Eine große Überraschung ist es nicht, dass die Führung der Formel 1 die Austragung des Grand Prix von Bahrain jetzt tatsächlich bestätigt hat: Denn der Führungsstil autoritärer Regime und die Einstellung der Formel-1-Funktionäre zum Thema Mitsprache passen ganz gut zusammen. So erklärte denn auch der Motorsportweltverband Fia am frühen Freitagmorgen, dass das Rennen in Bahrain am nächsten Wochenende wie geplant stattfinden wird. Ohne weitere Rücksprache mit den Teams. Ein für Samstag anberaumtes Treffen zwischen Fia-Präsident Jean Todt, F1-Promoter Bernie Ecclestone und den Teamvertretern wurde gar nicht mehr abgewartet. Denn man sei nach ausgiebigen Kontakten mit den Autoritäten in Bahrain und verschiedenen dort ansässigen Botschaften zu dem Schluss gekommen, dass die Sicherheit der Fahrer, Teammitglieder und Zuschauer gewährleistet sei. Nur die Fia und die Veranstalter eines Grand Prix können ein Rennen absagen.

Bernie Ecclestone teilte die Entscheidung dann in Schanghai den Teamvertretern mit und setzte danach in seiner unvergleichlichen Art gleich noch einen drauf: "Niemand bei den Teams hat irgendein Problem damit – und alle sind glücklich, dahin zu gehen." Für ihn existieren in Bahrain keine Probleme, "die werden bloß von den Medien gemacht, die keine Ahnung haben". Dass auch renommierte Menschenrechtsorganisationen von Amnesty International bis Human Rights Watch das Rennen in Bahrain als sehr kritisch ansehen und betonen, dass sich die Formel 1 damit zum Verbündeten des dortigen Regimes macht, interessiert ihn nicht.

Schon in den Jahren 1977 bis 1981 machte sich die Formel 1 sehr angreifbar, als sie trotz Militärdiktatur und massivster Menschenrechtsverletzungen in Argentinien das Rennen dort weiterhin austrug, ähnlich war es im damaligen Apartheid-Staat Südafrika in den Achtzigern. Damals wagte es immerhin Renault, sich Ecclestone und dessen Entourage einmal zu widersetzen. 1985 fuhr Renault in Südafrika nicht mit.

Revolutionsbewegungen kündigen Protest gegen Grand Prix an

Heute traut sich niemand mehr, öffentlich aus der von oben verordneten Meinung auszuscheren. Auch Teamchefs nicht, die in der vergangenen Woche zumindest unter der Bedingung, dass ihr Name nicht genannt werde, deutlich wurden und klarmachten, dass bei einem Rennen in Bahrain "am Ende alle nur verlieren können". Denn auch wenn die Offiziellen keine Risiken einräumen – Revolutionsbewegungen in Bahrain haben bereits Proteste gegen den Grand Prix angekündigt, die February 14th Youth Coalition machte dabei sogar eindeutig klar, dass sie auch für die Sicherheit der Formel-1-Beteiligten nicht garantieren könne.

Jetzt scheint es, als verließen sich die Teams ganz auf die Aussagen der Offiziellen. Red-Bull-Teamchef Christian Horner betont allerdings, man werde sehr wohl auch eigene Sicherheitsmaßnahmen für alle Mitarbeiter des Teams ergreifen und zeigt damit, dass ein mulmiges Gefühl bleibt. Auch Fans und Sponsoren lassen sich nicht von Ecclestones Aussagen beschwichtigen. So erzählte zum Beispiel Red-Bull-Pilot Mark Webber, dass er über verschiedene soziale Netzwerke von Fans erfahren habe, dass sie von einem Rennen in Bahrain gar nichts hielten. Ähnliches berichtete auch Bruno Senna schon vor einiger Zeit – und gab außerdem zu verstehen, dass er auch von einigen seiner Sponsoren kritische Anfragen zu dem Thema bekommen habe.

Dass die Geldgeber bei einigen Teams alles andere als begeistert sind, wenn ihr Name mit Bahrain in Verbindung gebracht wird, ist ebenfalls bekannt. Aber laut genug, um eine Absage durchzusetzen, haben auch sie nicht protestiert.

Erschienen im Tagesspiegel