regelmäßig und jahrelang das Gros der CL-Viertel- und Halbfinalteilnehmer für ihr Land gestellt haben. Man erinnere sich auch an das rein englische Championsleague-Final von 2008. Und wann haben die Three Lions zuletzt eine Trophäe geholt? Genau.

Nur die Nr. 4?

Die Ligen Spaniens und Englands sind sicher stärker, aber die italienische Serie A ist bestimmt nicht stärker als die Bundesliga.
Das gestern beide deutsche Mannschaften die Segel streichen mussten, lag nicht unbedingt an überstarken Spaniern. Schalke ist bedauerlicherweise schon im Hinspiel "ausgeschieden", und das durch krasse Torwartfehler und der Karikatur eines Torhüters (Schober) im Kasten. Die Niederlage im Hinspiel halte ich für unglücklich, die Schalker waren eigentlich die bessere Mannschaft. Das gestrige Unentschieden war aus meiner Sicht leistungsgerecht. Und was ich von Hannover gesehen und gelesen habe, waren die Niedersachsen nicht unbedingt schlechter.
Hätte also auch ganz anders laufen können.

Die rosarote deutsche Brille

Solange die BL Vereine als "eigentlich bessere" Vereine durch "unglückliche" Niederlagen aus den europäischen Bewerben ausscheiden, werden sie mit von den heimischen Medien verliehenen Titeln wie "Meister der Herzen" vorlieb nehmen müssen, auf die Vereine wie Schalke und Leverkusen ja abonniert zu sein scheinen.

Auffällig ist doch seit 40 Jahren, daß sich nur der FC Bayern für den BL-Fußball auf europäischer Ebene etablieren konnte. Die anderen spielen die Rolle der blinden Hühner, die auch mal ein Korn finden.

Jede andere der großen Ligen (Spanien, England, Italien) verfügt über mehrere solche Kaliber wie den FCB (Real/Barca, ManU/Chelsea/Arsenal/Liverpool, Milan/Inter/Juventus), die regelmäßig in den Halbfinals und Finals der Europacups auftreten. CL-HF-Teilnahmen in den letzten 10 Jahren: England 15, Spanien 11, Italien 7, BL 3!

Die Vorstellung des vorjähringen souveränen BL-Meisters in der CL war doch mehr als blamabel. Daß sich dabei ein Sportreporter nicht entblödet eine 0:3 Niederlage gegen Marseille als "unglücklich" zu bezeichnen ("jeder Schuß ein Treffer" - heul) ist typisch für die vorherrschende Realitätsverweigerung.

Selektive Wahrnehmung

Letztlich erinnert man sich nur an Titel, das ist so. Aber die Stärke der Liga ausschließlich an HF-Teilnahmen zu messen, wird der Sache wohl nicht gerecht. Da scheint mir die 5-Jahreswertung der UEFA doch etwas aussagekräftiger. Und laut dieser Wertung ist die Bundesliga derzeit die unumstrittene Nr. 3 in Europa.

Klar, Spanien und insbesondere England haben mehrere Topklubs, die ständig zum Favoritenkreis auf den Gewinn europäischer Titel gezählt werden, aber für Italien gilt das nur noch mit Abstrichen. Liverpool und JuventusTurin gehören ganz sicher nicht zu den europäischen Topklubs.

Schalke hat aus meiner Sicht deshalb unglücklich verloren, weil die Spanier im Hinspiel phasenweise an die Wand gespielt wurden, und weil grobe Torwartschnitzer die Niederlage begünstigten.
Und das mit den blinden Hühnern, die auch mal ein Korn finden, trifft hinsichtlich des S04 nicht zu. Seit der Saison 96/97 sieht die Schalker Europa-Cup Bilanz wie folgt aus:
UEFA-Pokal / Europa-League: 1x Sieger, 1x HF, 2x VF
Champions-League: 1x HF, 1x VF
Das macht die Königsblauen sicher nicht zu einem europäischen Topklub, und stellt sie nicht auf eine Stufe mit den Bayern oder gar dem FC Barcelona, aber hinter Vereinen wie Bilbao oder A. Madrid muss man sich mit dieser Bilanz sichre nicht verstecken.

Ist doch klar, dass

derzeit die spanische Liga die stärkste ist.

Aber das derzeitige Uefa-Koeffizienten-Ranking für die BL finde ich schon passend.
Die anderen Ligen haben nun mal auch fast nix mehr im HF zu melden: 1 x D, 1 x Eng, 1 x Por. Nix Italien, nix Frankreich, etc. pp.
Und die BL bringt in der Breite eben immer ein paar ins Achtel- und Viertelfinale.

Mag sein, dass S 04 und H 96 nicht viel mit der Nati zu tun haben.
Da wird Bayern-Real schon interessanter (obwohl Özil und Khedira...;-)).

Aber insgesamt strahlen die spanischen Teams eine größere Souveränität und Coolness auf höchster Ebene aus. Da bekommt man schon ein mulmiges Gefühl, was die EM angeht. V.a. was unsere Abwehr angeht (all die schönen Aussetzer von Boateng, Badstuber, Hummels - alles nette Jungs und oft gut, aber wenn's hart auf hart kommt... puha;-)).