Groundhopping-ExperimentZehn Fußballstadien in zehn Tagen

Weil er Fußball liebt und Radfahren: Unser Autor Jens Uthoff geht auf Tour durchs Ruhrgebiet und macht täglich in einem anderen Stadion Station. von Jens Uthoff

Der Potthopper Jens Uthoff

Der Potthopper Jens Uthoff  |  © Privat

Um von vorn herein Missverständnisse zu vermeiden: Ich bin kein Groundhopper. Vermutlich werde ich es auch nie sein. Die Groundhopper widmen nahezu ihr ganzes Leben ihren Entdeckungsreisen durch die Sportarenen und Stadien dieser Welt. Sie sehen im Laufe ihres Lebens Tausende von Grounds, wie sie, dem Wortlaut des Fußball-Mutterlandes folgend, die Spielstätten nennen. Sie haben jede Menge Spiele der zweiten aserbaidschanischen Liga gesehen, sie wissen exakt, in welcher Straße sich welcher Fußballplatz in Borgholzhausen oder Hamminkeln befindet, ganz ohne digitale Stütze.

Groundhopper sind die Globetrotter unter den Fans, ihr Lebenswerk misst sich an der Zahl der Stadien, die sie gesehen haben. Die Stadiensammler machen aus dem Zusehen ihre eigene Sportart, in der der Besuch eines Grounds das Größte ist. Ich aber mag einfach nur das Fahrradfahren und das Fußballschauen.

Anzeige

Ich möchte wissen, wie es sich anfühlt, Tag für Tag von Stadion zu Stadion zu ziehen. Ich möchte den Hoppern nachspüren. Daher werde ich zehn Tage mit dem Fahrrad groundhoppen, dabei zwischen Maas, Rhein, Ruhr und Wupper unterwegs sein.

Es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt, eine solche Tour zu bestreiten, als die kommenden englischen Wochen. Ich werde die Wege zweier Borussias kreuzen, jenen des FC Bayern, auch den des VfB Solingen oder den der Frauen des FCR Duisburg. Start ist in Köln, der Weg führt mich von dort aus in die zweite holländische Liga zur Maastrichtse Voetbal Vereniging. Danach soll es zu den juvenilen Fohlen nach Gladbach gehen – und dann tief in den Westen, wo die Sonne verstaubt.

Da ein beträchtlicher Teil der Spiele im Ruhrgebiet stattfindet, ist der Arbeitstitel und das Hashtag meines Experiments #potthop – zu begleiten ist das Abenteuer über den Twitter-Account von ZEIT-ONLINE-SPORT.

Die Tour auf Twitter

Jens Uthoff ging mit seinem Fahrrad zehn Tage auf Groundhopping-Tour und sah dabei neben den Klassikern der Bundesliga auch Kreisliga C-Spiele. Der Radler, zwischen Maas, Rhein, Ruhr und Wupper unterwegs, hat dabei täglich von der Strecke aus mit dem Hashtag #potthop getwittert.

Der Tourplan

06.04. JUPILER LEAGUE 20 h Maastricht vs. Sparta Rotterdam
07.04. BUNDESLIGA 18.30 h Mönchengladbach vs. Hertha
08.04. 2. BUNDESLIGA 13.30 h Bochum vs. Karlsruhe
09.04. LANDESLIGA 15 h VfB Solingen vs. VdS Nievenheim
10.04. 2. BUNDESLIGA 17.30 h Düsseldorf vs. FSV Frankfurt
11.04. BUNDESLIGA 20 h Dortmund vs. Bayern
12.04. KREISLIGA C1 19 h FC Bilstein vs. SV Brachthausen
13.04. REGIONALLIGA-WEST 19 h Leverkusen II vs. Kaiserslautern II
14.04. BUNDESLIGA 15.30 h Schalke vs. BVB
15.04. FRAUEN REGIONALLIGA-WEST 15 h 1. FFC Recklinghausen vs. GSV Moers

Groundhopping

Das Phänomen Groundhopping taucht erstmals Mitte der siebziger Jahre auf. Ein Fan von Bristol City wollte 1974 die englische Football Association (FA) davon überzeugen, demjenigen, der alle 92 Grounds der walisischen und englischen Profiliga besucht hat, eine Krawatte als Auszeichnung zukommen zu lassen (der Rekord: 92 Stadien in 237 Tagen). Dies ist der Gründungsmythos des bis heute bestehenden Club 92, der sich vier Jahre später, 1978, formierte und damit der erste Hopper-Club ist, der Erwähnung fand. Das schottische Pendant, der Club 38, entwickelte sich kurz darauf. Heute ist Groundhopping eine nicht mehr ganz so exklusive, aber noch genauso ambitionierte Angelegenheit. In die seit 1993 bestehende Vereinigung der Groundhopper Deutschlands (VdGD), die 75 Mitglieder zählt, wird man erst ab 300 besuchten Grounds oder 30 Länderpunkten aufgenommen.


Größere Kartenansicht

Die echten Groundhopper könnte man als Nerds charakterisieren. Gemein ist ihnen, dass sie möglichst viele Spiele einer Sportart in möglichst kurzer Zeit sehen – optimal ist eine Ausbeute von vier bis fünf Matches am Tag. Daher auch hopping, also hüpfen: Es geht weniger darum, den Besuch eines Fußballspiels zu genießen, als vielmehr möglichst schnell von Ground zu Ground zu kommen. Dabei sammelt man Punkte. Mit jedem besuchten Spiel (man muss mindestens eine Halbzeit gesehen haben) "macht" man einen Ground. Beim Fußball bekommt man pro Fifa-Mitgliedsstaat, in dem man ein Match gesehen hat, einen Länderpunkt. Was nach strengen Regularien klingt, ist bisher nur unausgesprochener Kodex in der Groundhopper-Szene.

Um Groundhopping-Punkte muss ich mir kaum Gedanken machen. Nur einen mickrigen Extra-Länderpunkt – nämlich den auf holländischem Boden – dürfte ich nach der Tour auf meinem Konto haben, immerhin kommen ein paar Stadienpunkte dazu. Warum das Ganze also, wenn nicht als Eintrittskarte in die Welt der Groundhopper?

Leserkommentare
  1. Hope your tour goes well Jens. I really would like to tour around the grounds of NRW one day on my bike!

    I have been doing the same in England and Wales. http://www.flickr.com/ste...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte FC Bayern München | Ruhrgebiet | Solingen | Stadion | Bayern | Duisburg
Service